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Briner Peter · Ständerat · Schaffhausen · Freisinnig-demokratische Fraktion · 2000-11-28

Wortprotokoll

Der aus dem 19. Jahrhundert und dem Kulturkampf hervorgegangene Bistumsartikel ist heute im eigentlichen Sinne obsolet geworden. Karl Barth verkündete schon vor dreissig Jahren, die Protestanten wollten mit diesem Zeichen der Unfreiheit nichts zu tun haben. Wenn überhaupt, scheint heute - und das ist bemerkenswert - eher eine Art Umkehr der Geschichte und der Argumentation stattzufinden, und zwar um 180 Grad, indem vereinzelte kirchliche Funktionäre glauben, der Artikel biete den Schweizer Katholiken mindestens einen symbolischen Schutz gegen eventuelle autoritäre Ansprüche des Vatikans.

Aber der Bistumsartikel vermöchte daran auch nichts zu ändern. Er bleibt, wie das seit seiner Einführung vor 125 Jahren der Fall war, toter Buchstabe. "Theologisches Wohlverhalten", wenn man das überhaupt wollte, lässt sich kaum per Verfassung dekretieren.

Die gesellschaftlich konfessionelle Emanzipation in unserem Land, in unserer Bevölkerung vor allem, hat bewiesen, dass es der staatlichen Einmischung in innerkirchliche Angelegenheiten nicht bedarf. Aufgrund des hohen Gutes der Religionsfreiheit hat sich bei uns eine interkonfessionelle Toleranz, eine Ökumene oder - mit einem politischen Ansatz - ein religiöser Friede entwickelt, die echter sind und echter bleiben werden, wenn sie auf Dialog und nicht auf einem staatlichen Relikt aus dem letzten Jahrhundert gründen.

Der ins biblische Alter gekommene Bistumsartikel hat es verdient, heute ein schickliches Begräbnis zu erhalten.

Briner Peter · Ständerat · 2000-11-28 | Lexipedia | Lexipedia