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Heim Bea · Nationalrat · Solothurn · Sozialdemokratische Fraktion · 2009-03-16

Wortprotokoll

Die Schweiz schreibt Rekorde, traurige Rekorde. Die Kette der Familiendramen in unserem Land reisst nicht ab - im Gegenteil: Die im internationalen Vergleich bereits hohe Anzahl steigt weiter an. Dabei bleibt vieles im Dunkeln; die Zahlen, die bekanntwerden, sind nur die Spitze des Eisbergs. Was wir mit Sicherheit wissen, ist, dass die hohe Verfügbarkeit von Waffen in Schweizer Haushalten häusliche Gewalt und die Anzahl von Schusswaffensuiziden direkt steigert und dass Kurzschlusshandlungen mit Schusswaffen tödlich enden oder lebenslange physische und psychische Schäden zur Folge haben. Stellen Sie sich bitte nur für einen kurzen Moment die Kinderaugen vor, die Kinderängste in so dramatischen Augenblicken, wenn Mutter und Kind mit einer Schusswaffe bedroht werden. Es sind Szenen, die Kinderseelen tief und lebenslang verletzen. Seit Langem weisen die Polizei, die Ärzteschaft und Opferhilfestellen auf das Drohpotenzial hin, das die 2,3 Millionen Schusswaffen im Privatbesitz darstellen. In ihrer Erfahrung gehören Drohungen mit Mord, Suizid, Kindsentführung und körperliche Gewalt mit Waffen zur Tagesordnung.

Auch was die Zahl der Suizide betrifft, liegt die Schweiz europaweit vorne. Sie haben es gehört: Durchschnittlich nimmt [PAGE 390] sich in unserem Land jeden Tag ein Mensch mit der Schusswaffe das Leben. Das darf doch nicht sein! Bedenken Sie: Weit mehr als 10 000 Suizidversuche kommen noch dazu. Es sind vor allem Männer, die so einen Ausweg aus ihrer Krise suchen. Sie greifen zur Armeewaffe. Für die Familien, für die Kinder ist das schlicht eine Katastrophe! Und für die Volkswirtschaft entstehen erhebliche Kosten von rund 2 Milliarden Franken pro Jahr.

Wir können und dürfen nicht länger die Augen vor diesen Dramen verschliessen. In der Schweiz kommt man viel zu leicht an eine Waffe. Unwillkürlich muss man bei dieser Feststellung an die Dramen von Zug, Erfurt und Winnenden denken. Es gilt, alles zu unternehmen, um solche Tragödien zu vermeiden. Der allzu leichte Zugang zu Waffen fördert darüber hinaus den Schwarzmarkt und den Missbrauch. Es braucht endlich eine lückenlose Registrierung aller Waffen. Für Interessenten ist die Bedingung des Bedarfsnachweises zu stellen. Generell muss der Zugang zu Waffen erschwert werden. Armeewaffen und -munition gehören nicht ins Haus, sondern ins Zeughaus. Das senkt die Gewalt- und die Suizidrate, Länder wie Kanada und Australien liefern den Beweis. Jede verhinderte Tötung, jeder verhinderte Suizid ist doch ein Erfolg. Das müsste doch auch jedem Schützenherzen ein Anliegen sein. Unser Ziel, weniger Suizide und Familiendramen, erreichen wir nur, wenn wir die Verfügbarkeit von Waffen einschränken. Glauben Sie mir: Die Schützentradition kommt dadurch nicht zu Schaden, sondern wird punkto Image der Gesellschaftsverantwortung noch gestärkt.

Geben Sie also der parlamentarischen Initiative Galladé Folge, sagen Sie dem Waffenmissbrauch den Kampf an! Waffen gehören erst recht nicht in Kinderhände, sie dürfen nicht als Leihwaffen im ausserdienstlichen Schiesswesen an sie abgegeben werden, auch nicht im Jugendalter. Wenn Waffen, dann erst im Erwachsenenalter und vor 25 Jahren nur mit einem psychologischen Test. Sorgen Sie für mehr Sicherheit für Familien, für Kinder, Frauen und für all die Menschen, die in diesem Land in einer persönlichen Krise meinen, es gebe keinen anderen Ausweg als die Schusswaffe. Das sind allesamt Kurzschlusshandlungen. Sorgen Sie für mehr Sicherheit, ich bitte Sie darum!