Mörgeli Christoph · Nationalrat · Zürich · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2009-03-19
Wortprotokoll
Der Begriff "Landesmuseum" ist seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert fest eingeführt, und es scheint mir, solche fest eingeführten Brands sollte man nicht ändern. Aus dem Landesmuseum ist vorübergehend auch im deutschen Sprachraum das "Musée suisse" geworden. In der französischen Sprache scheint uns das Wort "Nationalmuseum" durchaus möglich, im Deutschen ist es aber weit problematischer. Nun kann es sein, dass man mit dem Begriff "Nationalmuseum" einen Überbegriff für verschiedene Museen schaffen will, aber es ist selbstverständlich, dass aus dem Kern des Landesmuseums in Zürich über kurz oder lang auch ein "Nationalmuseum" werden wird - wir werden dann auch diesen Begriff ändern, da bin ich sicher.
Ich kenne natürlich den Grund für diese Namensänderung: Gegenüber der Bundesrepublik gibt es wahrscheinlich Verständnisprobleme, denn dort sind Landesmuseen etwas anderes. Es gibt in Deutschland Landesmuseen in Baden-Württemberg, in Sachsen-Anhalt usw., aber es fehlt dort die nationale Konnotation. Es scheint mir nicht nötig zu sein, wegen der dortigen Verhältnisse hier eine Wortgleichheit mit Deutschland einzuführen, denn unsere Geschichte, die Struktur unseres Staates ist anders. Wir sollen und können zu diesem Sonderfall stehen. "Nation" hat in der deutschen Sprache eben immer einen gewissen Beigeschmack von "Grande Nation", es klingt nach Trompetenstoss usw. Der Begriff ist im Deutschen unbescheiden, wenn nicht gar euphorisch. Die Schweiz tut sich generell und zu Recht etwas schwerer mit dem Begriff "Nation", was ich nicht als Nachteil sehe. Wir haben eben, wie ich zu erklären versucht habe, in der Schweiz keine gemeinsame Geografie, keine gemeinsame ethnische Abstammung, keine gemeinsame Kultur, sondern sind von Vielfalt geprägt. Das Nationale oder gar Nationalistische ist auch nicht modern und entspricht sicher keineswegs dem Zeitgeist, wie wir ihn in den nächsten Jahrzehnten erleben werden. Wir wissen, dass entsprechende Anstrengungen im 19. Jahrhundert angestellt worden sind, aber sie haben immer eher in die Irre geführt.
Der Kleinstaat sollte sich bescheiden und am Begriff "Landesmuseum" auch als Oberbegriff festhalten. Wir haben beispielsweise im Kunstbereich nun einmal keine Nationalgalerie, sondern wir haben hervorragende Kunstsammlungen in den Kantonen. Auch das ist typisch schweizerisch. Wir haben keine National-Universität, sondern auch da sind eben die Kantone zuständig. Stehen wir zum Begriff "Landesmuseum"! Er passt zu unserem Kleinstaat, zu unserer Tradition. Wir sollten also beim Begriff "Landesmuseum" bleiben, wie es auch eine Minderheit in der Kommission des Ständerates und in der Vernehmlassung auch die Sozialdemokraten gefordert haben.