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Hess Hans · Ständerat · Obwalden · Freisinnig-demokratische Fraktion · 2009-03-18

Wortprotokoll

Ich lege einleitend meine Interessenbindung offen: Ich bin Präsident von Lignum, Holzwirtschaft Schweiz. Das ist die Dachorganisation der Schweizer Holz- und Waldwirtschaft.

Aus der Antwort des Bundesrates auf meinen Vorstoss lese ich durchaus freundliche Worte und ein Wohlwollen für mein Anliegen. Was mir aber fehlt, ist ein klares Bekenntnis des Bundesrates zum Rohstoff Holz und zu seiner konsequenten Nutzung. Ich ersuche deshalb den Bundesrat, ganz konkret dazu Stellung zu nehmen, ob er die Einschätzung der Ressource Holz als strategisch wichtige Grösse für die Schweiz teilt.

Der Bundesrat hat wohl bereits verschiedentlich Absichten zur Ressourcenpolitik Holz formuliert. Deshalb ist nun für mich der Moment gekommen, dass sich der Bundesrat unmissverständlich dahingehend äussert, dass die optimale Nutzung einheimischer Ressourcen sowie die Wirkung zugunsten von Nachhaltigkeit und Klimaschutz wesentliche Beurteilungs- und Entscheidungskriterien bei neuen Nationalen Forschungsprogrammen darstellen.

Herr Bundesrat, ich spreche eigentlich nur mit Ihnen, die anderen unterstützen mich ja voll und ganz. Es ist zwar um die Verfügbarkeit der wichtigsten Rohstoffe ruhiger geworden, seit die Weltwirtschaft hinkt und besonders seit der Ölpreis wieder relative Bodenhaftung zeigt. Die Zukunft des Finanzplatzes und der Gesamtwirtschaft in einem rezessiven Umfeld stehen heute im Vordergrund, und dafür habe ich auch Verständnis. Doch machen wir uns nichts vor: Die Aufgaben in der Energie- und Klimapolitik lösen sich auch nicht von alleine.

Holz hat als nachwachsender, einheimischer Rohstoff nebst den bereits seit Langem bekannten Qualitäten auch das Potenzial, in Zukunft zu einer neuen Basis der chemischen Industrie und damit zum Nachfolger des jetzt noch allgegenwärtigen Erdöls zu werden. Diese Perspektive erfordert weitsichtiges Handeln.

Ich halte hier einfach nochmals fest: Der Schweizer Wald ist in der Lage, auch für neue Nutzungsformen genug Rohstoff sicherzustellen. Er bedeckt in der Schweiz mittlerweile über 30 Prozent der Landesfläche. Die Schweiz ist von der nachhaltigen Ausschöpfung dieser enormen Ressource nach wie vor weit entfernt. Die Ernte erreichte 2007 bei einem Zuwachs von rund 9,5 Millionen Kubikmetern erst rund 5,7 Millionen Kubikmeter Holz. Eine zunehmende Holznutzung gefährdet den Wald deshalb in keiner Art und Weise. Die Chance, die in der Holzfaser steckt, gilt es jedoch vom kleinsten bis zum grössten Massstab zu nutzen. Das bedingt ein Konzept der Kaskadennutzung zur maximalen Ausschöpfung der langfristig verfügbaren Reserven. Holz soll zuerst stofflich, erst dann energetisch genutzt werden. Das verlangt aber auch eine interdisziplinär vernetzte, an heutigen und künftigen Bedürfnissen der Wirtschaft orientierte Forschung und Entwicklung sowie einen breitangelegten Wissens- und Technologietransfer.

Ebendies unternimmt das breitangelegte Forschungsvorhaben "Wood Fiber 2020". Die nationale Initiative im Bereich Holz bindet neu alle Hochschulen in eine verstärkte und ringsum abgestimmte Grundlagenforschung ein.

Die Schweizer Holzbranche ist überzeugt, dass der Horizont im Umgang mit der Ressource Holz weit gesteckt werden muss. Denn die optimale Nutzung dieser Ressource ist von strategischer Bedeutung für unser Land. Deshalb setzt sie sich für den Aufbau eines nationalen Forschungsprogramms Holz auf der Grundlage des Forschungsplans "Wood Fibre 2020" ein. Das ist der Grund, Herr Bundesrat, weshalb ich dem Bundesrat für eine klare Aussage in dieser Richtung dankbar bin.