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Weber-Gobet Marie-Thérèse · Nationalrat · 2009-04-29

Weber-Gobet Marie-Thérèse · Nationalrat · Freiburg · Grüne Fraktion · 2009-04-29

Wortprotokoll

Ich nehme hier Stellung zur Motion Fasel 08.3357, "Veradministrierung der Fachhochschulen", und zur Motion Glanzmann 07.3879, "Antidiskriminierungskampagne".

Die grüne Fraktion bittet Sie, die Motion Fasel 08.3357 anzunehmen. Der Bundesrat lehnt die Motion mit dem Hinweis ab, dass die Fachhochschulen seit 1999 eine Kostenrechnung führen und die Administrationskosten separat ausweisen. Zudem weist er darauf hin, dass der Anteil der Administrationskosten im schweizerischen Durchschnitt seit 2004 rund 10 Prozent beträgt und ein Anstieg in den letzten Jahren nicht feststellbar ist. Eine Auseinandersetzung mit den aktuellen Zahlen zeigt allerdings ein ganz anderes Bild:

1. Die Zahlen zwischen den einzelnen Fachhochschulen können gar nicht verglichen werden. Dafür fehlt es an klaren Regeln zwischen den Schulen, was unter Administration überhaupt zu verstehen ist.

2. Die Unterschiede zwischen den einzelnen Schulen sind enorm, wahrscheinlich auch aufgrund der unklaren Regeln. Der Anteil der Administration beträgt in der Zentralschweiz rund 10 Prozent und in der Nordwestschweiz 39 Prozent.

3. Rechnungsabschlüsse von Fachhochschulen weisen darauf hin, dass die Ausgaben für die Administration kontinuierlich wachsen und nicht abnehmen.

Das Grundproblem hinter diesem Malaise ist, dass es keine sicher vergleichbaren Daten gibt. Die Motion Fasel 08.3357 verlangt deshalb vom Bundesrat einen Bericht zur Entwicklung der Administration an den Fachhochschulen in den letzten zehn Jahren. Solche Daten ermöglichen einen Benchmark zwischen den Schulen und aufgrund von vergleichbaren Daten eine angepasste Ausgabenpolitik. Wir wollen starke Fachhochschulen in Forschung und Lehre. Die Administration hat dieses Ziel zu unterstützen und nicht zu bremsen.

Nun zur Motion Glanzmann 07.3879: Auch die grüne Fraktion bittet Sie, die Motion anzunehmen. Tatsache ist: Schweizer Jugendliche haben bei gleicher schulischer Leistung eine viermal bessere Chance, eine Lehrstelle zu finden, als Jugendliche mit Migrationshintergrund. Die vorgeschlagene Antidiskriminierungskampagne macht durchaus Sinn. Die Vorschläge des Bundesrates sind zu begrüssen, vor allem, wenn die Massnahmen auf die Stärken der ausländischen Jugendlichen und nicht auf deren Schwächen abzielen. Im Hinblick auf die Kampagne schlagen wir vor, dass bei den vorgesehenen Massnahmen auch das Projekt [PAGE 729] "Zukunft statt Herkunft" berücksichtigt werde. Dieses Projekt richtet sich an Lehrbetriebe, insbesondere an Klein- und Kleinstbetriebe. Es stellt auf dem Internet einen Werkzeugkasten zur Verfügung, der eine systematische und diskriminierungsfreie Lehrlingsselektion ermöglicht. Für Jugendliche mit Migrationshintergrund ist viel gewonnen, wenn sich die Lehrlingsselektion an den Kompetenzen der Bewerber und nicht an Kriterien wie Nationalität oder Familienname orientiert. Vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung - Kollege Noser hat hierauf hingewiesen: Wir rechnen mit 16 Prozent weniger Auszubildenden - ist es für unsere Volkswirtschaft wichtig, das Potenzial der in der Schweiz wohnhaften jungen Menschen auszuschöpfen, unabhängig davon, ob sie Schweizer oder ausländische Wurzeln haben.

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