Kaufmann Hans · Nationalrat · Zürich · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2009-04-29
Wortprotokoll
Ich habe am letzten Samstag den Dies academicus der Universität Zürich besucht. Die Sprecherin der Studentenschaft hat sich genau über jene Probleme beklagt, die ich in meiner Interpellation 08.3423, "Mangelhafte Bologna-Reform", angesprochen habe. Wir haben doch Millionen, ja fast Milliarden Franken für die Bologna-Reform ausgegeben, aber die Bildungsbürokratie ist bis heute nicht in der Lage gewesen, die Vorgaben bezüglich Mobilität und Durchlässigkeit zeitgerecht umzusetzen.
Mich stört vor allem das elitäre Verhalten gewisser Hochschulen gegenüber Fachhochschulabsolventen, die sich dort weiterbilden wollen. Die Bildungspläne sind nicht aufeinander abgestimmt. Das heisst, dass ein Fachhochschulabsolvent aus Winterthur, der an der HSG weiterstudieren muss oder will, noch gewisse Fächer oder Kurse belegen muss. Er verliert unglaublich viel Zeit; das kann schon mal ein Jahr kosten. Das war ja nicht der Zweck der Übung. Auch was die Anerkennung der Abschlüsse betrifft, vor allem jene von ausländischen Universitäten - das habe ich in meiner Familie erlebt -, gleicht es einem Basar, was anerkannt wird und was nicht. Ich musste leider von einem Fachverantwortlichen der Fachhochschule Winterthur erfahren, dass die Zusammenarbeit zwischen den Fachhochschulen und zum Beispiel der ETH einfach nicht klappt. Die Fachhochschule Winterthur hatte für einen Kurs zu wenig Schüler, nur acht. Sie wollte diese Schüler, weil die ETH den gleichen Kurs auch anbietet, bei der ETH platzieren. Sie erhielt eine abschlägige Antwort, weil man kein Know-how verlieren wollte. Ja, was ist denn eigentlich die Aufgabe unserer Bildungsinstitute? Dass man das Know-how verteilt und es nicht für sich behält.
Sie können verstehen, dass ich deshalb mit der Antwort des Bundesrates auf meine Interpellation natürlich nicht zufrieden bin. Ich rege an, dass man nicht nur die Lehrinhalte, die Qualität des vermittelten Wissensstoffs, sondern vielleicht auch mal die Effizienz der Bildungsbürokratie etwas genauer unter die Lupe nimmt.
Ich habe auch nach einer Erklärung dafür gesucht, warum der Kanton Zug für einen Studenten, der aus Zug kommt und in Zürich die Universität besucht, bezahlen muss, während alle ausländischen Studenten gratis studieren. Ich habe ausgerechnet, was das kostet. Es geht hier um einen Nettobetrag von etwa 800 Millionen Franken. Wenn Sie das schon nicht mit Gebühren regeln wollen, dann rechnen Sie es wenigstens der Entwicklungshilfe zu. 800 Millionen Franken sind kein Pappenstiel. Damit hätten wir schon bald den Betrag erreicht, der zur Erfüllung der BIP-Quote nötig ist.