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Ineichen Otto · Nationalrat · Luzern · Freisinnig-demokratische Fraktion · 2009-04-29

Wortprotokoll

Gestern hat Frau Bundesrätin Leuthard zusammen mit den Sozialpartnern einen flammenden Aufruf gemacht: gegen die Jugendarbeitslosigkeit, für mehr Lehrstellen, für mehr Praktika. Vor allem aber sollen Lehrabgänger in den Unternehmen verbleiben.

Ich persönlich fand das sehr gut. Wir von Speranza unterstützen dies vor allem aus folgenden Gründen: Wir haben vor drei Wochen eine Umfrage zu dem gemacht, was wir vorher gehört haben. Es wird Sie erstaunen: Die Unternehmen sparen keinesfalls in diesem Bereich, im Gegenteil. 80 Prozent der Unternehmen haben klar gesagt, dass sie Lehrabgänger weiterbeschäftigen werden. 10 Prozent haben gesagt, dass sie sie gerne weiterbeschäftigen würden, aber sie seien nicht bereit, Jugendliche, die ihre Leistungsbereitschaft nicht bewiesen hätten und denen Schlüsselkompetenzen fehlten, weiterzubeschäftigen. Und weitere 10 Prozent haben gesagt, sie würden sie gerne weiterbeschäftigen, es gebe aber betriebswirtschaftliche Probleme. Dies ist der Grund, weshalb Speranza eine E-Mail-Hotline eingerichtet hat, nämlich "lehrabgaenger@stiftungsperanza.ch", um genau diesen beiden Kategorien zu helfen. Erstens sollen diejenigen, die schwächere Lehrlinge nicht behalten möchten, mit den entsprechenden Kantonsbehörden zusammen sofort sensibilisiert werden. Da wird extrem viel gemacht. Zweitens möchten wir vor allem auch denjenigen Firmen helfen, die Lehrabgänger gerne weiterbeschäftigen würden, aber betriebliche Probleme haben.

Ein weiteres Problem, das für mich sehr wichtig ist: Wir haben jedes Jahr 2000 Jugendliche, von denen niemand weiss, wohin sie gehen, und von denen der grösste Teil letztlich bei der Sozialhilfe landen wird. Deshalb habe ich die Motion 07.3790 eingereicht. Ich kann Ihnen ganz klar sagen, dass wir in den letzten zwei Jahren bei Speranza über 350 Jugendliche in Perspektivencamps bei der Hand genommen haben. Für jeden Jugendlichen kostet das zwischen 24 000 und 30 000 Franken. Das sind Jugendliche zwischen 19 und 25 Jahren, die einfach durch die Maschen gefallen sind. Ich sage es sehr offen; sie haben gesagt: Der Staat hat für uns zu sorgen.

Deshalb sage ich, dass das absolut entscheidend ist. Wir haben weltweit die besten Brückenangebote. Hier gebührt einmal unseren Lehrerinnen und Lehrern, die dort unterrichten, ein Kompliment. Es darf nicht sein, dass ein Jugendlicher, der keine Anschlusslösung hat, darüber hinweggehen und dann meinen kann, er könne mit 19 Jahren stempeln gehen. Meine Motion fordert deshalb: keine Stempelgelder vor 19 Jahren ohne Nutzung von Brückenangeboten. Ich sage es nochmals - ich besuche jeden Monat in mindestens einem Kanton ein Brückenangebot -: Da wird extrem viel geleistet, nicht nur von den Lehrerinnen, sondern auch von den Schülern, bis sie einen Job haben. Man versucht gegenseitig, sich zu einem Job zu verhelfen. Mit anderen Worten: Wer sich dem verweigert, soll auch keine ALV-Beiträge erhalten.

Deshalb bin ich überzeugt, dass meine Motion über alle Parteigrenzen hinweg unterstützt werden kann. Sie wird dem Staat letztlich helfen, Milliarden zu sparen. Damit können faktisch alle Jugendlichen integriert werden.