Freysinger Oskar · Nationalrat · Wallis · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2009-06-09
Wortprotokoll
Politiker werden gemeinhin als das humorloseste Pack beschrieben, das es überhaupt auf der Welt gibt. Erlauben Sie mir also, hier diesen Morgen mit einer kleinen poetischen Satire über das Thema "Tieranwalt" abzuschliessen.
Sehr geehrtes Parlament! Erlauben Sie mir, dass ich mich vorstelle: Ich heisse Schubert und bin ein Goldfisch, im Aquarium der Familie Blubber. Seit einiger Zeit werden meine Fischrechte mit Flossen getreten. Stellen Sie sich vor: Mein Besitzer erdreistet sich, mir trotz der neuen Tierschutzverordnung ein "Gspänli" vorzuenthalten. Sie können sich gar nicht vorstellen, wie depressiv mich das hinter meinem trüben Glas macht. Wie soll ich mit einer verwandten Seele Sprechblasen austauschen, wie den Futterneid teilen und Schuppen tauschen, wem zum Morgengruss die Flosse reichen?
Ach, "kiemen" doch die Parlamentarier zu besserer Einsicht und gewährten mir einen legitimen Rechtsschutz! Ich verlange keinen grossen Fisch als Anwalt, aber einen mit den Realitäten eines Aquariums vertrauten Juristen, einen Kenner der Plastikkorallen, Kunststoffalgen und Sauerstoffpumpen, einen, der meine existenziellen Ängste ernst nimmt und die juristischen Riffe zu umschiffen weiss. Denn ich selber bin biologisch dazu verdammt, stumm zu bleiben, deshalb brauche ich ein ausseraquatisches Sprachrohr.
Bis dahin schwimme ich demonstrativ gegen den Strom, von dem ich nur träumen kann. Oder ich streike und verwandle mich in eine Ölsardine. Und sollte dies nichts nützen, greife ich zum nächstbesten Angelhaken und hänge mich auf. Dann werdet ihr schon sehen, dass nicht alles Gold ist, was glänzend gefischt wird. Und beim Jüngsten Fischgericht wird euch der Angler von Nazareth dieses zum Himmel stinkende Unrecht bis in alle Ewigkeit auftischen - und dann Mahlzeit, meine Damen und Herren!