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Hassler Hansjörg · Nationalrat · Graubünden · Fraktion BD · 2009-06-10

Wortprotokoll

Die Kostenentwicklung im Gesundheitswesen ist tatsächlich besorgniserregend. Wir sind uns einig, dass diese höchst unerfreuliche Entwicklung nicht über Jahre hinweg so weitergehen kann. Andernfalls wird die Prämienbelastung besonders für Familien nicht mehr tragbar sein. Wir stehen vor grossen Herausforderungen, um die Kostenexplosion im Gesundheitswesen eindämmen zu können. Das ganz Schwierige dabei ist die Tatsache, dass im Gesundheitswesen sehr viele Akteure beteiligt sind: wir als Versicherte, die Ärzte, die Apotheken, die Pharmaindustrie, die Spitäler, die Kantone, die Krankenkassen usw. Alle diese Akteure schauen zu stark nur für sich. Die Partikularinteressen dominieren und nicht, wie es sein sollte, die gesamtheitlichen Lösungsansätze für die anstehenden Probleme im Gesundheitswesen. Solange das so bleibt, werden wir auf keinen grünen Zweig kommen.

Auch wir Politikerinnen und Politiker müssen uns an der eigenen Nase nehmen. Wir haben auch versagt. Wir haben für den ambulanten Bereich bisher auch keine brauchbaren Lösungen gefunden. [PAGE 1157]

Eine weitere grundlegende Schwierigkeit ist die weitgehend fehlende Eigenverantwortung der Patienten, also von uns allen. Unsere Gesellschaft neigt dazu, wegen jeder Kleinigkeit einen Arzt zu konsultieren. Wenn eine Diagnose nicht befriedigt, laufen wir zum nächsten Arzt. Ich habe den Eindruck, dass wir auch Medikamente verschwenden. Das ist ein gesellschaftliches Problem und eigentlich keine medizinische Frage. Es bringt uns auch nicht weiter, heute einander die Schuld für die Misere in die Schuhe zu schieben. Vielmehr ist ein gemeinsames Vorgehen gefragt, um die anstehenden Probleme zu lösen. Wenn wir dies nicht schaffen, wird die Misere im Gesundheitswesen anhalten.

Ich sehe drei Hauptfelder, die dringend an die Hand genommen werden müssen:

1. Um die Eigenverantwortung zu steigern, muss die Kostenbeteiligung der Patientinnen und Patienten erweitert werden. Dies wird zu einem kostenbewussteren Verhalten der Versicherten und zu einer Reduktion der Konsultationen führen. Ebenfalls sinnvoll ist die Verpflichtung der Krankenversicherer zur Schaffung eines unentgeltlichen medizinischen Telefondienstes, damit medizinisch notwendige Konsultationen tatsächlich erfolgen, unnötige Konsultationen aber vermieden werden können.

2. Im stationären Bereich haben wir mit der neuen Spitalfinanzierung ein gutes Instrument, um Kosten einzusparen, aber im ambulanten Bereich sind dringend weitere Massnahmen zur Kosteneindämmung nötig. Bedeutsam scheinen mir hier insbesondere die Vorlagen zur Vertragsfreiheit und zur Förderung von Managed-Care-Modellen und die Verpflichtung der Kantone, die Versorgung im spitalambulanten Bereich besser zu steuern.

3. Eine weitere Möglichkeit zur Kosteneinsparung besteht bei den Medikamenten. Hier sind die Möglichkeiten von Parallelimporten auszuloten. Es sind vermehrt Generika einzusetzen, und die Kostenübernahme für Medikamente durch die Versicherer muss sich an den günstigsten Produkten orientieren.

Ich komme zum Schluss: Die Probleme sind gross, der Probleme sind genug da. Packen wir sie an! Nur gemeinsam und mit einer auf Konsens ausgerichteten Strategie werden wir im Gesundheitswesen Positives bewirken können.