2023.BKD.7761
Geschäftsbericht 2023 der Universität Bern. Kenntnisnahme
Rubrum
Regierungsratsbeschluss RRB Nr.: 596/2024 Datum RR-Sitzung: 12. Juni 2024 Direktion: Bildungs- und Kulturdirektion Geschäftsnummer: 2023.BKD.7761 Klassifizierung: Nicht klassifiziert
Geschäftsbericht 2023 der Universität Bern. Kenntnisnahme
Erwägungen
1. Gegenstand
Die Aufgaben, Ziele und Vorgaben für die Universität Bern sind im Gesetz vom 5. September 1996 über die Universität (UniG), in der Bildungsstrategie des Kantons Bern sowie im Leistungsauftrag des Regierungsrates an die Universität für die Jahre 2022–2025 (RRB 1468/2021) festgelegt.
Der Regierungsrat stellt zuhanden des Grossen Rates fest, dass die Universität Bern im Berichtsjahr gute Leistungen erbracht hat. Ihr Geschäftsbericht (Jahresbericht) zeigt auf, dass sie erfolgreich im Rahmen ihrer vorgegebenen Aufgaben und Ziele tätig war. Folgende Punkte sind besonders hervorzuheben:
– Die Anzahl der Studierenden an der Universität Bern ist gemäss Bundesamt für Statistik (BFS) um 1.5% gestiegen, sodass die Universität Bern im Studienjahr 2023/2024 insgesamt 18 368 Studierende (ohne Weiterbildung CAS/DAS) verzeichnete. Auch schweizweit hat sich das Gesamttotal der Studierenden an den universitären Hochschulen um +0.9% auf insgesamt 169 255 erhöht. Eine Betrachtung der Entwicklung der Anzahl der Studierenden nach Studienstufe zeigt gemäss Geschäftsbericht, dass an der Universität Bern – mit Ausnahme der Weiterbildung – auf allen Stufen ein Wachstum an Studierenden im Vergleich zum Vorjahr zu beobachten ist. Der stärkste Anstieg an Studierenden zeigt sich auf Stufe Master (+5.5%), gefolgt von der Stufe Doktorat (+3.4%) und einer leichten Zunahme auf Stufe Bachelor (+0.6%). Im Bereich der Weiterbildung verzeichnete die Universität Bern einen Rückgang von Weiterbildungsstudierenden (-2.4%).
– Das Angebot der Universität Bern umfasste total 39 Bachelor- und 74 Masterstudiengänge, 29 Doktoratsprogramme und 7 Graduiertenschulen sowie 142 Weiterbildungsstudiengänge.
– Die Anzahl erfolgreicher Studienabschlüsse an der Universität Bern nahm im Jahr 2023 mit insgesamt 4 764 Studienabschlüssen gegenüber 4 731 im Vorjahr erneut zu (+0.7%).
– Die Anzahl der ausserkantonal Studierenden an der Universität Bern ist leicht gesunken: Im Frühlingssemester 2023 waren 5 655 Studierende anderer Kantone an der Universität Bern immatrikuliert, was gegenüber dem Vorjahr (5 701) einem prozentualen Rückgang von minus 0.8% entspricht. In derselben Periode ist auch die Anzahl Berner Studierender an ausserkantonalen Universitäten gesunken (um rund 3.8%). Während im
Frühlingssemester 2022 total 2 495 Bernerinnen und Berner an ausserkantonalen Universitäten studierten, waren es im Frühlingssemester 2023 noch insgesamt 2 399. Diese Entwicklung führte insgesamt dazu, dass sich der Nettoertrag zugunsten des Kantons Bern bei den Beträgen gemäss Interkantonaler Universitätsvereinbarung (IUV) wiederum erhöht hat:
Rechnungsjahr 2020 2021 20221 2023
Ausgaben 38 892 887 40 268 885 37 501 628 34 314 175 (Kanton)
Einnahmen 116 806 477 121 330 906 122 591 322 121 126 166 (Universität)2
Nettoaufwand/- + 77 913 590 + 81 062 021 + 85 089 694 + 86 811 991 ertrag IUV
– Chancengleichheit ist nach wie vor ein zentrales Thema für die Universität Bern und wird mit verschiedenen Massnahmen gefördert. Seit letztem Jahr gibt es neu eine Anlaufstelle für Universitätsangehörige, die von rassistischen Übergriffen betroffen sind oder Fragen im Bereich Rassismus haben. Daneben will die Universität Bern das Potenzial von geflüchteten Studierenden mit einem spezifischen Angebot fördern. Im Sommer 2023 startete mit 20 geflüchteten Studierenden das Pilotprojekt «Kompass», mit dem Ziel, die Teilnehmenden innerhalb eines Jahres auf ein Hochschulstudium vorzubereiten. Das Projekt «Kompass» wird finanziell durch den Kanton Bern (im Jahr 2023 mit CHF 70'000), das Staatssekretariat für Migration, die Burgergemeinde Bern und die Universität Bern unterstützt. Der Frauenanteil bei den Studierenden ist stabil geblieben und beträgt für das Herbstsemester 2023 wie im Vorjahr 59%. Ebenfalls unverändert zum Vorjahr ist der Anteil Frauen bei den Professuren, der sich auf 30% belief. Damit wurde auch die Zielvorgabe gemäss Leistungsauftrag erreicht, da der Frauenanteil an Professuren an der Universität Bern inzwischen höher als im schweizweiten Schnitt ist.
– Seit der Covid-19-Pandemie ist die psychische Gesundheit der Studierenden zunehmend ein wichtiges Thema geworden, was u.a. auch eine Umfrage der Studierendenschaft der Universität Bern (SUB) aufgezeigt hat. Die Universität Bern hat darauf mit verschiedenen Massnahmen reagiert. So wurde bspw. ein interaktives Video produziert, das drei Personen mit psychischen Herausforderungen begleitet und deren Bewältigungsstrategien darstellt. Zusammen mit der Berner Fachhochschule und dem studentischen Verein «Mindbalance» wurden zudem Kurse durchgeführt, in denen die Studierenden lernten, psychische Krankheiten in ihrem Umfeld zu erkennen und richtig darauf zu reagieren.
– Zur Überprüfung der Umsetzung des Legislaturziels Aufbau und den Betrieb des Kompetenzzentrums BeLEARN der Berner Hochschulen wurde gleichzeitig mit der Erteilung der Leistungsaufträge an die Hochschulen ein separater Controlling-Zyklus definiert: Für BeLEARN wird dem Amt für Hochschulen jährlich eine eigene Berichterstattung zu vordefinierten Kenngrössen unterbreitet. Das erste reguläre Controlling-Gespräch zum Reporting fand Ende Mai 2023 für das Geschäftsjahr 2022 statt. Das Reporting hat aufge-
Ab 2022 werden die Abgrenzungen für den Gesamtsaldo berücksichtigt. Gemäss Fakturierung EDK für das Jahr 2023 (1. und 2. Rate).
zeigt, dass sich die Anzahl der BeLEARN-Projekte der fünf Hochschulen erfreulich entwickelt hat und bereits bei deutlich über 40 liegt. Auch die durchgeführten Referate & Tagungsbeteiligungen von BeLEARN liegen über der antizipierten Messgrösse. Entwicklungsfähig sind Stand 2023 insbesondere jene Projekte, die gemeinsam mit weiteren Partnern verfolgt werden, welche nicht zum Kern von BeLEARN gehören. Solche Projekte sollen die Ausstrahlung und Wirkung von BeLEARN als nationales Kompetenzzentrum zusätzlich verstärken.
– In der Forschung hat die Universität Bern im Berichtsjahr in verschiedenen kompetitiven Bereichen exzellente Leistungen erzielt. So stammen von den insgesamt 67 Projekten, die in der Ausschreibung des Schweizerischen Nationalfonds (SNF) für «Starting Grants» ausgewählt wurden, elf von der Universität Bern. Ferner ist die Universität Bern in der Weltraumforschung weiterhin führend. Namentlich wurde im Berichtsjahr die Mission des Weltraumteleskops CHEOPS (ein Projekt der Europäischen Weltraumorganisation ESA) bis zum Jahr 2029 verlängert. CHEOPS wird von der Universität Bern in Zusammenarbeit mit der Universität Genf koordiniert.
– Die Universität Bern verweist im Geschäftsbericht auf die Verstärkung ihrer Zusammenarbeit mit afrikanischen Forschenden. Dieser Schwerpunkt wird neu durch die «Initiative Afrique» verkörpert, die von den Vizerektoraten Forschung und Entwicklung gestartet wurde. Im Jahr 2023 sind im Rahmen der «Initiative Afrique» zwei Forschungscluster in Kooperation mit dem europäischen Netzwerk «The Guild» und dessen afrikanischer Partnerorganisation «ARUA» unter dem Lead der Universität Bern eingerichtet worden.
– Auf internationaler Ebene war das Jahr 2023 stark durch die kürzlich erfolgte Mitgliedschaft der Universität Bern bei der europäischen Hochschulallianz «Enlight» geprägt. «Enlight» verbindet zehn europäische Universitäten zu einem gemeinsamen Campus, der sich durch innovative und interdisziplinäre Lehre für alle Universitätsangehörigen auszeichnet. Da die Universität Bern wie alle anderen Schweizer Hochschulen von den grossen europäischen Forschungs- und Bildungsprogrammen (Horizon Europe, Erasmus+) teilweise ausgeschlossen sind, helfen solche Allianzen wie «Enlight», die internationale Sichtbarkeit zu stärken.
– Bei der Infrastruktur hat sich die Gesamtsituation an der Universität Bern weiter verschärft. Insbesondere schätzt die Universität die Lage bei den fehlenden Laborflächen als kritisch ein. Die Universität Bern betont in ihrem Geschäftsbericht gleichzeitig die gute Zusammenarbeit mit dem AGG bei der Lösungssuche bei den Raumproblemen, regt aber auch an, dass neue alternative Wege zur Bereitstellung der Infrastrukturen geprüft werden sollten.
– Im Berichtsjahr weist die Universität Bern einen Gesamtertrag von rund CHF 942.2 Mio. und einen Gesamtaufwand von rund CHF 976.3 Mio. auf, sodass für das Jahr 2023 ein Jahresergebnis mit einem Verlust von CHF 34.1 Mio. resultiert (Vorjahr -8.7 Mio.). Dieser Verlust resultiert aus dem geplanten und abgestuften Einsatz des noch vorhandenen Eigenkapitals für die Umsetzung des Leistungsauftrags des Regierungsrats (Finanzierung des vom Regierungsrat beschlossenen Lohnsummenwachstums, Betrieb der Wyss Academy for Nature, Entwicklung des Bern Center for Precision Medicine, Aufbau der School of Biomedical and Precision Engineering, Entwicklung Masterstudiengang Pharmazie) und der Strategie 2030 der Universität wie namentlich die Umsetzung der Digitalisierungsstrategie, Abschluss der ersten Generation von Interfakultären Forschungskooperationen, Aufbau Data Science Lab, strukturierte Doktoratsausbildung, Aufbau Multidisciplinary Center for Infectious Diseases, UniBE Foundation und Forschungsplattformen. Auf den Grundmitteln resultiert ein einkalkulierter Verlust von CHF 43.5 Mio., während bei den Drittmitteln und Fonds aufgrund des guten Börsenjahrs ein positives Ergebnis von gesamthaft CHF 9.4 Mio. zu Buche steht. Das Eigenkapital Grundmittel belief sich per 31.12.2023 auf CHF 15.7 Mio. (Vorjahr CHF 59.1) und dasjenige der Drittmittel auf CHF 305.7 Mio. (Vorjahr CHF 298.9). Der Staatsbeitrag des Kantons an die Universität Bern wurde im Zuge des im kantonalen Finanzplan vorgesehenen regulären Anstiegs von 1% auf rund CHF 329.9 Mio. erhöht. Damit stieg der prozentuale Anteil des Trägerkantons Bern an der Finanzierung seiner Universität im Vergleich zum Vorjahr auf 35% (Vorjahr 34.4%).
– Die Universität Bern muss vermehrt Aufwendungen, die ausserhalb ihrer Einflussmöglichkeiten liegen, aus ihren selbst erarbeiteten Erträgen und Reserven decken. Insbesondere führt das Lohnsummenwachstum im Rahmen der vom Regierungsrat beschlossenen Gehaltsmassnahmen zu beträchtlichen Mehraufwendungen, welche nur teilweise durch das Wachstum des Kantonsbeitrags kompensiert werden. Der in den Gehaltsmassnahmen für das Kantonspersonal und damit auch für das Universitätspersonal berücksichtigte Teuerungsausgleich akzentuiert diese Problematik der strukturellen Unterfinanzierung. Dieser Entwicklung wird bei der Überprüfung und Festlegung der Kantonsbeiträge im Rahmen des nächsten Leistungsauftrags 2026–2029 in geeigneter Weise Rechnung getragen werden müssen, um eine strukturelle Unterfinanzierung zu vermeiden. Dabei wird auch die Entwicklung der IUV-Beiträge zu berücksichtigen sein. Erfolgen keine Massnahmen, würde dies der Universität Bern zunehmend erschweren, im Wettbewerb um Studierende und Drittmittel ihre Position zu behaupten.
– Die Controllingsitzung zwischen der Bildungs- und Kulturdirektion und der Universität fand im Rahmen der Koordinationskonferenz vom 2. November 2023 statt. Die BKD stellte fest, dass die Universität Bern den ihr durch die Gesetzgebung erteilten Auftrag umfassend und in guter Qualität erfüllt und dass sie im Berichtsjahr die Zielvorgaben des Leistungsauftrags des Regierungsrates erreicht hat. Der direktionsübergreifende Koordinationsausschuss Controlling Hochschulen befasste sich am 23. April 2024 mit dem Geschäftsbericht der Universität Bern.
2. Rechtsgrundlagen
– Art. 60a Abs. 2 und Art. 72 Abs. 2 des Gesetzes vom 5. September 1996 über die Universität (UniG; BSG 436.11) – Art. 124 Abs. 3 der Verordnung vom 12. September 2012 über die Universität (UniV; BSG 436.111.1)
3. Beschluss
Aufgrund des Antrags der Bildungs- und Kulturdirektion wird beschlossen:
1. Der Geschäftsbericht 2023 der Universität Bern wird zur Kenntnis genommen.
2. Gestützt auf Artikel 72, Absatz 2 des Gesetzes vom 5. September 1996 über die Universität (UniG; BSG 436.11) beantragt der Regierungsrat dem Grossen Rat, vom Bericht Kenntnis zu nehmen.
Im Namen des Regierungsrates
Christoph Auer Staatsschreiber
Verteiler ‒ Grosser Rat ‒ Bildungs- und Kulturdirektion
Beilagen ‒ Geschäftsbericht 2023 der Universität Bern