2023.RRGR.144
I 098-2023 Jeanneret (Sankt Immer, FDP) SBB-Fahrplan 2025: Spielen Biel und der Berner Jura nur die zweite Geige? Antwort des Regierungsrates
Rubrum
I
Parlamentarischer Vorstoss Antwort des Regierungsrates
Vorstoss-Nr.: 098-2023 Vorstossart: Interpellation Richtlinienmotion: ☐ Geschäftsnummer: 2023.RRGR.144
Eingereicht am: 13.05.2023
Fraktionsvorstoss: Nein Kommissionsvorstoss: Nein Eingereicht von: Jeanneret (St-Imier, FDP) (Sprecher/in) Pauli (Nidau, FDP) Heyer (Perrefitte, FDP) Weitere Unterschriften: 0
Dringlichkeit verlangt: Ja Dringlichkeit gewährt: Ja 08.06.2023
RRB-Nr.: 857/2023 vom 16. August 2023 Direktion: Bau- und Verkehrsdirektion Klassifizierung: Nicht klassifiziert
SBB-Fahrplan 2025: Spielen Biel und der Berner Jura nur die zweite Geige?
Am vergangenen 5. Mai kündigten die SBB den neuen Fahrplan 2025 an, der am 15. Dezember 2024 in Kraft treten wird. Die Überarbeitung dieses Fahrplans wurde von den SBB und der Konferenz der öV-Direktoren der Westschweiz (CTSO) beschlossen. Der Kanton Bern ist Mitglied der CTSO und wurde daher als solches in die Fahrplanüberarbeitung einbezogen. Es ist vorgesehen, dass sich die Fahrzeiten verlängern und die Züge der Linie IC5 alle in Lausanne enden werden. Diese IC5-Züge werden künftig in Renens halten, wo die Fahrgäste, die insbesondere von Biel nach Genf reisen, umsteigen müssen. Die Linie IC5 (Jurasüdfuss) wird von vielen Fahrgästen mit Wohnsitz im Kanton Bern, insbesondere in der Region Biel und im Berner Jura, benutzt. Der Bahnverkehr zwischen dem Jurabogen und dem Genferseegebiet wird länger dauern und damit weniger attraktiv werden.
Der Regierungsrat wird um Beantwortung folgender Fragen gebeten:
Erwägungen
1. Hat der Kanton Bern im Rahmen der Gespräche mit den SBB seine Gemeinden über die Neugestaltung des Fahrplans 2025 konsultiert?
2. Wie stellt sich die Regierung zu diesem neuen Fahrplan, der die Erreichbarkeit und die Attraktivität des Kantons Bern, insbesondere der Region Biel und des Berner Juras, verschlechtert?
3. Ist der Kanton bereit, erneut mit den SBB zu diskutieren, um akzeptable Lösungen für die Berner Fahrgäste zu finden?
Begründung der Dringlichkeit: Der neue SBB-Fahrplan wurde soeben angekündigt und soll im Dezember 2024 in Kraft treten.
Antwort des Regierungsrates
Der Westschweiz stehen mit den Grossbaustellen in Lausanne, Genf und Bern sowie zahlreichen grossen Streckensanierungen und weiteren Bauprojekten in den kommenden Jahren zahlreiche Baustellen im SBB-Netz bevor. Die SBB haben den Kantonen der Westschweiz im März 2022 einen Fahrplan 2024 vorgelegt. Dieser sollte Spielraum für die Baustellen schaffen und gleichzeitig die bisher häufigen Zugausfälle und Anschlussbrüche minimieren und so zu einer verbesserten Pünktlichkeit beitragen. Der vorgelegte Fahrplan wurde von den Kantonen jedoch zurückgewiesen. Im Anschluss wurde eine Arbeitsgruppe mit Vertretungen von SBB und Kantonen gebildet, die während einem Jahr möglichst gute Lösungen für einen zuverlässigen Fahrplan erarbeitete. Zudem wurde beschlossen, den neuen Fahrplan ein Jahr später und somit im Dezember 2024 einzuführen.
Zu den gestellten Fragen nimmt der Regierungsrat wie folgt Stellung:
1. Hat der Kanton Bern im Rahmen der Gespräche mit den SBB seine Gemeinden über die Neugestaltung des Fahrplans 2025 konsultiert? Der Fahrplan 2025 wurde wie einleitend erwähnt unter Einbezug der Kantone erarbeitet. Eine Mitwirkung der Gemeinden ist nicht erfolgt. Die hauptbetroffenen Gemeinden wie auc h die Regionale Verkehrskonferenz Biel/Bienne – Seeland – Berner Jura wurden indes vorab über den vorgesehenen Fahrplan informiert.
2. Wie stellt sich die Regierung zu diesem neuen Fahrplan, der die Erreichbarkeit und die Attraktivität des Kantons Bern, insbesondere der Region Biel und des Berner Juras, verschlechtert? Der Regierungsrat ist der Ansicht, dass mit dem Fahrplan 2025 die beste von verschiedenen Optionen einer temporären Fahrplanverschlechterung gewählt wurde. Für den Kanton Bern sind die Auswirkungen vergleichsweise überschaubar: ‒ Die Fahrzeiten zwischen Bern und Visp, Bern, Lausanne und Genf sowie Biel/Bienne und Lausanne verlängern sich nur um wenige Minuten. ‒ Das Angebot auf der Jurafusslinie nach Lausanne wird grundsätzlich verbessert: Die IC5, die heute nur stündlich nach Lausanne und Genf verkehren, fahren neu halbstündlich nach Lausanne; mit einem zusätzlichen Halt in Renens. Dort bestehen halbstündliche Anschlüsse nach Genf. Die SBB prüfen, ob in Renens jeweils perrongleiche Anschlüsse möglich sind. ‒ Das Angebot nach Genf besteht zwar nicht mehr aus stündlichen Direktverbindungen. Dafür bestehen halbstündliche Verbindungen mit guten Anschlüssen nach Genf.
Eine Analyse der Verkehrsströme zeigt, dass über 60 Prozent der Reisenden ab Biel in Richtung Lausanne unterwegs sind und nur knapp 40 Prozent in Richtung Genf, ab Yverdon ist das Verhältnis 80 Prozent in Richtung Lausanne und lediglich 20 Prozent in Richtung Genf. Die nun vorgesehene Lösung berücksichtigt diese aktuellen Verkehrsbedürfnisse b estmöglich.
Zusammenfassend ist somit bezüglich der Fahrzeiten des Fernverkehrs sowie hinsichtlich des Fahrkomforts zwischen Biel/Bienne und Genf zwar eine gewisse Verschlechterung gegenüber heute festzustellen. Demgegenüber besteht jedoch erstmals ein Halbstundentakt zwischen Biel/Bienne und Lausanne und erstmals ein regelmässiger Halbstundentakt mit Umsteigen in Renens zwischen Biel/Bienne und Genf. Den ausgewiesenen Verkehrsbedürfnissen wird damit bestmöglich Rechnung getragen. Zudem ermöglicht die Anpassung einen
stabileren Fahrplan, der Reserven für den Bau und die Sanierung der Bahninfrastruktur erlaubt. Die unverzichtbaren Infrastrukturmassnahmen werden längerfristig wiederum zu Angebotsverbesserungen führen.
3. Ist der Kanton bereit, erneut mit den SBB zu diskutieren, um akzeptable Lösungen für die Berner Fahrgäste zu finden? Wie erwähnt handelt es sich für den Regierungsrat um eine annehmbare Lösung. Dennoch steht der Kanton Bern, gemeinsam mit den Kantonen der Westschweiz, in einem regen Austausch mit den SBB, um möglichst rasch Angebotsverbesserungen zu bewirken: So wird der Fahrplan 2025 zwar über längere Zeit Bestand haben. Gleichzeitig aber werden die neuen bzw. modernisierten Infrastrukturen zu Angebotsverbesserungen führen. So ist von den SBB insbesondere geplant, die Direktzüge zwischen Neuenburg und Genf mit der Inbetriebnahme des Ligerztunnels nach Biel/Bienne zu verlängern. Damit werden mittelfristig wieder Direktverbindungen zwischen Biel/Bienne und Genf angeboten werden können. Ebenfalls ist auf diesen Zeitpunkt die Einführung des durchgehenden Halbstundentakts des Regionalverkehrs zwischen Biel/Bienne und Neuenburg geplant.
Verteiler ‒ Grosser Rat