2023.RRGR.92
M 065-2023 Saïd (Biel, SP) Misserfolgsquoten im ersten Studienjahr senken. Antwort des Regierungsrates
Rubrum
M
Parlamentarischer Vorstoss Antwort des Regierungsrates
Vorstoss-Nr.: 065-2023 Vorstossart: Motion Richtlinienmotion: ☐ Geschäftsnummer: 2023.RRGR.92
Eingereicht am: 14.03.2023
Fraktionsvorstoss: Nein Kommissionsvorstoss: Nein Eingereicht von: Saïd (Biel/Bienne, SP) (Sprecher/in)
Weitere Unterschriften: 0
Dringlichkeit verlangt: Nein Dringlichkeit gewährt:
RRB-Nr.: 927/2023 vom 23. August 2023 Direktion: Bildungs- und Kulturdirektion Klassifizierung: Nicht klassifiziert Antrag Regierungsrat: Annahme und gleichzeitige Abschreibung
Misserfolgsquoten im ersten Studienjahr senken
Der Regierungsrat wird beauftragt,
Erwägungen
1. die Gründe für das Scheitern von Studierenden an bernischen Hochschulen im ersten Studienjahr zu analysieren,
2. eine Strategie zur Verbesserung der Studien- und Berufsberatung, insbesondere im Verlauf des Gymnasiums, festzulegen.
Begründung:
Die Durchfallquote im ersten Studienjahr ist besorgniserregend. Aus Zahlen des BFS geht hervor, dass von den Studienanfängerinnen und Studienanfängern von 2013 85 Prozent derjenigen, die in der Schweiz wohnhaft sind, nach höchstens acht Jahren einen Bachelorabschluss erworben haben. Lediglich 26,1 Prozent von ihnen hatten ihren Titel nach den vorgesehenen drei Studienjahren erlangt. In einem Artikel, der im Juni auf der Website des Westschweizer Fernsehens RTS veröffentlicht wurde, wies Stefan Wolter, Direktor der Schweizerischen Koordinationsstelle für Bildungsforschung, darauf hin, dass die Universitäten und ETHs seit kurzem Misserfolgsquoten von 50 oder sogar 60 Prozent im ersten Jahr beobachten.
Neben den betroffenen Jugendlichen leiden auch die bernischen Hochschulen unter den hohen Durchfallquoten, insbesondere was ihren Ruf und die Effizienz der Ausbildung betrifft. Um hier Abhilfe zu schaffen, müssen die Ursachen für die vielen Misserfolge bekannt sein. Es gibt jedoch keine Studien über die Gründe für das Scheitern und den Studienabbruch von Studierenden im ersten Studienjahr. Daher bleiben viele Fragen zu den Ursachen dieser Situation offen.
In erster Linie stellt sich die Frage, ob die gymnasialen Studiengänge (insbesondere in Bezug
auf die Voraussetzungen und die Lernmethoden) den Kompetenzen entsprechen, die für ein Hochschulstudium erforderlich sind.
Derzeit haben Gymnasiastinnen und Gymnasiasten die Möglichkeit, sich bei der Berufsberatung über ihre berufliche Zukunft zu informieren und sich für Informationstage anzumelden, die von den verschiedenen Hochschulen in unserem Land organisiert werden. Darüber hinaus organisieren einige Gymnasien auch Treffen mit Berufsfachleuten. Leider bleiben diese Schritte zu sporadisch und oberflächlich. So werden die Jugendlichen, die später ein Hochschulstudium beginnen sollen, nicht ausreichend mit der Frage nach ihrer beruflichen und akademischen Zukunft konfrontiert. Dies führt zu einer falschen Wahl des Studienfachs, was wiederum Folgen haben kann, die es zu vermeiden gilt, wie z. B. Demotivation oder Verlust des Selbstvertrauens, was in manchen Fällen zum Abbruch des Studiums führt.
Um die Berufs- und Studienberatung zu verbessern, sollten verschiedene Ansätze geprüft werden. Zum einen könnte es interessant sein, während der Schulzeit einige Orientierungsphasen einzuplanen, um den Gymnasiastinnen und Gymnasiasten die verschiedenen Studiengänge besser zu erklären. Zum anderen wäre es denkbar, die Lehrkräfte besser über die bestehenden Möglichkeiten zu schulen, zumal sich diese Möglichkeiten weiterentwickeln und sich das, was heute an den Hochschulen gelehrt und gefordert wird, im Vergleich zu dem, was die Lehrkräfte in ihrem früheren Studium erlebt haben, stark verändert hat. Zu diesem Zweck wäre es denkbar, dass die Gymnasien über sogenannte Studienbeauftragte verfügen, die die Aktualität und die Entwicklung der von den Hochschulen angebotenen Studiengänge verfolgen. Darüber hinaus sollte die Information über nichtuniversitäre Ausbildungsmöglichkeiten verbessert werden, zumal die Gymnasiallehrkräfte diese kaum kennen, da sie einen typischen Werdegang durchlaufen haben, bei dem sie eine Universität oder ETH und anschliessend eine Pädagogische Hochschule besucht haben. Darüber hinaus wäre es auch sinnvoll zu erwägen, dass jede Gymnasiastin und jeder Gymnasiast obligatorisch ein oder mehrere Gespräche mit der Berufsberatung führen muss. Und schliesslich sollte auch die Möglichkeit geprüft werden, obligatorische Berufspraktika in den gymnasialen Lehrplan zu integrieren.
Antwort des Regierungsrates
Das Studium an einer Hochschule soll die hohen Qualitätsansprüche der Gesellschaft und Wirtschaft an die entsprechenden Studienabgängerinnen und Studienabgänger befriedigen und ist anspruchsvoll. Bund und Kantone haben im Rahmen der gemeinsamen bildungspolitischen Ziele von 2015 und 2019 gemeinsam das Ziel formuliert, die Anzahl der Studienabbrüche zu reduzieren, ohne dabei die Qualitätsanforderungen zu senken. Der alle vier Jahre publizierte Bildungsbericht Schweiz dient unter anderem dazu, zu überprüfen, ob diese bildungspolitischen Zielsetzungen erreicht werden. Die neueste Ausgabe, der Bildungsbericht 2023 (www.bildungsbericht.ch) gelangt mit Blick auf die internationale Situation zum Schluss, dass gemessen am restriktiven Zugang zu den universitären Hochschulen noch immer ein substantieller Anteil der Studierenden von 15 Prozent innerhalb von 8 Jahren nach Studienbeginn keinen Abschluss erlangt1. Bei den Fachhochschulen liegt dieser Prozentsatz mit 20 Prozent etwas höher 2. Eine mögliche Erklärung dafür ist, dass ein Grossteil der Fachhochschul-Studierenden über eine abgeschlossene Berufsbildung und damit eine naheliegende Rückfallposition bei einem Studienabbruch verfügen. Allerdings hält der Bildungsbericht 2023 auch fest, dass eine tiefe Studienerfolgsquote Ausdruck dafür sein kann, dass in einem Studiengang hohe Qualitätsansprüche bestehen. Eine hohe Erfolgsquote könnte entsprechend ein Indikator für bescheidene Ansprüche sein. Die Studienerfolgsquote kann somit nur unter der Bedingung, dass die Hochschulen nicht
Bildungsbericht Schweiz 2023, S. 242. Bildungsbericht Schweiz 2023, S. 275-276
geringere Qualifikationsanforderungen stellen, als vom Arbeitsmarkt erwartet werden, als zuverlässiger Indikator für die Effektivität einer Ausbildung dienen. Die aktuellsten, auch im Bildungsbericht 2023 diskutierten Erhebungen des BFS 3 zur Erwerbstätigkeit der Absolventinnen und Absolventen der Schweizer Hochschulen zeigen auf, dass ihre Erwerbslosenquote (gemäss internationaler ILO-Definition) ein Jahr nach Studienabschluss bei 3 Prozent und fünf Jahre nach Studienabschluss noch bei 2 Prozent liegt. Damit liegt die Erwerbslosigkeit von Personen mit Hochschulabschluss deutlich unter dem Durchschnitt aller Erwerbstätigen, was ein Indiz dafür ist, dass die im Studium erworbenen Kompetenzen auf dem Arbeitsmarkt nachgefragt sind. Eine hohe Selektivität der Studiengänge im ersten Studienjahr kann zu dieser hohen Arbeitsmarkttauglichkeit der Abschlüsse beitragen, wenn Studierende dadurch frühzeitig feststellen, dass der ursprünglich gewählte Studiengang für sie nicht der geeignete Weg ist und sich entsprechend umorientieren. Die Erkenntnis, dass ein aufgenommenes Studium nicht das Richtige oder Gewünschte für eine Person ist, muss im Übrigen auch für die Studienabbrecherin oder den Studienabbrecher selber nicht einen "Misserfolg" bedeuten, sondern kann ein bedeutender positiver Schritt in der persönlichen Entwicklung sein. Aus ökonomischer Sicht ist es sowohl für die Betroffenen selber wie auch für Staat und Gesellschaft vorteilhaft, wenn der Abbruch oder der Wechsel eines Studiums möglichst früh und nicht erst nach Jahren erfolgt. Auch statistisch ist der Begriff "Studienabbruchquote" nicht mit einer "Durchfallquote" gleichzusetzen, sondern ist differenziert zu betrachten. Bei den Hochschulen geht jede Exmatrikulation ohne Studienabschluss als "Abbruch" in die Statistik ein. So gelten auch solche Studi erende als "Abbrecherinnen und Abbrecher", die ihr Studium nur für eine gewisse Zeit unterbrechen oder die das Studium unverzüglich an einer anderen Universität fortsetzen. Die in der "Abbruchquote" erscheinenden Abbrüche eines bestimmten Studiengangs im ersten Studienjahr müssen also weder eine definitive Aufgabe des Studiums bedeuten noch können sie zwingend als Misserfolg qualifiziert werden. Zu den Aufträgen nimmt der Regierungsrat wie folgt Stellung:
1. Analyse der Gründe für das Scheitern von Studierenden an bernischen Hochschulen im ersten Studienjahr
Wie vorgängig erläutert, kann ein Studienabbruch im ersten Studienjahr nicht per se als "Scheitern" bezeichnet werden, da die Mehrheit der Studierenden nach einem Abbruch ein Studium in einem anderen Studiengang an derselben oder einer anderen Hochschule aufnimmt. Nicht selten können dabei teilweise auch bereits erbrachte Studienleistungen in Form von ECTS-Credits angerechnet werden. Entsprechend differenziert ist daher beispielsweise die Abbruchquote im ersten Studienjahr von 15,5 Prozent bei der Universität Bern zu betrachten: Die grosse Mehrheit dieser Personen ist nach acht Jahren in Besitz eines Hochschulabschlusses eines anderen Studiengangs oder einer anderen Hochschule. Wie im Bildungsbericht 2023 ausgewiesen, ist die Quote der Studienabbrüche an den Fachhochschulen etwas höher als an den Universitären Hochschulen. Dies ist eine der Motivationen dafür, dass die BFH bei vorzeitigen Exmatrikulationen jeweils die Gründe für den Studienabbruch abfragt. Es können folgende typische Erklärungen für Studienabbrüche in den Bachelorstudiengängen der BFH angeführt werden:
1. Fehlentscheidungen in Bezug auf die Disziplin (falsche Erwartungen an das Fach), oftmals mit Motivationsproblemen einhergehend.
2. Unzureichende Qualifikationen, respektive zu hohes Anforderungsniveau oftmals in Bezug auf bestimmte Grundanforderungen (z. B. in Mathematik oder Sprachen).
Bundesamt für Statistik, Absolventenbefragung 2021.
3. Überforderung bei der Selbstorganisation des Studiums (etwa falsche Zeitplanung/-prioritäten bei der Prüfungsvorbereitung).
4. Psychisch belastende Rahmenbedingungen (z. B. Ortswechsel, Probleme bei der sozialen Integration, während der Pandemie-Periode wurden solche Faktoren gehäuft genannt).
5. Mehrfachbelastung durch Beruf, Familie und Studium (insbesondere bei berufsbegleitend Studierenden).
6. Schwierige finanzielle Situation.
Die Universität Bern, die Pädagogische Hochschule Bern und auch die Haute école pédagogique BEJUNE (HEP-bejune) erheben die Gründe für eine Exmatrikulation ohne Studienabschluss nicht gleich systematisch wie die BFH, gehen aber davon aus, dass die Ursachen bei ihren Studierenden ähnlich liegen. Die PH Bern und die HEP-bejune geben zudem an, dass die meisten Studienabbrechenden, die ihr Studium nach dem ersten Studienjahr nicht fortführen, diesen Entscheid aufgrund der ersten Erfahrungen im Berufsalltag bzw. nach dem ersten Einblick ins Berufsfeld fällen. Die Praktika im Laufe des ersten Studienjahrs an diesen beiden pädagogischen Hochschulen dienen auch der Abklärung der Berufseignung, es ist sinnvoll und erwünscht, dass sowohl die persönliche Eignung als auch die Motivation für den Lehrberuf in dieser frühen Phase festgestellt wird. Bei fehlender Eignung oder Motivation soll die Umorientierung möglichst rasch erfolgen, der Abbruch der Ausbildung zur Lehrperson im ersten Studienjahr ist daher sinnvoll. Von den durch die BFH erhobenen Gründen für den Abbruch eines Studiengangs kann bei den Begründungen 1 und 2 – unpassende Wahl und fehlende, für einen Studienerfolg in diesem Fach erforderliche Qualifikationen – die Studien- und Laufbahnberatung potenziell einen Beitrag zur Prävention von Abbrüchen leisten, indem möglichst wenige Studierende einen Studiengang beginnen, der nicht ihren Erwartungen entspricht, oder für welche ihnen wichtige Kompetenzen fehlen. Auch Studierende, die eine Beratung erhalten haben, müssen ihre Entscheide aber letztlich selbstverantwortlich treffen. Bestehende Unterstützungsangebote während dem Studium, die bei den am häufigsten genannten Abbruchgründen helfen, bietet die Beratungsstelle der Berner Hochschulen 4 an, welche das Amt für Hochschulen der Bildungs- und Kulturdirektion betreibt: Alle Studierenden erhalten dort kostenlose Beratung für sämtliche Problemstellungen im Studium, von den Entscheidungsfindungsfragen über Themen der Selbstorganisation bis hin zu persönlichen psychischen und sozialen Problemen. Besonders wenn das Studium sich noch in einem frühen Stadium befindet, kann ein Studiengangwechsel eine sinnvolle Folge aus einem Beratungsgespräch sein. Dieser Wechsel erscheint dann als "Abbruch" im ersten Studienjahr in der Statistik, kann aber auf der
individuellen Ebene die Neuorientierung und den Studienerfolg in einem anderen Studiengang bedeuten. In diesen nicht seltenen Fällen stellen frühzeitige Studienabbrüche sogar einen Beitrag zur Effektivität der Hochschulausbildung dar. Zur Vermeidung von Studienabbrüchen aus wirtschaftlichen Gründen bestehen an allen Berner Hochschulen Sozialkassen, die schnell und unbürokratisch Überbrückungshilfen leisten können. Studierende mit finanziellen Problemen werden ausserdem auf die Informationsplattformen zum Stipendienwesen hingewiesen, damit sie ihre allfälligen Ansprüche auf Studienbeihilfen geltend machen können. Zusätzlich dazu haben auch die Berner Hochschulen in den letzten Jahren verschiedene spezifische Unterstützungsangebote aufgebaut, welche zur Reduktion von Studienabbrüchen beitragen sollen, ohne dass die hohen Anforderungen im Studium gesenkt werden. Ihre Wirksamkeit www.bst.bkd.be.ch
kann aufgrund der für den Bildungsbericht 2023 vorliegenden Datenbasis noch kaum beurteilt werden, da sie zumeist noch nicht lange genug bestehen. Für Personen, die sich für ein Studium an der Universität Bern interessieren, bietet sie in den Fächern Biologie, Mathematik und Psychologie Online-Self-Assessments an (siehe dazu auch die Ausführungen unter Punkt 2). Allen Studienanfängerinnen und -anfängern bietet die Universität Bern einen Workshop für überfachliche Kompetenzen an (Lernstrategien, Zeit- und Stressmanagement) und sie arbeitet bei diesen Angeboten mit der Beratungsstelle der Berner Hochschulen zusammen. Für ausgewählte Fächer besteht an der Universität ein studiumsbegleitender Selbstlernkurs für Studierende im ersten Studienjahr (FOKUS), der sie dabei unterstützt, kritische Kompetenzlücken zu Beginn des Studiums zu schliessen (z. B. mathematische Kenntnisse). Massnahmen der BFH, um Studienabbrüche ohne Reduktion der Anforderungen vermeiden zu helfen, sind "Summer Schools" und Vorbereitungskurse zum Erwerb von noch fehlenden, für einen Studiengang besonders entscheidenden Kompetenzen sowie Mentoring-Modelle für Studierende der ersten Semester. Aus Sicht des Regierungsrats sind die Gründe für den Abbruch eines Studiengangs im ersten Studienjahr daher bereits aufgrund der vorhandenen Daten und Informationen der Berner Hochschulen recht gut erkennbar. In vielen Fällen sind Abbrüche kurz nach Aufnahme eines Studiengangs auf der individuellen Ebene nicht mit einem "Scheitern" gleichzusetzen, sondern bedeuten eine frühzeitige und sinnvolle Umorientierung zu einem besser passenden Studiengang.
2. Festlegung einer Strategie zur Verbesserung der Studien- und Berufsberatung, insbesondere im Verlauf des Gymnasiums
Auf nationaler Ebene werden gegenwärtig im Rahmen des Projektes WEGM (Weiterentwicklung der gymnasialen Maturität) von Bund und EDK das Anerkennungsreglement (MAR) und die Anerkennungsverordnung (MAV) revidiert und der Rahmenlehrplan überarbeitet. Neu wird voraussichtlich auch die Studien- und Berufswahlvorbereitung in die Verordnung aufgenommen und im Rahmenlehrplan präzisiert. Damit wird die Grundlage geschaffen, damit die Studienwahlvorbereitung während der Gymnasialzeit mehr Gewicht erhält und in den Kantonen entsprechend umgesetzt werden kann. Schon heute verfügen alle Mittelschulen über Personen (im Sinne der "Studienbeauftragten" gemäss Motion), die verantwortlich für die Umsetzung der Schulkonzepte zur Studienwahlvorbereitung sind und eng mit der BSLB (Berufs-, Studien- und Laufbahnberatung bzw. BIZ) zusammenarbeiten. Dabei ist es Aufgabe der BSLB, mit der entsprechenden Fachkompetenz die Schülerinnen und Schüler sowie die Lehrpersonen über die Entwicklungen und neuen Möglichkeiten an den Hochschulen zu informieren. Dies wird u.a. in Form eines Online-Magazins (Horizon) gemacht, das den Lehrpersonen sowie den Schülerinnen und Schülern zweimal jährlich zugestellt wird. Ein Beratungsobligatorium ist wenig zielführend, da ein gutes Beratungsergebnis das Resultat eines interaktiven Prozesses von Kunde / Kundin und Berater / Beraterin ist. Beratung ohne Motivation und Engagement der Kundin / des Kunden ist weder wirkungsvoll noch nachhaltig. Zudem müssten die personellen Ressourcen der Berufs-, Studien- und Laufbahnberatung massiv erhöht werden, wenn flächendeckend Beratungen angeboten würden. Obligatorische Berufspraktika während der Mittelschule sind durchaus prüfenswert. Die allgemeinbildenden Schulen bieten wenig Bezug zu Berufsfeldern und Laufbahnen. Allerdings ist es schwierig, mit einem einzelnen Einsatz (der dann ja meist über familiäre Kontakte vermittelt ist), Laufbahnideen zu entwickeln, zu überprüfen oder zu konkretisieren.
Die BSLB des Kantons Bern hat in Zusammenarbeit mit den Gymnasien in den letzten Jahren zahlreiche Anstrengungen unternommen, um die Studien- und Berufsberatung zu optimieren. Dazu gehören u. a. folgende Massnahmen: – Ein Projekt zur Neukonzeption und zum Ausbau der Angebote zur Studienwahlvorbereitung an den Mittelschulen im Kanton Bern (Gymnasien und FMS) wurde 2022 nach einer Pilotphase abgeschlossen. Folgende Projektziele wurden realisiert:
– Standardisierung der Angebote: alle Schulen und deren Schülerinnen und Schüler können von qualitativ und quantitativ vergleichbaren Angeboten der Studienberatung profitieren. – Prozessorientierung der Angebote: die Studienwahlvorbereitung wird über die gesamte Mittelschulzeit verteilt, so dass das Thema wiederholt stufengerecht aufgegriffen wird und die Schülerinnen und Schüler Anregung zur informierten Laufbahnplanung erhalten sowie den eigenen Prozess reflektieren können. – Die flächendeckende Umsetzung des an Kompetenzzielen orientierten Konzeptes mit den neuen Angeboten (vgl. Anhang) begann im SJ 22/23 an allen Mittelschulen im Kanton Bern. Erste Auswertungen und Erfahrungen sind sehr gut. Die Rückmeldungen der Schülerinnen und Schüler sowie der Schulen ermöglichen es, die aktuellen Angebote laufend weiter zu optimieren.
– Um die Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler während der Mittelschulzeit künftig noch besser abzudecken, wird 2023 ein Panel mit Mittelschülerinnen und -schülern gestartet. Damit sollen die Ansprüche, Meinungen und Gedanken der Kundschaft noch besser erfasst werden und in die Weiterentwicklung der Angebote einfliessen. Die Bedürfnisse der ausgewählten Kundengruppe werden über die gesamte Mittelschulzeit erhoben. – In der Einzelberatung wird ab 2023 eine Evaluation bei den Studienwahlberatungen durchgeführt mit dem Ziel, die Dienstleistungsqualität und die Wirkung der Beratung zu erfassen und wo nötig zu verbessern. – Die Optimierung der Studienwahlvorbereitung wird nicht nur innerhalb des Mittelschul- und Berufsbildungsamts der BKD thematisiert und in Projekten vorangetrieben, sondern auch in der Kommission Gymnasium – Hochschule. Die Kommission Gymnasium – Hochschule befasst sich mit der Qualitätssicherung des gymnasialen Bildungsgangs sowie mit den Möglichkeiten zur Optimierung des Übertritts von den Mittelschulen in die Hochschulen. Sie setzt sich zusammen aus Vertreterinnen und Vertretern der Hochschulen, der Gymnasien, der Maturitätskommission und der kantonalen Verwaltung 5. – Die Universität Bern bietet zu einzelnen Fachrichtungen (Biologie, Mathematik, Psychologie) Online-Self-Assessments an. Diese ermöglichen Studieninteressierten, ihre Erwartungen an ein Studienfach mit der Realität abzugleichen und die Herausforderungen der verschiedenen Studienrichtung kennen zu lernen. Ein Ausbau dieses Angebotes könnte für eine informierte Entscheidungsfindung hilfreich sein, bedingt aber einen zusätzlichen Ressourceneinsatz der Hochschulen. Bei den online Assessments wird auch auf Angebote anderer Hochschulen zurückgegriffen - z. B. Universitäten in Deutschland, siehe Info-Merkblatt online Assessments.
ttps://www.bkd.be.ch/de/start/themen/bildung-im-kanton-bern/mittelschulen/kommissionen-konferenzen-mittelschule/kommission-gymnasium-hochschule-kgh.html
Anhang
Produktekatalog Studienwahlvorbereitung an den Mittelschulen
Die Bausteine werden in Form von Workshops und Informationsveranstaltungen angeboten.
Verteiler ‒ Grosser Rat