RRB Nr. 53/2025
Kulturförderung, Goldene Ehrenmedaillen des Regierungsrates 2025, Verleihung
Rubrum
Auszug aus dem Protokoll des Regierungsrates des Kantons Zürich Sitzung vom 29. Januar 2025
53. Kulturförderung (Goldene Ehrenmedaillen
Erwägungen
des Regierungsrates 2025, Verleihung) Mit der Goldenen Ehrenmedaille für kulturelle Verdienste zeichnet der Regierungsrat Persönlichkeiten aus, die sich im besonderen Masse für das kulturelle Leben im Kanton Zürich verdient gemacht haben und dieses mit ihrer Arbeit und ihrem Engagement dauerhaft geprägt haben (RRB Nr. 854/2016). Die Kulturförderungskommission schlägt vor, die Goldenen Ehrenmedaillen 2025 an die Literaturschaffende Ilma Rakusa und die Schauspielerin Heidi Diggelmann zu verleihen. Ilma Rakusa, geboren 1946, wohnhaft in Zürich, ist Autorin, Übersetzerin, Kritikerin, Philologin und Vermittlerin. Seit Jahrzehnten ist sie eine prägende Gestalt der Zürcher Kultur. Die beeindruckende Vielgestaltigkeit und Verwobenheit ihres Wirkens hat die literarische Welt in mehrfacher Weise bereichert: Als Herausgeberin von Autorinnen und Autoren, die sich auch dank ihrer Vermittlung durchgesetzt haben, wie Zwetajewa, Brodsky, Duras oder Kiš, als Übersetzerin aus dem Russischen, Französischen, Ungarischen und Serbokroatischen (von u. a. Zwetajewa, Duras, Kiš und Kertész) und als Autorin ihrer eigenen Werke, die vielstimmig, kompromisslos und geduldig zwischen Lyrik, Erzählung, Roman und Essay changieren. Ilma Rakusa hat immer auch als Vermittlerin gewirkt, sei es im Feuilleton, auf der Bühne, als Moderatorin oder als Jurorin. Als kenntnisreiche und stets neugierig gebliebene Brückenbauerin zwischen Ost und West, als überzeugte Vertreterin eines literarischen Ethos, das Form und Engagement zu verbinden versteht, hat sie die literarische Tradition des 20. ins 21. Jahrhundert übertragen und Zürich als internationalen Kulturplatz auf die ihr eigene Weise auf allen wichtigen Feldern elegant repräsentiert. Damit ist sie nicht zuletzt zahlreichen Vertreterinnen und Vertretern der nachfolgenden Generationen zum Vorbild und zur Mentorin geworden. Mit dem Gewinn des Schweizer Buchpreises 2009 für die Erinnerungspassagen «Mehr Meer» fand Ilma Rakusas Schaffen einen vorläufigen Höhe-, jedoch keineswegs einen Endpunkt. Ihr Werk, das unterdessen mehr als 25 eigene Titel und noch einmal so viele Übersetzungen und Herausgaben umfasst, stösst auf ungebrochenes Interesse. Poetikvorlesungen, prestigeträchtige Mitgliedschaften und Preise, darunter zuletzt 2023 die Auszeichnung der Stadt Zürich für die Übersetzung und Herausgeberschaft von Zwetajewas
Notizbüchern «Ich sehe alles auf meine Art», zeugen vom produktiven Echo, das Ilma Rakusas Arbeiten gefunden haben.
Mit der goldenen Ehrenmedaille wird das Lebenswerk einer aussergewöhnlichen Literaturschaffenden und Intellektuellen gewürdigt, das seine Spuren in der Zürcher Kulturlandschaft hinterlassen hat und dies auch weiterhin tun wird. Heidi Diggelmann, geboren 1936 in Zürich, bildete sich zuerst zur Primarlehrerin und danach zur Schauspielerin aus. Sie begann ihre Schauspielkarriere beim Cabaret Rotstift und beim von Roland Rasser neu gegründeten Cabaret Gygamofi, arbeitete anschliessend in festen Engagements in Zürich und Salzburg. Als Mitglied des Kammersprechchors Zürich wirkte sie von 1959 bis 1964 in internationalen Konzerten (unter anderem mit Solosprechrollen) und von 1963 bis 1970 jeden Sommer bei den Salzburger Festspielen in Goethes «Faust» mit. Nach ihrer Rückkehr in die Schweiz war Heidi Diggelmann unter anderem beim Theater für den Kanton Zürich engagiert, wo sie 1979 als erste weibliche Darstellerin in Pirandellos «Sechs Personen suchen einen Autor» überzeugte. Die längste Zeit ihrer Karriere war Heidi Diggelmann freischaffend, sie hatte Stückverträge an Schweizer Bühnen wie den Stadttheatern Luzern und Solothurn und dem Sommertheater Winterthur. In Zürich war sie regelmässig im Bernhard Theater, im Corso und im Hechtplatz-Theater (Zürcher Märchenbühne) zu sehen und stand auch im Opernhaus bei Musicalproduktionen auf der Bühne. In den 90er-Jahren führte sie auch selbst Regie am Atelier-Theater Meilen (unter anderem Priestleys «Ein Inspektor kommt»). Zudem trat sie mit verschiedenen Lesungen und Rezitationsabenden an unterschiedlichen Orten auf. Neben der Schauspielerei absolvierte Heid Diggelmann eine Zusatzausbildung als Sprech- und Stimmlehrerin und baute eine Praxis für Sängerinnen und Sänger, Schauspielschülerinnen und -schüler sowie Stimmpatientinnen und -patienten auf. Ausserdem arbeitet sie weiterhin als Koautorin von Kabarettnummern, Hörspielen und Märchendramatisierungen. In den letzten 25 Jahren ist Heidi Diggelmann vielen als Schauspielerin in Schweizer Spielfilmen bekannt geworden. Sie arbeitete beispielsweise mit Rolf Lyssy, Sabine Boss oder Petra Volpe zusammen. Besonders zu erwähnen ist, dass die heute 87-Jährige stets offen für neue Erfahrungen geblieben ist und gern mit jungen Film- und Theaterschaffenden im Austausch ist. So ist sie immer wieder in Abschlussfilmen der Zürcher Hochschule der
Künste zu sehen. Oder sie spielte 2023 in der schrägbunten Trittligass- Komödie von Christian Jott Jenny mit, wo sie neben weiteren Grössen des Schweizer Theaterschaffens auf der Open-Air-Bühne in der Zürcher Altstadt zu sehen war. Mit der Goldenen Ehrenmedaille soll Heidi Diggelmann als Zürcher Schauspiellegende und als starke, offene Persönlichkeit ausgezeichnet werden, die das Zürcher Kulturleben mit ihrer Arbeit und ihrem Engagement dauerhaft geprägt hat.
Für die Verleihung von Auszeichnungen gemäss § 4 des Kulturförderungsgesetzes (LS 440.1) ist der Regierungsrat zuständig, während die Ausgabenbewilligung durch die Fachstelle Kultur erfolgt (§§ 2 Abs. 2 und 3 Abs. 2 lit. e Kulturförderungsverordnung, LS 440.11). Der Betrag für die Herstellung der Goldenen Ehrenmedaillen ist im Budget 2025 des von der Fachstelle Kultur verwalteten Kulturfonds enthalten.
Dispositiv
Auf Antrag der Direktion der Justiz und des Innern beschliesst der Regierungsrat:
I. Die Goldenen Ehrenmedaillen für kulturelle Verdienste des Regierungsrates 2025 werden der Literaturschaffenden Ilma Rakusa und der Schauspielerin Heidi Diggelmann verliehen.
II. Dieser Beschluss ist bis zur Veröffentlichung der Medienmitteilung nicht öffentlich.
III. Mitteilung an Ilma Rakusa, Heidi Diggelmann und die Mitglieder der Kulturförderungskommission (durch Zuschrift der Direktion der Justiz und des Innern) sowie an die Finanzdirektion, die Staatskanzlei und die Direktion der Justiz und des Innern.
Vor dem Regierungsrat Die Staatsschreiberin:
Kathrin Arioli