RRB Nr. 665/2020
Militärkaserne Zürich, Gesamtinstandsetzung und Umbau, Projektierung und vorgezogene Ausführungsplanung, gebundene Ausgabe
Rubrum
Auszug aus dem Protokoll des Regierungsrates des Kantons Zürich Sitzung vom 1. Juli 2020
665. Militärkaserne Zürich, Gesamtinstandsetzung und
Erwägungen
Umbau, Projektierung und vorgezogene Ausführungsplanung (Ausgabenbewilligung)
Ausgangslage Das Kasernenareal in Zürich hat aufgrund seiner Lage, seiner Grösse und seiner historisch wertvollen Bausubstanz eine grosse Bedeutung für die Entwicklung der Zürcher Innenstadt. Die Kantonspolizei wird 2022 in das neue Polizei- und Justizzentrum einziehen. Damit wird die über 120 m lange, parallel zur Sihl verlaufende Militärkaserne für neue Nutzungen frei. Dieses markante Gebäude, das in den Jahren 1873–1876 erbaut wurde, ist von Weitem sichtbar. Das ganze Areal ist als Denkmal von nationaler Bedeutung eingestuft. Die neuen Nutzungen orientieren sich am Masterplan Zukunft Kasernenareal Zürich, dem mit RRB Nr. 975/2016 zugestimmt wurde. Er sieht vor, dass die Militärkaserne dem Bildungszentrum für Erwachsene (BiZE) zur Verfügung gestellt wird. Das Erdgeschoss soll für eine publikumsorientierte Nutzung geöffnet werden. Der Kantonsrat hat mit Beschluss vom 22. Oktober 2018 im kantonalen Richtplan die Militärkaserne als neuen Standort des BiZE festgelegt (Vorlage 5298). Durch den Auszug des BiZE aus dem Schulhaus Riesbach wird dort dringend benötigter Schulraum für das bislang in der Schulanlage Rämibühl angeordnete Literargymnasium frei (RRB Nr. 910/2019). Gleichzeitig mit dem Umbau für die neue Nutzung ist eine umfassende Gesamtinstandsetzung des historischen Gebäudekomplexes unausweichlich. Diese ist bereits seit Jahrzehnten fällig, musste indessen wegen der unklaren Nutzung mehrfach aufgeschoben werden. Aus Sicherheitsgründen waren in der Vergangenheit Notmassnahmen (z. B. an der Fassade) erforderlich. Im Rahmen eines Wettbewerbs wurde ein Konzept erarbeitet, das alle Ziele gemäss Masterplan optimal verwirklicht. Als Gewinner ging das Projekt PILUM der spillmann echsle architekten ag hervor.
Projekt Der Umbau der denkmalgeschützten Bausubstanz erfordert ein behutsames Vorgehen mit gezielten Eingriffen. Dadurch wird einerseits das wertvolle Erbe bewahrt und gleichzeitig eine zeitgemässe und effiziente Nutzung ermöglicht. Die Grundstruktur der Kaserne mit ehemaligen Schlafsälen für 1400 Soldaten eignet sich gut für den Schulbetrieb. Insbesondere im Erdgeschoss und teilweise auch in den Obergeschossen sind indessen auch offene oder grössere Räume erforderlich. Dies bedingt verschiedene Eingriffe in die Grundrisse. Im Hochparterre sind, wie vom Kantonsrat im Richtplaneintrag festgehalten, öffentliche Nutzungen (z. B. Café und Läden) vorgesehen. Dahinter entsteht ein breiter Korridor als erweiterte Aufenthalts- und Verweilzone. Diesem Geschoss vorgelagert werden zwei grosse Terrassen erstellt, um die Geschäfte in den Aussenraum zu erweitern und mit dem Stadtraum zu verbinden. In den Obergeschossen werden die beiden Schulen des BiZE (Kantonale Maturitätsschule für Erwachsene und kantonale Berufsschule für Weiterbildung) angesiedelt. Der zentrale Trakt wird um einen gläsernen Aufbau erweitert und aufgestockt. Darin wird die Mediothek untergebracht. Dieser neue Aufbau ist subtil angeordnet und führt Tageslicht in die Tiefe des mittig angeordneten Hauptgebäudes, in dem auch Arbeitsbereiche für die Studierenden vorgesehen sind. Bestandteil der Gesamtinstandsetzung sind auch umfassende bauliche Massnahmen in den Bereichen Brandschutz, Erdbebensicherheit, Haustechnik und Energieeinsparung. Bei Letzterer liegt das Augenmerk auf einer behutsamen, energetisch sinnvollen Sanierung der vorhandenen Bausubstanz. Auch für den Schallschutz sind umfangreiche Anpassungen erforderlich. Die Wärmeerzeugung erfolgt voraussichtlich mit Fernwärme. Da indessen noch nicht klar ist, ab wann der Anschluss gewährleistet werden kann, ist allenfalls eine temporäre Gasheizung zu prüfen. Der Einsatz von Photovoltaikanlagen oder Sonnenkollektoren zur eigenen Versorgung wird im Rahmen des Vorprojektes unter Berücksichtigung der Wirtschaftlichkeit und des Denkmalschutzes vertieft auf die Bewilligungsfähigkeit geprüft. Das gesamte Gebäude soll mechanisch be- und entlüftet werden. Wegen seines Alters muss das Sanitärleitungsnetz gänzlich neu erstellt werden. Unmittelbar nach Auszug der Kantonspolizei 2022 ist der Baubeginn
vorgesehen. Die Nutzung durch das BiZE ist für Anfang 2026 vorgesehen.
Finanzielles Die Kosten für die Projektierung und vorgezogene Ausführungsplanung der Gesamtinstandsetzung und des Umbaus der Militärkaserne setzen sich wie folgt zusammen (in Franken): BKP-Nr. Arbeitsgattung Projektierung Vorgezogene Total Ausführungsplanung 10 Bestandesaufnahme 269 000 – 269 000 51 Bewilligungen, Gebühren 3 378 000 – 3 378 000 52 Muster, Modelle, Vervielfältigungen 531 000 105 000 636 000 59 Honorare (Übergangskonto) 13 280 000 2 617 000 15 897 000 61 Reserve 1 746 000 272 000 2 018 000 Total (einschliesslich 7,7% MWSt) 19 204 000 2 994 000 22 198 000 Der Kostenvoranschlag für die Projektierung und die vorgezogene Ausführungsplanung weist eine Genauigkeit von ±10% aus (Kostenstand 2. April 2020, Zürcher Index der Wohnbaupreise: April 2019, Basis 1939, 1046,3 Punkte). Für die Projektierung und die vorgezogene Ausführungsplanung der Gesamtinstandsetzung und des Umbaus der Militärkaserne ist eine gebundene Ausgabe von Fr. 22 198 000 gemäss § 37 Abs. 2 lit. d des Gesetzes über Controlling und Rechnungslegung (LS 611) durch den Regierungsrat zu bewilligen. Die Finanzierung der Ausgabe erfolgt über die Investitionsrechnung der Leistungsgruppe Nr. 8750, Liegenschaften Verwaltungsvermögen. Für das Vorhaben sind im Budget 2020 Fr. 2 000 000 eingestellt. Im Konsolidierten Entwicklungs- und Finanzplan 2020–2023 sind (für die Jahre 2021–2023) für dieses Vorhaben keine Mittel eingestellt. Die zusätzlichen Mittel können innerhalb der Leistungsgruppe Nr. 8750, Liegenschaften Verwaltungsvermögen, kompensiert werden. Die Durchführung steht unter dem Vorbehalt, dass das Vorhaben im Rahmen der zur Verfügung stehenden Budgetkredite der Investitionsrechnung finanziert werden kann und im Vergleich zu anderen Vorhaben priorisiert wird. Für das Gesamtvorhaben wird nach heutigem Planungsstand (Basis Kostengrobschätzung, ±25%) mit Kosten von rund 167 Mio. Franken gerechnet. Trotz fundierter Untersuchungen der Bausubstanz im Rahmen der Machbarkeitsstudie besteht ein gewisses Risiko, dass der Zustand gewisser Bauteile aufgrund des hohen Alters schlechter ist als erwartet. Dies hätte gegebenenfalls Auswirkungen auf Termine und Kosten.
Die gesamten Investitionen verteilen sich gemäss heutigem Planungsstand wie folgt auf die einzelnen Jahre (in Franken): 2020 2021 2022 2023 2024 Folgejahre Investitionen 6 200 000 16 000 000 14 600 000 29 000 000 43 700 000 58 300 000 Die Baudirektion wird beauftragt, Varianten zur Senkung der Kosten des Gesamtvorhabens unter Einbezug des Nutzerbedarfs zu prüfen.
Dispositiv
Auf Antrag der Baudirektion und der Bildungsdirektion beschliesst der Regierungsrat:
I. Für die Projektierung und die vorgezogene Ausführungsplanung der Gesamtinstandsetzung und des Umbaus der Militärkaserne wird eine gebundene Ausgabe von Fr. 22 198 000 zulasten der Investitionsrechnung der Leistungsgruppe Nr. 8750, Liegenschaften Verwaltungsvermögen, bewilligt.
II. Dieser Betrag wird nach Massgabe des Zürcher Indexes der Wohnbaupreise gemäss folgender Formel der Teuerung angepasst: Bewilligte Ausgabe × Zielindex ÷ Startindex (Indexstand 1. April 2019)
III. Die Baudirektion wird beauftragt, Varianten zur Kostensenkung unter Einbezug des Nutzerbedarfs zu prüfen.
IV. Mitteilung an die Finanzdirektion, die Bildungsdirektion und die Baudirektion.
Vor dem Regierungsrat Die Staatsschreiberin:
Kathrin Arioli