RRB Nr. 774/2017
Strassen, Verkehr online, Erstellung einer Verkehrsdatenplattform, Integration der Lichtsignalanlagen und der Messstellen auf National- und Staatsstrassen, neue Ausgabe
Rubrum
Auszug aus dem Protokoll des Regierungsrates des Kantons Zürich Sitzung vom 30. August 2017
774. Strassen (Verkehr online – Online-Bereitstellung von Verkehrsdaten und Erstellung einer Verkehrsdatenplattform, Ausgabenbewilligung)
Erwägungen
A. Ausgangslage Mit Beschluss Nr. 1687/2009 bewilligte der Regierungsrat für die Erarbeitung eines Detailkonzepts einer Regionalen Leitzentrale für den Verkehrsraum Zürich (RL-VRZ) sowie die Planung und Projektierung von Verkehrsmanagementplänen eine gebundene Ausgabe von insgesamt Fr. 3 000 000. Die Kosten für die Projektierung und Verwirklichung einer Plattform zur Darstellung der jeweiligen Verkehrslage mittels online verfügbaren Daten wurde auf rund Fr. 8 000 000 geschätzt und hat durch das Tiefbauamt in Zusammenarbeit mit dem Amt für Verkehr (AFV) und der Kantonspolizei (KAPO) zu erfolgen. Die RL-VRZ nimmt seit ihrer Gründung 2011 im Rahmen ihrer Zuständigkeit alle Aufgaben des regionalen Verkehrsmanagements auf den National- und Staatsstrassen im Verkehrsraum Zürich wahr. Dazu gehören die Planung des Verkehrsmanagements, die Evaluation, Abstimmung, Plausibilisierung und Umsetzung von Verkehrsmanagementmassnahmen sowie die Beobachtung des Verkehrs und die Sicherstellung der Verkehrsinformationen im Aktionsraum der RL-VRZ. Diese wird in Abstimmung mit dem Bundesamt für Strassen (ASTRA) durch das AFV, die KAPO, das Tiefbauamt, die Dienstabteilung Verkehr der Stadt Zürich und die Stadtpolizei Winterthur geführt. Die Umsetzung von Verkehrsmanagementmassnahmen benötigt Verkehrsdaten in Echtzeit. Der auf RRB Nr. 1687/2009 beruhende Projektauftrag der Volkswirtschaftsdirektion vom 22. Januar 2010 und dessen Anpassung vom 14. Juli 2014 sehen vor, alle heute und in Zukunft verfügbaren Echtzeitverkehrsdaten auf einer Verkehrsdatenplattform zu integrieren. Alle im Verkehrsraum Zürich betroffenen Strassenverantwortlichen betreiben bereits Netze von Verkehrsmessstellen. Diese erfassten Daten sind gegenseitig jedoch nur beschränkt verfügbar. Das ASTRA hat seit 2010 seine Anlagen erneuert, sodass sämtliche Verkehrsdaten der Nationalstrassen im Raum der RL-VRZ an den ASTRA-Standorten Bern und Emmen in Echtzeit verfügbar sind. Die Verkehrsmessstellen der Stadt Zürich erfassen ebenfalls Echtzeitdaten. In Winterthur werden die Verkehrsdaten der Lichtsignalanlagen (LSA) regelmässig gesichert und jeweils am Monatsende auf deren Webseite zur Verfügung gestellt. Echt- zeitdaten sind nicht verfügbar. Die kantonalen Messstellen speichern die Daten an Ort und Stelle mit der heutigen Konfiguration stündlich
und liefern einmal täglich einen Datensatz mit den registrierten Messwerten. Die derzeit aufgezeichneten Verkehrsdaten auf Staatsstrassen stehen nicht in Echtzeit zur Verfügung. Sie dienen der Statistik, der Strassenbauplanung, der Verkehrsmengenüberwachung und der Verkehrsunfallstatistik und bilden für den Lärmschutz die Grundlage für die Lärmberechnung. Die dazu bereits bestehenden Verkehrsdatenmessstellen sind technisch in der Lage, Echtzeitdaten zu registrieren. Durch entsprechende Konfiguration und mit der erforderlichen Kommunikationsinfrastruktur können sie direkt genutzt werden und stehen als wichtige Echtzeitdatenquellen zur Verfügung. Neben diesen Verkehrsdaten der kantonalen Verkehrsdatenmessstellen stehen Echtzeitdaten der LSA im Kanton Zürich zur Verfügung. Bisher fehlt jedoch eine Plattform, die diese Daten empfangen, validieren, verifizieren und aggregieren bzw. gemäss den Nutzeranforderungen aufbereiten kann, um sie für die beschriebenen Anwendungsfälle nutzbar zu machen.
B. Projekt Die geplante Verkehrsdatenplattform ermöglicht den transparenten Austausch und die gegenseitige Bereitstellung, Aufbereitung und Nutzung der Daten. Auf der Plattform werden die Verkehrsdaten der kantonalen Messstellen, der LSA und der Nationalstrassen verfügbar gemacht. Dadurch wird im stark belasteten Verkehrsraum Zürich die Grundlage für Anwendungen zur Harmonisierung und Verbesserung des Verkehrsflusses geschaffen. Die Integration der Verkehrsdaten der Städte Zürich und Winterthur auf der Plattform wird zurzeit nicht vorgenommen, kann aber später jederzeit ergänzt werden. Hingegen werden die Verkehrsdaten der Plattform auch den Städten Zürich und Winterthur zur Verfügung stehen. Die Bereitstellung der Echtzeitverkehrsdaten dient zusätzlich dem AFV bei der Qualitätssicherung von Lichtsignalanlagen, der Beurteilung des Verkehrsablaufs an LSA und unterstützt dessen Planung von Verkehrsmanagementmassnahmen. Die KAPO kann dadurch das präventive Störfallmanagement ausbauen und die Qualität von Verkehrsmeldungen verbessern. Mit dem ASTRA ist sodann ein Verkehrsdatenaustausch für das Verkehrsmanagement Schweiz möglich. Die Echtzeit-Datenerfassung im Verkehrsmanagement und bei den Strassennetzbetreibern ist Stand der Technik und wird entsprechend weltweit eingesetzt oder angestrebt. Der Standort Zürich, der national und international als Technologieträger gesehen wird, kann mit dem Einsatz der bestehenden Infrastruktur eine Verkehrsdatenplattform und ihre Schnittstellen zu den Datenquellen erstellen. Spezifische Anwendungen zum Verkehrs- und Informationsmanagement, wie die Verkehrslagedarstellungen und Verkehrsprognoseberechnungen, sind nicht Bestandteil des vorliegenden Projekts, können damit aber zu einem späteren Zeitpunkt verwirklicht werden. Im Einzelnen sind folgende Massnahmen geplant: – Erstellung einer Verkehrsdatenplattform (Server mit Datenbank), die unterschiedlich ausgeprägte Verkehrsdaten aggregiert, ablegt und diese Verkehrsdaten online Dritten zur Verfügung stellen kann, durch Aufbau und Programmierung folgender Funktionen und Applikationen: – die notwendige Kommunikationsinfrastruktur, um die Daten der verschiedenen Datenquellen zu empfangen; – die abgestimmten Schnittstellen zu den unterschiedlichen Datenquellen; – die automatisierte Plausibilisierung und Verifizierung der empfangenen Verkehrsdaten;
– die Aufbereitung der Verkehrsdaten in ein aussagekräftiges Format zur Kommunikation (Aggregation der Daten); – die Vorbereitung der Verkehrsdatenplattform auf weitere, zukünftige Datenquellen im Verkehrsraum Zürich; – Integration der bestehenden Messstellen auf Staatsstrassen: Erstellung der erforderlichen Online-Datenkommunikation zu rund 100 ausgewählten Messstellen im Kanton Zürich durch: – Programmierung der ausgewählten Messstellen zur Aufnahme und zur Verfügungstellung von Einzelfahrzeugdaten; – Ausrüstung der Messstellen mit Routern zur Echtzeitkommunikation der Daten in die Verkehrsdatenplattform; – Integration der Verkehrsdaten der LSA: Programmierung der Gebietsrechner, welche die 270 LSA im Kanton untereinander koordinieren; – Integration der Messstellen auf den Nationalstrassen: Programmierung der Schnittstelle zum ASTRA. Die Verwirklichung der geplanten Verkehrsdatenplattform zur Bereitstellung der Echtzeitverkehrsdaten befriedigt die heutigen und künftigen Bedürfnisse bezüglich Verkehrsdaten im Kanton Zürich.
C. Zeitplan
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D. Finanzierung und Ausgabenbewilligung Die Investitionskosten sind gemäss Kostenvoranschlag vom 16. Januar 2017 wie folgt veranschlagt: Anteil Total in Franken in Franken Erstellung Verkehrsdatenplattform 1 100 000 Erstellung von Schnittstellen zur Datenerfassung 800 000 zu Messstellen auf Staatsstrassen 250 000 zu Messstellen der LSA 450 000 zu Messstellen auf Nationalstrassen 100 000 Dienstleistungen (Detailprojekt, Ausschreibung, 300 000 Bauherrenunterstützung Realisierung und Einführung) Reserve ±20% 440 000 Gesamttotal 2 640 000 Für die Verwirklichung des Vorhabens ist eine neue Ausgabe von Fr. 2 640 000 zulasten der Investitionsrechnung der Leistungsgruppe Nr. 8400, Tiefbauamt, Konto Nr. 5012 0 00000, Verkehrseinrichtungen, zu bewilligen. Das Vorhaben verursacht jährliche Kapitalfolgekosten von Fr. 151 800. Sie berechnen sich nach IPSAS wie folgt: Kosten Kapitalfolgekosten Kontierung Anteil Zinsen Abschreibungssatz Betrag Kosten (1,5%) Fr. Fr. Fr. Verkehrseinrichtungen 100% 2 640 000 19 800 5% 132 000 Zwischentotal 19 800 132 000 Total 100% 2 640 000 151 800 Der Betrag ist im Budget 2017 mit Fr. 100 000 enthalten und im KEF 2017–2020 eingestellt.
Dispositiv
Auf Antrag der Baudirektion beschliesst der Regierungsrat:
I. Für das Projekt «Verkehr online» mit der Erstellung einer Verkehrsdatenplattform, der Integration der Verkehrsdaten der Lichtsignalanlagen und der Messstellen auf den Nationalstrassen und den Staatsstrassen wird eine neue Ausgabe von Fr. 2 640 000 zulasten der Investitionsrechnung der Leistungsgruppe Nr. 8400, Tiefbauamt, bewilligt.
II. Dieser Betrag wird nach Massgabe des Schweizerischen Baupreisindexes gemäss folgender Formel der Teuerung angepasst: Bewilligte Ausgabe × Zielindex ÷ Startindex (Stand 16. Januar 2017)
III. Mitteilung an die Sicherheitsdirektion, die Finanzdirektion, die Volkswirtschaftsdirektion und die Baudirektion.
Vor dem Regierungsrat Der Staatsschreiber:
Husi