RRB Nr. 821/2018
Anfrage Tobias Mani, Wädenswil, Edith Häusler, Kilchberg, und Marcel Suter, Thalwil, betreffend Freie Fahrt für den Schoggibus und das Schoggischiff, Beantwortung
Rubrum
Auszug aus dem Protokoll des Regierungsrates des Kantons Zürich KR-Nr. 163/2018
Sitzung vom 5. September 2018
821. Anfrage (Freie Fahrt für den Schoggibus und das Schoggischiff) Kantonsrat Tobias Mani, Wädenswil, Kantonsrätin Edith Häusler-Michel, Kilchberg, und Kantonsrat Marcel Suter, Thalwil, haben am 4. Juni 2018 die folgende Anfrage eingereicht: In Kilchberg wird fleissig am Chocolate Competence Center bzw. an einem Schoggimuseum von Lindt & Sprüngli gebaut. Es entsteht ein äusserst attraktiver Komplex mit internationaler Ausstrahlung, welcher neben einem grossen Museum eine Chocolateria, einen Shop und ein Café beinhaltet. Das neue Schoggimuseum soll ab 2020 pro Jahr rund 350 000 Personen anziehen. Die Produkte von Lindt & Sprüngli stehen für höchste Qualität und sind beste Botschafter für die Schweiz, aber auch für den Kanton Zürich und das linke Zürichseeufer. Umso mehr ist es den Anfragenden ein Anliegen, dass auch der entsprechende Mehrverkehr qualitativ hochstehend gelöst wird. Dafür muss vor allem die Anreise mit dem öffentlichen Verkehr möglichst attraktiv ausgestaltet werden. So schwebt den Anfragenden vor, dass die bereits bestehende Buslinie 165 ins verkehrs- und werbetechnische Gesamtkonzept integriert und der Takt verdichtet wird (am Wochenende genügt der 30-Minuten-Takt bei Weitem nicht) und der Bus beispielsweise neu als «Schoggibus» die entsprechend «schokoladenmässig» gestalteten Busstationen beim Bürkliplatz und in Kilchberg verbindet. Da damit eine erhebliche Werbewirkung erzielt wird, wäre es sicher wünschenswert, wenn sich Lindt & Sprüngli namhaft an den Kosten beteiligt. Die mit dem Zug und dem Schiff anreisenden Personen sind auf eine Verbesserung der Fusswegverbindung vom Bahnhof Kilchberg (welcher noch aufgewertet werden könnte) bzw. vom Schiffssteg zum Schoggimuseum angewiesen. Sorgen bereitet der zu erwartende motorisierte Mehrverkehr. Die Seestrasse ist bereits heute stark befahren. Nicht nur an schönen Sommertagen besteht bereits jetzt eine unbefriedigende Verkehrssituation, zum Teil auch wegen dem Parkplatzsuchverkehr zur gegenüberliegenden Badi Kilchberg (Stichwort Rückstau). Die Badi Kilchberg ist bei Familien, Teenagern und Seniorinnen und Senioren sehr beliebt (Velo- und Fussgängerverkehr) und ist ein beliebtes Ziel auch für Besucherinnen und Besucher aus der Stadt Zürich.
In diesem Zusammenhang bitten wir den Regierungsrat um die Beantwortung der folgenden Fragen:
Erwägungen
1. Wie sieht das Verkehrskonzept für die Bewältigung der Besucherströme aus? Welcher Modalsplit zwischen Anreisenden mit dem motorisierten und dem öffentlichen Verkehr wird angestrebt?
2. Wie soll erreicht werden, dass die Anreise mit dem öffentlichen Verkehr möglichst attraktiv ist?
3. Wie stellt sich der Regierungsrat zur Idee eines «Schoggibusses» und eines «Schoggischiffes»?
4. Ist eine attraktive Wegführung und Beschilderung vom Bahnhof Kilchberg zum Schoggimuseum schon konkret geplant? Wie sieht diese aus? Wird der Bahnhof Kilchberg in diesem Zusammenhang aufgewertet? Wie?
5. Ist der Regierungsrat bereit, die Federführung für die Erarbeitung eines attraktiven Zugangs für nicht motorisierte Besucher des Schoggimuseums zu übernehmen?
6. Welche Massnahmen sind in Bezug auf die Seestrasse und die Parkplatzsituation geplant?
7. Wie steht der Regierungsrat zu einer Lichtsignalanlage für eine sichere Überquerung der Seestrasse Bushaltestelle – Lindt & Sprüngli und Bushaltestelle – Badi?
8. Welche weiteren Massnahmen sieht der Kanton vor, um das Seine dazu beizutragen, damit das Schoggimuseum zu einem Erfolg in jeglicher Hinsicht wird?
Dispositiv
Auf Antrag der Volkswirtschaftsdirektion beschliesst der Regierungsrat:
I. Die Anfrage Tobias Mani, Wädenswil, Edith Häusler-Michel, Kilchberg, und Marcel Suter, Thalwil, wird wie folgt beantwortet: Zu Fragen 1 und 6: Im Rahmen des Baubewilligungsverfahrens wurde eine Umweltnotiz eingereicht. Im Teil Verkehr wird abgehandelt, welcher Mehrverkehr erwartet wird und wie damit umzugehen ist. Der Anteil des öffentlichen Verkehrs (öV) am Modal Split soll wie folgt aussehen: 30% bei den Mitarbeitenden, 25% bei den Besucherinnen und Besuchern der Läden und 30% bei den Besucherinnen und Besuchern des Museums. Gerechnet wird mit rund 480 zusätzlichen Autofahrten pro Tag. Dies entspricht gegenüber dem Ausgangszustand einer Steigerung von 30%. Das Strassennetz wird damit teilweise (je nach betroffener Strasse) zwischen 0,2% und 4,6% zusätzlich belastet. Auf der Schooren- und der Wiesenstrasse wird der motorisierte Verkehr verringert.
Im Mobilitätskonzept sind Angaben zum Parkplatz-Bewirtschaftungskonzept, zu Parking-Tarifen, zu Massnahmen zur Förderung des öV, zur Förderung des Langsamverkehrs und zum Controlling enthalten. Um eine verkehrssichere Erschliessung sicherzustellen, soll auf der Seestrasse ein Multifunktionsstreifen erstellt werden. Die Anzahl Parkplätze soll von 320 auf 457 erhöht werden, wovon den Besucherinnen und Besuchern an Werktagen 110 und an Samstagen und Sonntagen 200 zur Verfügung stehen. Zudem sollen beim Pilgerweg 100 Veloabstellplätze erstellt werden. Die Orientierung für die Fussgängerinnen und Fussgänger soll vereinfacht und der Weg attraktiver gestaltet werden, indem auf dem historischen Pilgerweg die Zahl motorisierter Fahrzeuge deutlich verringert wird. Zu Frage 2: Der Standort des Chocolate Competence Centers ist durch den öffentlichen Verkehr sehr gut erschlossen. Vom Bahnhof Kilchberg zum Eingang des Schoggimuseums sind es rund 660 m (Luftlinie). Damit gilt der Standort nach § 4 der Angebotsverordnung (LS 740.3) als durch die S- Bahn erschlossen. Am Bahnhof Kilchberg verkehren die S-Bahn-Linien S8 und S24 jeweils im Halbstundentakt. Dank der optimalen Fahrplanlage ergibt sich am Bahnhof Kilchberg ein exakter Viertelstundentakt. Zusätzlich halten die Buslinien 163 und 165 in unmittelbarer Nähe zum Areal des Chocolate Competence Centers (Luftlinie 50 m bzw. 230 m bis zum Eingang). Die Linie 163 ist Teil des Ortsbussystems Kilchberg und verkehrt heute lediglich in einem Stundentakt. Allerdings wird das Ortsbussystem im Rahmen einer Langfristplanung für den Unteren Zimmerberg zurzeit überprüft und das Angebot soll verbessert bzw. ausgebaut werden. Die Linie 165 (Zürich, Bürkliplatz–Rüschlikon, Park im Grüene) verkehrt in einem Halbstundentakt, der zur Hauptverkehrszeit zu einem Viertelstundentakt verdichtet wird. Im Weiteren liegt auch die Haltestelle Kilchberg, Schiffstation der Zürichsee Schifffahrtsgesellschaft (ZSG), in Gehdistanz zum Chocolate Competence Center (rund 420 m Luftlinie). Über diese bereits bestehende sehr gute Erschliessung hinaus könnte die Attraktivität der Anreise mit dem öV durch entsprechende Lenkungsmassnahmen (z. B. Parkplatzbewirtschaftung, Kombi-Tickets usw.) zusätzlich verbessert werden. Zu Frage 3: Einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren des öffentlichen Verkehrs im Kanton Zürich sind der einfache Zugang zum Angebot des ZVV und
dessen einfache Nutzung. Hierzu gehört auch, dass für die Fahrgäste ohne Weiteres nachvollziehbar ist, welche Verkehrsmittel zum Angebot des ZVV gehören. So hat denn auch der Kantonsrat in den am 5. März 2018 verabschiedeten Grundsätzen über die mittel- und langfristige Entwick- lung von Angebot und Tarif im öffentlichen Personenverkehr für die Jahre 2020–2023 (Vorlage 5370) festgehalten, die Marke ZVV solle vor, während und nach der Reise möglichst durchgängig zur Geltung kommen, um den Fahrgästen den Zugang zum öffentlichen Verkehr zu erleichtern. Die in der Anfrage erwähnte Idee eines «Schoggibusses» bzw. «Schoggischiffes» läuft diesen Vorgaben zuwider, da eine einzelne Buslinie bzw. ein einzelner Schiffskurs des ZVV-Angebots gewissermassen unter einer Sondermarke verkehren würden. Dies suggeriert eher, dass es sich um Spezialangebote handelt, wie dies z. B. bei den sogenannten Traumschiffen der ZSG (Disco-Schiff, Salsa-Schiff, BBQ-Schiff usw.) der Fall ist, die zu Spezialpreisen vermarktet werden und nicht zum ZVV-Angebot gehören. Die Einführung eines «Schoggibusses» oder «Schoggischiffes» liefe damit dem Anliegen, möglichst viele Besucherinnen und Besucher auf den öV zu lenken, eher entgegen. Stattdessen sollte vielmehr auf dem heute bestehenden attraktiven öV- Angebot aufgebaut werden. Falls die Prognose der Besucherströme und insbesondere deren Tages- und Wochenverlauf zu Engpässen beim Angebot führen würde, wären geeignete Massnahmen zu diskutieren. Die Festlegung des Verbundangebots liegt grundsätzlich in der Kompetenz des Verkehrsrates. Zu Frage 4: Die Zuständigkeit für die Wegführung und Beschilderung vom Bahnhof zum Schoggimuseum liegt bei der Gemeinde Kilchberg. Gemäss Auskunft der Gemeinde Kilchberg gibt es zurzeit beim Bahnhof Kilchberg ein Werbeplakat der Lindt & Sprüngli mit einem Hinweis auf den Standort des Verkaufsladens. Es ist vorgesehen, eine Beschilderung zum Chocolate Competence Center vom Bahnhof Kilchberg über den Pilgerweg zu erstellen. Zu Frage 5: Bereits heute ist der Zugang für die Anreise mittels öV oder zu Fuss attraktiv. Die Veloverbindung auf der Seestrasse ist im regionalen Richtplan eingetragen. Sie weist einzelne Schwachstellen auf, deren Behebung im Richtplan kurz- bis mittelfristig vorgesehen ist. Es besteht deshalb kein weitergehender Handlungsbedarf. Zu Frage 7:
Lichtsignalanlagen (LSA) können zur Behebung eines Verkehrssicherheitsdefizits oder zur Optimierung des Verkehrsflusses erstellt werden. Bei reinen Fussgänger-LSA besteht jedoch die Tendenz, dass sich die Fussgängerinnen und Fussgänger nur auf die Ampeln und nicht mehr auf die übrigen Strassenbenützerinnen und -benützer konzentrieren. Auch sind Rotlichtmissachtungen durch den Individualverkehr bei ab- gesetzten Fussgänger-LSA eher zu beobachten als bei lichtsignalgesteuerten Verkehrsknoten. Beim Bau einer LSA ist zudem auf die Bevorzugung des öffentlichen Verkehrs zu achten und zu vermeiden, dass eine einzelne Fussgängerquerung privilegiert wird. Als geeigneteres Mittel zur sicheren Strassenquerung haben sich Fussgängerstreifen mit Mittelinseln bewährt, die möglichst der Wunschlinie der Fussgängerinnen und Fussgänger entsprechen. Diese werden so frühzeitig vom Fahrverkehr erkannt und müssen sich beim Überqueren der Strasse nur auf eine Verkehrsrichtung konzentrieren. Aus diesen Gründen ist insbesondere auch bei einem zu erwartenden grösseren Verkehrsaufkommen von einer reinen Fussgänger-LSA an der genannten Stelle abzusehen. Zu Frage 8: Der Regierungsrat hat ein Interesse daran, dass das Schoggimuseum zu einem Erfolg wird. Die richtigen Ansprechpartner im Hinblick auf eine Unterstützung wären Zürich Tourismus und allenfalls der Verein Zürcher Museen. Zudem könnte die Einbindung des Schoggimuseums in die Veranstaltungsreihe «Zurich meets your City» von Stadt Zürich, Kanton Zürich sowie Zürich Tourismus allenfalls von Interesse sein.
II. Mitteilung an die Mitglieder des Kantonsrates und des Regierungsrates sowie an die Volkswirtschaftsdirektion.
Vor dem Regierungsrat Die Staatsschreiberin: Kathrin Arioli