Standing: How later courts treated this decision has not been analysed.

RRB Nr. 89/2024

Kulturförderung, Förderpreise des Kantons Zürich 2024, Verleihung

Rubrum

Auszug aus dem Protokoll des Regierungsrates des Kantons Zürich Sitzung vom 31. Januar 2024

89. Kulturförderung (Förderpreise des Kantons Zürich 2024,

Erwägungen

Verleihung) Der Kanton Zürich verleiht jährlich zwei mit je Fr. 30 000 dotierte Förderpreise an Personen oder Gruppen, deren Werk von ausgewiesener künstlerischer Qualität ist und die über ein vielversprechendes Entwicklungspotenzial verfügen (RRB Nr. 854/2016). Die Kulturförderungskommission schlägt vor, die Förderpreise 2024 an die Band District Five und die Schriftstellerin Ivna Žic zu verleihen. District Five ist eine herausragende Band der Zürcher Musikszene und eine musikalische Ausnahmeerscheinung. Bereits in ihrem Studium an der Zürcher Hochschule der Künste haben sich die vier Musiker kennengelernt und sind menschlich wie musikalisch zu einer Einheit zusammengewachsen, obwohl sie aus ganz verschiedenen Stilrichtungen kommen: Schlagzeuger Paul Amereller (*1991) orientierte sich früh am Rock, Saxofonist Tapiwa Svosve (*1995) am Avantgardejazz und an der neuen E-Musik, Gitarrist Vojko Huter (*1992) produzierte Hip-Hop, der Kontrabassist Xaver Rüegg (*1993) spielte Jazz. Alle vier Musiker haben sich seither in der kantonalen und nationalen Musikwelt einen Namen gemacht und sind je einzeln zu interessanten Künstlerpersönlichkeiten herangereift. Besonders aber als Kollektiv bilden sie eine höchst originelle Band, die in ihren Kompositionen und Improvisationen festgesetzte Stile verlässt und einen eigenen Musikbegriff ausprägt. Ob Jazz, Postpunk oder Electronica: District Five steht für eine neue Generation von Jazzmusikerinnen und - musikern, die Genres sprengt und radikal neue Ausdrucksformen sucht. Über 200 Konzerte haben sie bereits gespielt und vier Alben veröffentlicht. Weiter haben sie den ZKB Jazzpreis 2017 gewonnen und wurden von der Zürcher Hochschule der Künste mit einem Ehrentitel für besondere Leistungen ausgezeichnet. Auch wurde District Five von verschiedenen internationalen Festivals wie dem Reeperbahn Festival, dem Great Escape oder dem Jazzfestival Schaffhausen zu Konzerten eingeladen. Die vier Musiker haben mittlerweile mit der Perkussionistin Bérénice Awa Keller (*1998) für einzelne Konzerte Zuwachs erhalten und engagieren sich über ihre eigene Band hinaus unermüdlich für die Zürcher Musikszene. Sie sind Kern des Gamut-Kollektivs, das Formate wie das Gamut-Festival oder die Konzertreihen Stuenzi und Schalter organisiert. Die Karriere von District Five beginnt zunehmend

auch international an Fahrt aufzunehmen. Der Förderpreis soll der Band dazu den nötigen Schub geben und ist gleichzeitig Anerkennung für ihr grosses Engagement in der Zürcher Musiklandschaft.

Ivna Žic, geboren 1986 in Zagreb, aufgewachsen in Zürich, gehört zu den wichtigsten jüngeren Stimmen der Schweizer Literatur. Ivna Žic studierte Angewandte Theaterwissenschaft, Schauspielregie und Szenisches Schreiben in Giessen, Hamburg und Graz. Einfallsreich und mit kritischem Geist sucht sie in ihren Texten nach einer Sprache für die vielen widersprüchlichen Schichten von Identität und Herkunft. Zentral in ihrer Arbeit ist dabei die Auseinandersetzung mit den Fragen, was unser Denken und Sprechen prägt und welche Bedeutung den Erfahrungen unserer Vorfahren im eigenen Leben, auch in den alltäglichen Gesten, zukommt. In ihrem Debütroman «Die Nachkommende» (2019) erzählt Žic von der Spurensuche einer jungen Frau in Kroatien und fragt nach Auf- und Abbrüchen und Wiederholungen in der Geschichte ihrer Familie zwischen der Schweiz und Ex-Jugoslawien. Dieses literarische Unterfangen der Autorin, eine Vergangenheit sprachlich zu ertasten, die ihrer eigenen Erfahrung unzugänglich bleibt, wurde mit einer Nomination sowohl für den Österreichischen Buchpreis als auch für den Schweizer Buchpreis gewürdigt. In Žics zweitem Buch, den autofiktionalen Essays Wahrscheinliche Herkünfte (2023), werden die in Die Nachkommende aufgeworfenen Fragen wieder aufgegriffen, um ihnen mit anderen literarischen Mitteln nachzugehen. Auch am Theater, wohin Ivna Žics Weg als Autorin zuerst führte und wo sie sich einen Namen als Theaterregisseurin und Dramatikerin machte, ist sie unterdessen eine der prominenten Schweizerinnen und Schweizer in der Sparte. Von 2020 bis 2022 gehörte Žic zum Leitungsteam vom Theater Hora in Zürich und arbeitet auch weiterhin an Projekten mit dem Ensemble. Ivna Žic wird in Kritiken immer wieder ein besonderes Talent zugesprochen, atmosphärisch und zugleich analytisch genau zu erzählen. Auf vorsichtige, klare und poetische Weise gibt sie den oft zu Frontlinien verhärteten drängenden Fragen um Geschichte, Trauma und Gegenwart Raum. Sie gibt den Figuren, die sie darin erinnert und erfindet, nicht nur viele Stimmen, sondern auch Gehör und Dialoge. Das Schaffen dieser Zürcher Autorin zeichnet sich durch eine Vielfältigkeit, Multiperspektivität und sprachliche Präzision aus, die mit dem Förderpreis gewürdigt und zukunftsweisend unterstützt gehört.

Für die Verleihung von Auszeichnungen gemäss § 4 des Kulturförderungsgesetzes (LS 440.1) ist der Regierungsrat zuständig, während die Ausgabenbewilligung durch die Fachstelle Kultur erfolgt (§§ 2 Abs. 2 und 3 Abs. 2 lit. e Kulturförderungsverordnung [LS 440.11]). Der Betrag von Fr. 60 000 ist im Budget 2024 der Fachstelle Kultur enthalten.

Dispositiv

Auf Antrag der Direktion der Justiz und des Innern beschliesst der Regierungsrat:

I. Die Förderpreise des Kantons Zürich 2024 von je Fr. 30 000 werden verliehen an: – District Five – Ivna Žic

II. Dieser Beschluss ist bis zur Veröffentlichung der Medienmitteilung nicht öffentlich.

III. Mitteilung an District Five, Ivna Žic und die Mitglieder der Kulturförderungskommission (durch Zuschrift der Direktion der Justiz und des Innern) sowie an die Finanzdirektion, die Staatskanzlei und die Direktion der Justiz und des Innern.

Vor dem Regierungsrat Die Staatsschreiberin:

Kathrin Arioli