Standing: How later courts treated this decision has not been analysed. None of the 1 citing decisions has been analysed.

RRB Nr. 917/2020

Anfrage Erika Zahler, Boppelsen, und Daniel Wäfler, Gossau, betreffend Unterstützung im Kanton Zürich der Lehrstellensuchenden und Lehrabgänger in Coronazeiten, Beantwortung

Rubrum

Auszug aus dem Protokoll des Regierungsrates des Kantons Zürich KR-Nr. 203/2020

Sitzung vom 23. September 2020

917. Anfrage (Unterstützung im Kanton Zürich der Lehrstellensuchenden und Lehrabgänger in Coronazeiten) Kantonsrätin Erika Zahler, Boppelsen, und Kantonsrat Daniel Wäfler, Gossau, haben am 8. Juni 2020 folgende Anfrage eingereicht: Die Bevölkerung und die Wirtschaft haben seit der Coronazeit keinen leichten Stand. Es ist schwierig für die Unternehmen und es steht eine ungewisse Zeit vor der Tür, wie es weiter gehen soll und kann. Die Ausnahmesituation hat auch die Schweiz hart getroffen und viele fragen sich, ob sie Ihren Arbeitsplatz behalten können, eine neue Stelle oder eine geeignete Lehrstelle finden. Wer kürzlich die Lehre abgeschlossen hat, ist im Ungewissen, ob ihn die Lernfirma einen Anschlussvertrag gibt oder ob im heute schwierigen Markt nach einer anderen geeigneten Stelle gesucht werden muss. Mit der Kurzarbeit und der Entlassungswelle ist es für junge Menschen schwierig, auf dem Arbeitsmarkt Fuss zu fassen. Ein ähnliches Schicksal ereilt die Schulabgänger, die eine Lehrstelle suchen. Plötzlich gibt es nicht mehr die Anzahl Lehrstellen auf dem Markt, weil die Firmen diese Verantwortung aktuell nicht auf sich nehmen wollen, oder Firmen, die schliessen müssen. Dies erschwert den Wechsel von der Schule in die Arbeitswelt und ist ein denkbar unglücklicher Start ins Berufsleben. Die akute Arbeitslosigkeit bei Jugendlichen durch Stellenlosigkeit nach Ihrem Abschluss und nicht abschliessen können eines Lehrvertrages hat grosse Auswirkung in die Zukunft. Wie der Bundesrat in mehreren Pressekonferenzen verlauten liess, wird er die Kantone und deren Sonderprogramme für Junge unterstützen. In einem Zeitungsinterview liess der Wirtschaftsminister Guy Parmelin verlauten, dass er eine Taskforce eingerichtet hat. Mit finanziellen Mitteln will der Bund Projekte der Kantone unterstützen. In diesem Zusammenhang bitten wir den Regierungsrat um die Beantwortung nachfolgender Fragen:

Erwägungen

1. Ist der Kanton Zürich auch in der genannten Taskforce des Bundes vertreten?

2. Ist dem Kanton die Anzahl Lehrstellensuchender und Lehrabgänger im Kanton Zürich, welche eine Stelle suchen, bekannt?

3. Welche zusätzliche Corona-Projekte für die Unterstützung der Lehrstellensuchenden und Lehrabgänger werden im Kanton Zürich initialisiert?

4. Wie schnell können und werden diese Programme/Projekte greifen?

5. Wie findet das Controlling für diese Programme statt?

6. Arbeitet der Kanton Zürich mit anderen Kantonen zusammen?

Dispositiv

Auf Antrag der Bildungsdirektion beschliesst der Regierungsrat:

I. Die Anfrage Erika Zahler, Boppelsen, und Daniel Wäfler, Gossau, wird wie folgt beantwortet:

Einleitend ist zu bemerken, dass die gegenwärtige Lehrstellensituation im Kanton Zürich stabil ist und im Vergleich zum Vorjahr kaum Veränderungen auf dem Lehrstellenmarkt zu erkennen sind. Bis Ende Juni 2020 konnten 12 427 Lehrverträge abgeschlossen werden. Im Lehrstellennachweis LENA waren 2179 offene Lehrstellen gemeldet. Im Vergleichsmonat des Vorjahres waren 12 094 Lehrvertragsabschlüsse und 1979 offene Lehrstellen zu verzeichnen. Im Zusammenhang mit Konkursen, die auf die Corona-Pandemie zurückzuführen sind, mussten lediglich zwei Lehrverträge aufgelöst werden. Zu Frage 1: Um den Auswirkungen der Corona-Pandemie entgegentreten zu können, hat der Bundesrat das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) mit dem Einsatz einer Taskforce Perspektive Berufslehre 2020 beauftragt. Die Taskforce analysiert und berichtet über die sich verändernde Situation auf dem Lehrstellenmarkt und sorgt im Falle eines Ungleichgewichtes für geeignete Stabilisierungsmassnahmen. Am 14. Mai 2020 hat die Taskforce Perspektive Berufslehre 2020 die Einrichtung eines Förderschwerpunkts «Lehrstellen Covid-19» durch den Bund gutgeheissen. Der Bund kann so im Rahmen bestehender Kredite Projekte prioritär unterstützen. Der Kanton Zürich ist mit einer Person aus dem Mittelschul- und Berufsbildungsamt im Teilprojekt «Massnahmen» der Taskforce vertreten. Zu Frage 2: Zum jetzigen Zeitpunkt verfügt der Kanton Zürich über keine aktuellen Zahlen zu den Lehrstellensuchenden im Kanton. Die Schweizerische Arbeitskräfteerhebung veröffentlicht vierteljährlich Daten, dies aber mit einer gewissen zeitlichen Verzögerung. Weiter sind auch die aus dem Informationssystem für Arbeitsvermittlung und die Arbeitsmarktstatistik (AVAM) zur Verfügung stehenden Daten nicht ausreichend, um eine schlüssige Aussage zu machen. Im AVAM werden die Anzahl Personen erfasst, die sich nach abgeschlossener oder abgebrochener Berufslehre bei den öffentlichen Arbeitsvermittlungszentren anmelden. Das System unterscheidet aber nicht zwischen diesen beiden Personengruppen. Zu- dem geben die Daten keine Auskunft über die tatsächlichen Zahlen von stellensuchenden Lehrabgängerinnen und Lehrabgängern im Kanton Zürich. Zu Fragen 3 und 4: Um für den Bedarfsfall vorbereitet zu sein, sind insbesondere folgende Unterstützungsmassnahmen vorgesehen:

Mit dem Angebot «Flex» an der EB Zürich sollen im Bedarfsfall einerseits Jugendliche, die an der Nahtstelle I noch keine Anschlusslösung gefunden haben, in einem flexiblen Angebot während längstens vier Monaten begleitet und unterstützt werden. Anderseits richtet sich das Angebot an Lernende, die infolge Konkurs ihres Betriebs aufgrund der Wirtschaftslage ihre Lehrstelle verloren haben. Das Coaching im Mittelschul- und Berufsbildungsamt soll Lernende unterstützen, deren Lehrvertrag oder das Qualifikationsverfahren gefährdet sind, und die Triage in andere Angebote vornehmen. Für den Fall einer grösseren Anzahl von Konkursen wäre eine zusätzliche Coaching-­ Stelle zu besetzen. Die Schulen, die Berufsvorbereitungsjahre anbieten, haben im Frühling auch Jugendliche aufgenommen, die keine eigentlichen Bildungs- und Berufswahldefizite aufweisen. Nach dem Lockdown fanden viele Jugendliche eine Lehrstelle und meldeten sich wieder ab. Noch immer aber gibt es Jugendliche, die mit einer gezielten Förderung gleich zu Beginn des Berufsvorbereitungsjahrs gute Aussichten haben, bis zu den Herbstferien einen Lehrvertrag abzuschliessen. Das SBFI wird diese Massnahmen mit Bundesbeiträgen unterstützen. Die Massnahmen können bei Bedarf innert Monatsfrist umgesetzt werden. Zu Frage 5: Die für die Umsetzung der Massnahmen zuständigen Ämter werden für das Controlling und die Berichterstattung an das SBFI zuständig sein. Zu Frage 6: Eine interkantonale Zusammenarbeit findet im Rahmen der Schweizerischen Berufsbildungsämterkonferenz sowie in der erwähnten Taskforce des Bundes statt.

II. Mitteilung an die Mitglieder des Kantonsrates und des Regierungsrates sowie an die Bildungsdirektion.

Vor dem Regierungsrat Die Staatsschreiberin: Kathrin Arioli

Cited in