06.417
Verschuldung, Konsumkredit und Kreditkarten
Verfahrensbeitrag
Antrag der Mehrheit
Der Initiative keine Folge geben
Antrag der Minderheit
(Meier-Schatz, Bader Elvira, de Buman, Fässler, Genner, Gysin Remo, Kiener Nellen, Leutenegger Oberholzer, Rechsteiner Paul, Recordon, Rennwald)
Der Initiative Folge geben
Proposition de la majorité
Ne pas donner suite à l'initiative
Proposition de la minorité
(Meier-Schatz, Bader Elvira, de Buman, Fässler, Genner, Gysin Remo, Kiener Nellen, Leutenegger Oberholzer, Rechsteiner Paul, Recordon, Rennwald)
Donner suite à l'initiative
Kaufmann Hans · Mit-M · Nationalrat · Zürich · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei
Mit seiner parlamentarischen Initiative verlangt unser Kollege Rossini, dass Massnahmen ergriffen werden, um die Verschuldung, welche durch Konsumkredite und Kreditkartengeschäfte verursacht wird, einzudämmen. Insbesondere soll der Jugendschutz ausgebaut und die Werbung eingeschränkt werden.
Ihre Kommission hat sehr knapp, nämlich mit Stichentscheid des Präsidenten bei einem Stimmenverhältnis von 12 zu 12 Stimmen bei 1 Enthaltung, entschieden, der Initiative keine Folge zu geben. Eine nochmals verstärkte Regulierung im Bereich der Konsumkredite lehnt die Mehrheit der WAK aus folgenden vier Gründen ab.
1. Das Konsumkreditgesetz ist ja erst seit dem 1. Januar 2003 in Kraft. Geben wir diesem Gesetz erst einmal die Chance, sich zu entfalten. Dieses Gesetz sollte den Konsumentinnen und Konsumenten genügend Schutz bieten, ohne dass das Wirtschaftswachstum - das basiert teilweise ja auch auf Krediten - zu stark behindert wird.
2. Die Mehrheit Ihrer Kommission ist der Meinung, dass der Staat den Menschen nicht die Verantwortung für ihre eigenen finanziellen Geschäfte abnehmen soll. Es ist auch Sache der Eltern, für das Handeln ihrer Kinder geradezustehen und ihre Kinder im Umgang mit Geld zu erziehen.
3. Eine Ausweitung des Jugendschutzes im Bereich der Konsumkredite lehnt die WAK-Mehrheit ebenfalls ab, weil sie die Auffassung vertritt, dass Jugendliche selber lernen müssen, mit ihren Finanzen verantwortungsvoll umzugehen.
4. Die vom Initianten geforderten Massnahmen, wonach bei jeder Bezahlung mit einer Kreditkarte der aktuelle Kontostand angezeigt werden soll, ist natürlich sehr problematisch bezüglich der Privatsphäre. Ich jedenfalls möchte nicht, dass die Kassiererin in der Migros sieht, wie viel Geld ich noch auf meinem Konto habe, wenn ich mit meiner Kreditkarte bezahle. Bei Internetkäufen ist es noch problematischer. Sie wissen ja, es gibt Betrüger. Wenn die sähen, dass Sie noch viel Geld auf Ihrem Konto haben, dann könnten Sie ja erst recht geplündert werden.
Alles in allem sind wir also der Meinung, der parlamentarischen Initiative sei keine Folge zu geben.
Die starke Minderheit hingegen ist besorgt über die zunehmende Verschuldung von Jugendlichen, die teilweise eben in der Schuldenfalle enden; sie beantragt deshalb, der Initiative Folge zu geben. Aber die Mehrheit empfiehlt Ihnen wie gesagt, keine Folge zu geben.
Rossini Stéphane · Mit-M · Nationalrat · Wallis · Sozialdemokratische Fraktion
J'aimerais exposer quelques éléments principaux à l'appui de cette initiative parlementaire concernant l'endettement, le petit crédit et les cartes de crédit. Elle se veut relativement restreinte et pointue dans ses objectifs puisqu'elle demande de limiter la publicité en faveur du petit crédit à la consommation, de réduire l'accès aux cartes de crédit pour les mineurs et les jeunes et d'exiger, lors de l'utilisation des cartes de crédit, que s'affiche le solde disponible sur le compte. Evidemment, l'affichage de ce solde, on en a discuté en commission et le rapporteur vient de le mentionner, doit être régi par un certain nombre de normes, notamment de protection des données.
Cette initiative parlementaire n'est pas de nature idéologique et le dogmatisme n'est donc pas de mise pour y répondre. Elle répond à des problèmes qui sont à la fois économiques et sociaux, dont les conséquences néfastes méritent qu'on s'y attarde avec attention et objectivité.
En matière de petit crédit et d'endettement, nous avons pu observer dans ce conseil que le Conseil fédéral ne veut strictement rien entreprendre. Il a de ce fait rejeté plusieurs interventions, motions ou postulats qui allaient dans le sens d'une certaine régulation, d'un certain contrôle de la pratique du petit crédit. Cette attitude relève soit du laxisme, soit de l'hypocrisie. Je crois que le Parlement ne peut pas regarder d'en haut, sans broncher, les conséquences néfastes qui découlent de l'utilisation des cartes de crédit, notamment pour les jeunes et les mineurs - parce qu'il s'agit de cette population-là dans mon initiative parlementaire.
Ouvrez un quotidien et vous verrez sur la même page toute une série d'annonces qui d'un côté disent: "SOS dettes, nous vous aidons, nous allons vous soutenir pour vous désendetter", puis de l'autre côté, d'autres encarts publicitaires: "Emprunts sans contraintes, emprunts faciles, emprunts sans limites", etc. Allez dans les magasins, vous verrez ce genre de publicités: "Payez quand vous voulez." Donc les incitations sont relativement grandes et problématiques.
Aujourd'hui le problème de l'endettement peut être un facteur économique positif, bien sûr, mais le petit crédit a des visages multiples et a surtout des effets pervers. C'est pour la population des jeunes et des mineurs qu'il faut agir car ils font partie des gens les plus fragilisés et qui, par ailleurs, appartiennent souvent à des catégories de population fragilisées, à des familles qui rencontrent des problèmes sociaux, qui ont de bas revenus, qui ont des difficultés à nouer les deux bouts. Finalement, cet endettement provoque une spirale négative.
Par conséquent, je crois qu'aujourd'hui il faut qu'on prenne des mesures pour restreindre l'accès au petit crédit et pour ainsi éviter des problèmes sociaux. Il n'est pas logique que d'un côté, on permette le développement de la pratique de l'endettement par le petit crédit et que, d'autre part, les services sociaux des cantons et des villes développent des stratégies de désendettement. Il y a ici quelque chose de complètement contradictoire. Les services sociaux ont tiré la sonnette d'alarme depuis de nombreuses années. Comme je l'ai dit, ils mettent sur pied des stratégies, ils créent des fonds de désendettement, mais ils sont relativement débordés et ils n'ont pas les moyens d'agir en amont, d'agir sous l'angle de la prévention.
Par conséquent, nous devons tenter quelque chose. Le Conseil fédéral ne veut rien entreprendre. Nous pouvons, au niveau du Parlement, accepter de donner suite à l'initiative parlementaire et ensuite, dans la deuxième phase de traitement de cette initiative parlementaire, trouver les bonnes solutions pour permettre véritablement d'amener une contribution, une action en amont, une action de prévention. L'endettement peut hypothéquer tout un parcours de vie, il est néfaste pour les personnes et pour la société.
Je vous invite donc à donner suite à cette initiative parlementaire.
Meier-Schatz Lucrezia · Mit-F · Nationalrat · St. Gallen · Christlichdemokratische Fraktion
"Leben auf Pump ist ein neuer Volkssport!" Diesen Titel konnte man letztes Jahr auf der ersten Seite einer Ausgabe von "Cash" lesen. Vielleicht erinnern Sie sich an eine Werbung des letzten Sommers; da sieht man einen jungen Menschen, wellenreitend auf Tausendernoten. Wer im Internet surft, kann immer wieder von verlockenden Angeboten von Kreditinstituten Kenntnis nehmen. Die Kreditinstitute fragen vielversprechend: "Warum warten, wenn die Träume heute schon realisierbar sind?"
Eines aber lässt sich nicht leugnen: Geld ist zum Spiritus Rector unserer Gesellschaft geworden. Geld ist für Jugendliche und junge Erwachsene - und um diese geht es bei dieser Initiative - wahnsinnig wichtig. Jugendliche geben eigenes und elterliches Geld grosszügig und lustvoll aus. Heute konsumieren Teenies Waren und Dienstleistungen für rund 3 Milliarden Franken jährlich. Tatsache ist, dass der Volkssport "Leben auf Pump", der von der Erwachsenenwelt vorgelebt wird und von welchem die Wirtschaft profitiert, auch von der jüngeren Generation praktiziert wird. So geben heute 33 Prozent der 16- bis 25-Jährigen mehr Geld aus, als sie sich leisten können. 17 Prozent der 18- bis 24-Jährigen haben laut eigenen Angaben grosse Probleme, ihr Kaufverhalten zu kontrollieren. In der Fachsprache bezeichnet man diese fehlende Kontrolle mit nichts anderem als mit dem Begriff "Kaufsucht". Wenn zudem weitere 47 Prozent in Untersuchungen angeben, dass sie ein mittleres Kaufkontrollproblem haben, dann muss uns das aufhorchen lassen, und dann müssen wir auch agieren. Die Folgen für die über 18-Jährigen heissen: unbezahlte Rechnungen, aufgeschobene Steuerrechnungen, Abzahlungsgeschäfte, Leasing und schliesslich Aufnahme von zusätzlichen Konsumkrediten.
Der Kleinkredit-Konsummarkt ist ein boomender Markt. Wir sprechen hier von 5 bis 8 Milliarden Franken. Die Branche verspricht denn auch, das gehe schnell, einfach und diskret, und ergänzt: "Wir beraten Sie gerne, damit Sie die finanzielle Freiheit bekommen, die Sie zur Umsetzung Ihrer Ideen brauchen."
Die Verschuldungsproblematik bei Jugendlichen gewinnt zunehmend an sozialpolitischer Relevanz. Sicher ist die Autonomie in Bezug auf die "Geldentscheidung" für junge Erwachsene ein wichtiger Bestandteil ihrer Identitätsbildung. Problematisch wird dies aber, wenn sie ihre Konsumansprüche nicht mehr mit dem eigenen Geld bezahlen und Kredite aufnehmen müssen, die sie mit ihrem Einkommen nicht zurückbezahlen können.
Es kann doch nicht sein, dass beispielsweise ein 21-Jähriger mit einem monatlichen Einkommen von 4200 Franken eine Finanzierungsprognose bei einem Kreditinstitut von 41 000 Franken inklusive Zinsen erhalten kann. Da verstehe ich natürlich das Kreditinstitut, wenn es dem Interessenten auf der letzten Internetseite verspricht: "Sie sehen mit uns einer langjährigen Partnerschaft entgegen." Mittlerweile beginnt die Schuldenkarriere immer häufiger in jungen Jahren. 80 Prozent der überschuldeten Erwachsenen haben ihre ersten Schulden im Alter unter 25 Jahren gemacht. Auch schlägt nicht nur die beratende Eidgenössische Kommission für Konsumentenfragen des Bundesrates Alarm und verlangt einen dringenden Schutz der jungen Erwachsenen vor Verschuldung, sondern es tun dies vermehrt auch Betreibungsämter und die Budgetberatungsstellen verschiedener Kantone. Denn in den letzten vier Jahren haben die Betreibungen um 80 Prozent zugenommen. Jeder Dritte, der betrieben wird, ist zwischen 19 und 30 Jahren alt.
Das sind die Gründe, weshalb wir Ihnen als die Minderheit der Kommission ganz klar in dieser ersten Phase die Annahme der Initiative von Herrn Rossini empfehlen; dies auch nicht zuletzt, weil verschiedene Motionen - auch meine Motion - eingereicht worden sind, die nach wie vor nicht behandelt sind. Wir müssen zum jetzigen Zeitpunkt den Druck auf den Bundesrat respektive das Parlament erhöhen.
Ich bitte Sie, dem Antrag der Minderheit zuzustimmen.
Verfahrensbeitrag
Abstimmung - Vote
Für Folgegeben .... 67 Stimmen
Dagegen .... 68 Stimmen