Parliamentary business: Postes fourre-tout? (02.5036)

02.5036

Postes fourre-tout?

Leuenberger Moritz · BR-M · Conseil fédéral · Zurich

BO 2002 N 157Der Umbau des Poststellennetzes folgt einer von der Post klar definierten Strategie. Als eine Variante prüft die Post im Einzelfall die Einrichtung von Filialen oder Agenturen. Die Übertragung der Postdienstleistungen an Filialen oder Agenturen in Einkaufsläden ist eine Möglichkeit für die Weiterführung von Poststellen und für die Aufrechterhaltung möglichst dezentraler Dienstleistungen.

Die Post ist im Rahmen ihres Auftrages der Grundversorgung zur Gleichbehandlung aller Bevölkerungskreise verpflichtet. Entsprechend sind die Bedürfnisse von behinderten und älteren Menschen auch in Filialen oder Agenturen gleichwertig zu berücksichtigen. Wie die Dienstleistungen der Post in den verschiedenen, neuen Formen der Zusammenarbeit präsentiert werden sollen, ist in Vereinbarungen mit den Geschäftsinhabern festgelegt. Im Zuge der Neueinführung wird es aber vermutlich nicht auszuschliessen sein, dass einzelne Händler ihren Laden noch nicht optimal umgestalten konnten. Die Post unternimmt diesbezüglich laufend weitere Anstrengungen.

Glasson Jean-Paul · Conseil national · Fribourg · Groupe radical-libéral

Monsieur le Conseiller fédéral, vous abordez un point de ma question, mais j'en soulève un autre, la présence dans des bureaux de poste existants d'un certain nombre de marchandises qui deviennent de plus en plus importantes. Maintenant, dans des bureaux existants - non pas dans des commerces -, on trouve des livres, de la papeterie, des bonbons, des cassettes, etc., si bien qu'on n'arrive pratiquement plus à entrer dans la poste ou à aller au guichet. C'est cette situation-là que je voulais mettre en évidence dans ma question. Il y a un certain paradoxe: on offre beaucoup de choses dans des bureaux de poste de grandes villes ou de villes où il y a des papeteries, des librairies, des commerces qui offrent des bonbons, tandis que dans des localités moins importantes, où il n'y a pas de commerces de ce type, on ne fait pas cette offre dans les bureaux de poste.

Leuenberger Moritz · BR-M · Conseil fédéral · Zurich

Es wäre für den Bedienungsablauf, für einen optimalen Service public, in der Tat von Nachteil, wenn die Kunden vor lauter angebotenen Produkten nicht mehr zum Hauptschalter vordringen könnten. Von daher ist es der Post ein grosses Anliegen, ihr erweitertes Angebot in einer Art und Weise anzubieten, die das Grundangebot - Ein- und Auszahlungen, Abgeben von Briefen, Verkaufen von Briefmarken - nicht entscheidend behindert. Wir sollten uns aber von der Auffassung lösen, dass die Post nur gerade im klassischen Sinne darin besteht, eine Schlange von Wartenden zu produzieren, deren "Bestandteile" nur gerade den Kauf von Briefmarken, die Abgabe von Briefen oder das Vorzeigen von Abholungseinladungen tätigen dürfen.

Ich habe schon zu Zeiten, als die Post noch Zeitungen verkaufte, immer wieder empörte Zuschriften von Leuten erhalten, die sich darüber aufregten, dass z. B. der "Blick"-Aushang mit einem obszönen Titel in der Post aufgehängt war. Interessanterweise haben sich diese Leute überhaupt nicht darüber aufgeregt, dass derselbe Aushang in der ganzen Schweiz an jedem Kiosk hing. Dass dieser indes in der Post hing, der sie eine gewisse ethisch geschärfte moralische Reinheit zuerkennen wollten, das hat sie aufgeregt.

Das hat dann eigentlich auch dazu geführt, dass dieses Geschäft, der Verkauf von Zeitungen, nicht gross rentiert hat. Im Grossen und Ganzen wird es jetzt ja wieder abgebaut. Aber die Produkte, die jetzt angeboten werden, sollen Produkte sein, die mit dem Postverkehr einen engen Zusammenhang haben, z. B. Couverts oder Briefpapier, damit man noch schnell etwas schreiben kann. Ich finde, es ist den Versuch wert, dass die Post dies macht. Wenn alteingesessene Papeterien durch dieses Angebot wirklich konkurrenziert und in ihrer Existenz bedroht würden, dann mangelte es ihnen ihrerseits an der notwendigen Flexibilität. Sie könnten ja z. B. schönes Briefpapier verkaufen, bemaltes Briefpapier, farbiges Briefpapier oder was eine Papeterie sonst noch alles anbieten kann. Die Post wird wahrscheinlich nicht diese ästhetische, kreative Ader haben. Ich befürchte, dort werden weisses Papier - vielleicht liniert, vielleicht "gehäuselt" - und bloss Kugelschreiber aus Plastik angeboten. Aber es liegt an der unternehmerischen Intelligenz und Innovation der Privatwirtschaft, sich dieser Herausforderung durch die Post zu stellen. Es ist einer privaten Papeterie umgekehrt nicht verboten, ihrerseits z. B. Briefmarken zu verkaufen, vielleicht andere Briefmarken, die anders gezähnt sind. Hier kann der befruchtende Geist des Wettbewerbes das Seine tun, damit wir alle glücklich werden.BO 2002 N 158