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De l'eau du robinet comme eau potable
Stahl Jürg · P-M · Conseil national · Zurich · Groupe de l'Union démocratique du Centre
BO 2017 N 702Präsident (Stahl Jürg, Präsident): Die Postulantin ist nicht anwesend. Die Spielregeln sind klar: Wer nicht hier im Saal ist, der spricht hier eben auch nicht. - Frau Munz ist unterdessen eingetroffen. Ich mache eine grosse Ausnahme: Frau Munz, Sie können jetzt gleich zu Ihrem Postulat sprechen.
Munz Martina · Mit-F · Conseil national · Schaffhouse · Groupe socialiste
Mit diesem Postulat soll der Bundesrat beauftragt werden, zu prüfen und darüber Bericht zu erstatten, wie der Bund innerhalb seiner Strukturen und bei Veranstaltungen so weit wie möglich Trinkwasser aus der öffentlichen Wasserversorgung anbieten kann. Das ist sicherlich nicht der wichtigste Vorstoss. Aber Sie können damit dennoch ein Zeichen setzen.
Das Schweizer Modell der öffentlichen Wasserversorgung gilt international als vorbildlich bezüglich Qualität, Effizienz und demokratischer Kontrolle. Mit dem Angebot von Leitungswasser als Trinkwasser erfährt dieser Service public eine Wertschätzung und kann zur Imagewerbung bezüglich Nachhaltigkeit genutzt werden.
Im Bundeshaus wird viel Wasser herumgeschleppt, dies durch die "echten" Wasserträgerinnen und Wasserträger: Die Weibelinnen und Weibel müssen für die Kommissionssitzungen unzählige Wasserflaschen aufstellen und wieder abräumen. Wir könnten ihnen die Arbeit erleichtern, wenn überall im Haus Trinkwasserbrunnen zur Selbstbedienung zur Verfügung stehen würden. Mein Vorstoss betrifft aber nicht nur das Bundeshaus. Vielmehr soll er den Trinkwasserkonsum der gesamten Bundesverwaltung und der mit ihr verbundenen Institutionen betreffen.
Leitungswasser steht überall in der Schweiz in hervorragender Qualität kostengünstig zur Verfügung. Trinkwasser aus dem Wasserhahn ist umweltschonend, stammt aus der Region und benötigt rund 450-mal weniger Energie als die Aufbereitung von Mineralwasser in der Flasche. Auch preislich ist dieses Trinkwasser attraktiv, kostet doch ein Liter Trinkwasser aus dem Wasserhahn durchschnittlich weniger als 0,2 Rappen.
Der Schweizerische Verein des Gas- und Wasserfaches gab eine Studie in Auftrag, in welcher Trinkwasser, Mineralwasser und andere Getränke in einer Ökobilanz untersucht und miteinander verglichen wurden. Die Untersuchung umfasste den gesamten Zyklus von der Wasserförderung bis hin zum Konsum. Beim direkten Vergleich von Leitungswasser mit ungekühltem Mineralwasser verursacht das Hahnenwasser nur einen Bruchteil der Umweltbelastung von Mineralwasser. Auch bei gekühltem und sprudelndem Wasser aus dem Hahnen betragen die Umweltbelastungen dieses Wassers nur ungefähr einen Achtel der Belastung des Mineralwassers.
Aus Umweltsicht ist es grundsätzlich zu empfehlen, Hahnenwasser als Getränk gegenüber Mineralwasser und anderen Getränken zu bevorzugen. Mit Blick auf den Gesamtkonsum trägt der Verzicht auf Mineralwasser kaum wesentlich zum Umweltschutz bei. Damit liesse sich gerade einmal ein halbes Prozent der Pro-Kopf-Umweltbelastung reduzieren. Dennoch, wenn die ganze Bundesverwaltung auf Leitungswasser umstellte, wäre das echt vorbildlich. Der Bund würde zum Botschafter für gesundes Trinkwasser, für den Service public Trinkwasser.
Der verlangte Bericht müsste aufzeigen, wie viel Geld ohne den Zukauf von Wasser gespart würde, wie viele Arbeitsstunden ohne das Schleppen von Wasser anders genutzt werden könnten und wie lange es dauern würde, bis sich die Anfangsinvestitionen für Trinkwasserbrunnen und -kühlsysteme und allenfalls auch CO2-Sprudel amortisieren würden. Die Stadt Bern als erste grössere Schweizer Stadt und die Universität Bern als erste Schweizer Hochschule sind als leuchtende Beispiele vorangegangen und der "Blue Community" beigetreten. "Blue Community" ist das Bekenntnis für den vorbildlichen Umgang mit Wasser. Diese Auszeichnung würde dem Bund gut anstehen.
Ich würde mich freuen, wenn Sie das Postulat gutheissen würden und der Bund zum Botschafter des Service public Trinkwasser würde.
Maurer Ueli · BR-M · Conseil fédéral · Zurich
Der Bundesrat vertritt die Auffassung, dass innerhalb der Bundesverwaltung genügend Leitungswasser zur Verfügung steht, um zu trinken. Es ist überall in entsprechender Qualität verfügbar. Wir haben auch ein entsprechendes Konzept für die Verpflegung in der Bundesverwaltung - das habe ich auch erst jetzt festgestellt. Dort wird auf 13 Seiten festgehalten, dass Leitungswasser zu bevorzugen ist und dass es überall gratis in ausreichender BO 2017 N 703 Menge zur Verfügung steht. Wir haben das Postulat eigentlich bereits erfüllt.
Hier im Bundeshaus sind Sie selber für die Trinkgewohnheiten des Parlamentes zuständig, ob Sie auf das Leitungswasser zurückgreifen oder auf die Flaschen, die da herumstehen. Der Bund handhabt es so, dass in einzelnen Bundesämtern nur Leitungswasser für die Mitarbeiter zur Verfügung steht, in anderen sind die Flaschencontainer, wie wir sie hier kennen, ebenfalls vorhanden.
Bei Anlässen handhabt der Bundesrat es so, dass bei offiziellen Anlässen, insbesondere auch mit ausländischen Besuchern, zusätzlich Mineralwasser in geschlossenen Flaschen auf dem Tisch steht, weil Leute, die aus anderen Ländern kommen, dann nicht aufgeklärt werden müssen und einfach Zugriff haben. Das gilt wie gesagt bei offiziellen Anlässen.
Den Beitritt zu "Blue Community" erachten wir als nicht notwendig, weil wir die Bedingungen eigentlich schon längst erfüllen und sie längst eine Selbstverständlichkeit sind. Im Wesentlichen sind das vier Grundsätze: Erstens anerkennen wir das Menschenrecht auf Wasser, damit haben wir keine Probleme; zweitens sollen Wasserdienstleistungen in öffentlicher Hand bleiben; drittens ist Leitungswasser anstelle von Flaschenwasser zu trinken - da üben wir keinen Zwang aus, empfehlen das aber -; viertens geht es um die Pflege von Partnerschaften mit internationalen Partnern, diesen Grundsatz pflegen wir in der Deza.
Ich denke also, dass wir diese Bedingungen erfüllen. Der Beitritt zu "Blue Community" ist aus unserer Sicht nicht notwendig. Wir unterstützen aber durchaus den Grundsatz, dass wir Leitungswasser trinken, weil wir in der Schweiz gutes Wasser haben und uns auch dazu bekennen können.
Eine Annahme des Postulates ist jedoch aus unserer Sicht nicht notwendig.
Vote
Präsident (Stahl Jürg, Präsident): Der Bundesrat beantragt, das Postulat abzulehnen.
| Group | Yes | No | Abst. |
|---|---|---|---|
| Groupe de l'Union démocratique du Centre | 0 (0 %) | 64 (100 %) | 0 (0 %) |
| Groupe socialiste | 39 (100 %) | 0 (0 %) | 0 (0 %) |
| Groupe libéral-radical | 0 (0 %) | 32 (100 %) | 0 (0 %) |
| Groupe PDC | 0 (0 %) | 30 (100 %) | 0 (0 %) |
| Groupe des VERT-E-S | 12 (100 %) | 0 (0 %) | 0 (0 %) |
| Groupe vert'libéral | 0 (0 %) | 6 (100 %) | 0 (0 %) |
| Groupe bourgeois-démocratique | 0 (0 %) | 7 (100 %) | 0 (0 %) |
| Total | 51 (27 %) | 139 (73 %) | 0 (0 %) |
Yes: Adopt the postulate
No: Reject the postulate