16.430

Den Majestätsbeleidigungs-Artikel 296 StGB aufheben

Carobbio Guscetti Marina · P-F · Nationalrat · Tessin · Sozialdemokratische Fraktion

Antrag der Mehrheit

Die Initiative abschreiben

Antrag der Minderheit

(Flach, Aebischer Matthias, Arslan, Fehlmann Rielle, Guhl, Marti Min Li, Mazzone, Naef, Wasserfallen Flavia)

Die Behandlungsfrist verlängern

Proposition de la majorité

Classer l'initiative

Proposition de la minorité

(Flach, Aebischer Matthias, Arslan, Fehlmann Rielle, Guhl, Marti Min Li, Mazzone, Naef, Wasserfallen Flavia)

Proroger le délai de traitement

La presidente (Carobbio Guscetti Marina, presidente): Avete ricevuto un rapporto scritto della commissione.

Tuena Mauro · Mit-M · Nationalrat · Zürich · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei

Ursprünglich war es die Kommission für Rechtsfragen dieses Rates, die dieser parlamentarischen Initiative Folge gab. Die Kommission für Rechtsfragen des Ständerates hat diesem Beschluss dann am 14. August 2017 zugestimmt. Die Artikel 296 bis 298 des Strafgesetzbuchs sind in der Praxis allerdings nicht von Bedeutung, denn es gibt kaum Verurteilungen.

Ihre Kommission und die Kommission für Rechtsfragen des Ständerates haben im Jahr 2011 das Verhältnis von Artikel 296 StGB zur Meinungsäusserungsfreiheit geprüft. Beide Kommissionen kamen damals zum Schluss, dass Artikel 296 die Meinungsäusserungsfreiheit nicht unverhältnismässig einschränke. Es geht nämlich in diesem Artikel weder um den Schutz von eigenen noch um den Schutz von fremden Staatsoberhäuptern. Artikel 296 steht unter dem Sechzehnten Titel, "Störung der Beziehungen zum Ausland". Er bezweckt also den Schutz von aussenpolitischen Interessen der Schweiz. Wenn Personen beleidigt werden, kommen zusätzlich die Bestimmungen zu den Ehrverletzungsdelikten zur Anwendung, wie dies übrigens der Fall Erdogan versus Böhmermann in Deutschland klar gezeigt hat.

Die Kommission für Rechtsfragen des Nationalrates ist mit Stichentscheid des Präsidenten der Auffassung, dass aus diesen Gründen die parlamentarische Initiative heute abgeschrieben werden kann.

Eine Kommissionsminderheit beantragt diesem Rat eine Fristverlängerung um zwei Jahre.

Ich möchte Sie bitten, heute die parlamentarische Initiative Flach 16.430, "Den Majestätsbeleidigungs-Artikel 296 StGB aufheben", gemäss dem Mehrheitsbeschluss abzuschreiben.

Bauer Philippe · Mit-M · Nationalrat · Neuenburg · FDP-Liberale Fraktion

Le crime de lèse-majesté est réprimé par l'article 296 du Code pénal. Cette disposition ne vise toutefois pas à réprimer une atteinte à l'honneur mais fait partie d'un chapitre consacré aux relations avec l'étranger.

Petite chronologie: le 6 avril 2017, votre Commission des affaires juridiques a accepté, lors de l'examen préalable, de donner suite à l'initiative parlementaire Flach, "Lèse-majesté. Abroger l'article 296 du Code pénal". Les motifs de l'auteur de l'initiative étaient fondés, après une affaire s'étant déroulée en Allemagne et les soubresauts de l'affaire Kadhafi, sur le fait qu'il n'y avait aucune raison de privilégier les Etats face aux citoyennes et aux citoyens de notre pays ou étrangers.

Après que la commission du Conseil des Etats eut aussi accepté de donner suite à cette initiative, notre commission a demandé à l'Office fédéral de la justice un document de travail présentant diverses solutions. Début 2019, les représentants dudit office, après avoir rappelé que la question avait déjà été discutée en 2011 au Parlement, après aussi avoir rappelé que, d'une manière générale, la liberté d'expression n'était pas mise en péril par l'infraction d'outrage aux Etats étrangers, ont admis qu'il serait possible d'abroger l'article 296 du Code pénal.

Une autre proposition était d'abroger tout le chapitre des infractions susceptibles de compromettre les relations avec l'étranger, étant entendu que l'étranger, en l'occurrence, signifie aussi les organisations internationales dont le siège est en Suisse. L'Office fédéral de la justice rappelait aussi que la Direction du droit international public, proposait quant à elle à votre commission de ne pas biffer ces dispositions, dans la mesure où elles visent notamment à protéger l'indépendance des organisations internationales ayant leur siège en Suisse. Selon la direction précitée, une abrogation de l'article 296 du Code pénal serait susceptible de donner un mauvais signal à ces organisations.

Le délai de traitement de l'initiative parlementaire étant échu, deux solutions s'offraient dès lors à la commission: soit prolonger encore une fois le délai de traitement, comme la minorité le souhaite, soit proposer de classer l'initiative en faisant siennes les conclusions de la Direction du droit international public. C'est cette deuxième option que la commission a choisie, par 11 voix contre 11 avec la voix prépondérante du président. Je vous remercie d'en faire de même.

Flach Beat · Mit-M · Nationalrat · Aargau · Grünliberale Fraktion

In Artikel 8 Absatz 1 unserer Bundesverfassung steht: "Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich." Mit der Abschaffung von Artikel 296 des Strafgesetzbuches würden wir eigentlich einfach der Bundesverfassung folgen. Denn wo liegt heute der Schutz, den wir mit diesem Artikel im Strafgesetzbuch aufrechterhalten? Wen schützen wir damit? Wir schützen damit Diktatoren, beispielsweise Gaddafi, der damals gesagt hat, er wolle die Schweiz aufteilen, an die Nachbarstaaten verteilen. Wir schützen damit Könige oder Diktatoren, die in anderen Ländern Journalisten umbringen lassen. Wir schützen damit Diktatoren, die Wahlen verfälschen. Wir schützen damit eigentlich alles solche Leute, die auf unsere demokratischen Rechte, auf unseren Rechtsstaat und auf unsere Sicht, wie Gerechtigkeit vonstattengehen soll, pfeifen - auf Deutsch gesagt.

Jetzt geht es hier eigentlich auch nur darum, dass wir eine Fristverlängerung beschliessen, denn schliesslich haben die Kommission für Rechtsfragen des Nationalrates und auch die Kommission für Rechtsfragen des Ständerates dieser parlamentarischen Initiative schon einmal Folge gegeben.

Ich bitte Sie, der Fristverlängerung stattzugeben, auch eingedenk der Tatsache, dass der Entscheid der Kommission nicht sehr deutlich war; die Fristverlängerung wurde nämlich mit Stichentscheid des Präsidenten abgelehnt. Letztlich machen wir ja auch Gesetze für die Zukunft, und es reicht nicht aus, dass wir uns jetzt einfach zurücklehnen und sagen: Ja, diese Geschichten sind jetzt vorbei, die gibt es nicht mehr. Es wird in Zukunft vermehrt wieder solche Anliegen von Staatsoberhäuptern geben, die sich beleidigt fühlen und die Schweiz in Geiselhaft nehmen wollen. Und wenn wir hier in diesem Saal auch diese Woche schon wieder öfters gehört haben, dass man sich von fremden Staaten nicht auf der Nase herumtanzen lassen solle, dann sollte das erst recht für Staatsoberhäupter, Majestäten gelten, die in keinster Art und Weise demokratisch gewählt worden sind, aber versuchen, auf uns Druck auszuüben und uns mittels dieser Majestätsbeleidigungs-Tatbestände unter Druck zu setzen.

Ich bitte Sie, der Fristverlängerung und der Minderheit zuzustimmen.

Carobbio Guscetti Marina · P-F · Nationalrat · Tessin · Sozialdemokratische Fraktion

La presidente (Carobbio Guscetti Marina, presidente): La commissione chiede di togliere dal ruolo l'iniziativa. Una minoranza Flach propone di respingere lo stralcio dal ruolo e di prorogare di due anni il termine per l'attuazione dell'iniziativa, vale a dire fino alla sessione estiva 2021.

Abstimmung

Abstimmung - Vote

Für den Antrag der Mehrheit ... 99 Stimmen

Für den Antrag der Minderheit ... 92 Stimmen

(0 Enthaltungen)