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Kurzsichtigkeit bei Kindern
Feri Yvonne · Mit-F · Nationalrat · Aargau · Sozialdemokratische Fraktion
Wir setzen uns nun mit einer Problematik auseinander, die mir wirklich Sorge bereitet: mit der zunehmenden Kurzsichtigkeit bei Kindern. Die Stellungnahme des Bundesrates zu meinem Postulat konnte mir meine Sorgen nicht nehmen. Ich bin deshalb sehr froh, dass wir uns heute einen Moment Zeit nehmen, um über dieses ernsthafte Problem der Volksgesundheit zu diskutieren. Natürlich hoffe ich, dass wir heute mit der Annahme des Postulates die gezielte Bekämpfung von Kurzsichtigkeit bei Kindern in der Schweiz beschliessen.
Die Wissenschaft schlägt Alarm, weil die Kurzsichtigkeit bei Kindern, über lange Zeiträume betrachtet, zunimmt. Wissenschafterinnen und Wissenschafter befürchten, dass im Jahr 2050 die Hälfte der Weltbevölkerung kurzsichtig sein wird. Sie können nun entgegnen, dass Kurzsichtigkeit dank Brillen und Kontaktlinsen kein Problem sei, und dabei auf ihre eigene Kurzsichtigkeit verweisen. So einfach ist es leider nicht. Je früher die Kurzsichtigkeit auftritt, desto grösser ist die Gefahr einer starken Kurzsichtigkeit, die das Sehvermögen ernsthaft bedroht.
Kurzsichtigkeit entsteht, wenn der Augapfel zu sehr in die Länge wächst, vor allem zwischen dem 6. und 18. Lebensjahr. Bei einem starken Längenwachstum des Augapfels wird das Sehorgan dünnwandiger und dadurch anfälliger für gravierende Schäden bis hin zur Erblindung. Es gibt gemäss wissenschaftlichen Erkenntnissen zwei Hauptgründe für ein solch übermässiges Wachstum des Augapfels in der Kindheit: Mangel an Tageslicht und intensive Nahsichttätigkeit. Sie fragen sich vielleicht, wieso Tageslicht fürs Auge besser ist. Das ist einfach zu beantworten: Tageslicht ist deutlich intensiver und heller, dadurch wird das Längenwachstum des Augapfels im Kindesalter gehemmt.
Vielleicht sind Sie während der Corona-Krise auf Medienberichte zu Kurzsichtigkeit bei Kindern gestossen. Die Problematik der zunehmenden Kurzsichtigkeit bei Kindern wurde nämlich während der Covid-19-Krise von den Medien aufgegriffen, da Lockdowns und Homeschooling dazu führten, dass Kinder noch weniger Zeit draussen und noch mehr Zeit vor Bildschirmen verbrachten. Die Kurzsichtigkeit ist aber kein Corona-Problem, es gab sie bereits vorher, und sie wird mit dem Abnehmen der Pandemie auch nicht verschwinden.
Die gute Nachricht ist, dass es evidenzbasierte Erkenntnisse dazu gibt, wie der Kurzsichtigkeit bei Kindern wirksam begegnet werden kann. Wenn Kinder täglich draussen spielen, am besten zwei Stunden, reduziert sich ihr Risiko, kurzsichtig zu werden, bereits massiv. Es gilt nun herauszufinden, welche Rahmenbedingungen wie verändert werden müssen, damit Kinder auch tatsächlich wieder mehr Zeit draussen verbringen können. Regelmässige Schulpausen im Freien, Schulunterricht draussen, ein späterer Schulbeginn und gezielte Förderung von Spielplätzen sind mögliche Massnahmen. Auch gute Lichtverhältnisse in Schulzimmern sind wichtig.
Ein Modell für eine gute Prävention von Kurzsichtigkeit bietet Norwegen, denn in Norwegen gibt es gemäss einer Studie aus dem Jahr 2018 sehr wenig Kurzsichtigkeit bei Kindern.
Noch fehlt bei vielen Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern das Bewusstsein für die grosse Bedeutung von Tageslicht für junge Organismen. Die Problematik der Kurzsichtigkeit kann nicht en passant mit Massnahmen für mehr Bewegung und für einen verbesserten Medienschutz beseitigt werden. Nein, es braucht gezielte Massnahmen; davon bin ich überzeugt. Wie soll unter anderem die Nationale Strategie zur Prävention nichtübertragbarer Krankheiten eine Lösung für ein so gewichtiges Problem wie die Kurzsichtigkeit bieten, wenn diese in der Strategie nicht oder kaum erwähnt wird?
Ich hoffe, ich habe Sie mit meiner kurzen Auslegeordnung davon überzeugt, dass ein grosser Handlungsbedarf bezüglich Kurzsichtigkeit bei Kindern besteht und dass die Schweiz noch viel zu wenig gegen Kurzsichtigkeit bei Kindern tut. Mit der Annahme meines Postulates können wir heute gemeinsam etwas für gesunde Augen bei Kindern tun.
Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit und Ihr Ja zu meinem Vorstoss.
Herzog Verena · Mit-F · Nationalrat · Thurgau · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei
Liebe Kollegin Feri, denken Sie nicht auch, dass es vor allem eine Aufgabe der Eltern ist, zu schauen, dass die Kinder genügend im Freien sind und dass der Medienkonsum nicht immer noch weiter zunimmt? Denken Sie nicht auch, dass wir da vonseiten des Parlamentes eigentlich ziemlich machtlos sind?
Feri Yvonne · Mit-F · Nationalrat · Aargau · Sozialdemokratische Fraktion
Danke, liebe Kollegin, für diese Frage. Es geht ja hier um ein Postulat. Aufgrund des Berichtes hätten wir dann Erkenntnisse, was genau verändert werden könnte und müsste. Allenfalls sind dann auch die Eltern in der Verantwortung. Aber es gibt auch strukturelle Probleme, die zu Kurzsichtigkeit bei Kindern führen.
Berset Alain · VPBR-M · Bundesrat · Freiburg
Par ce postulat, Mme Feri demande l'élaboration d'une étude qui fournirait des données sur la myopie des enfants en Suisse. Nous savons déjà, aujourd'hui, que la prévention de la myopie repose sur des mesures assez simples, consistant essentiellement à passer plus de temps dehors et moins devant des écrans.
Nous sommes bien conscients du fait que les deux années qui viennent de s'écouler, avec la pandémie, ont certainement aggravé la problématique, avec l'enseignement à distance qui est par définition du travail sur écran, et avec les quarantaines et les isolements qui sont par définition des moments où l'on utilise plus facilement des écrans. Cela a probablement aggravé la situation et pose certainement un problème complémentaire.
Néanmoins, le Conseil fédéral reste de l'avis qu'il n'est pas nécessaire de réaliser une étude ni d'élaborer une stratégie contre la myopie, parce que nous avons aujourd'hui déjà des services médicoscolaires qui collectent des informations sur l'acuité visuelle. Ce travail se fait déjà, avec des informations qui se trouvent là où elles sont le plus utiles. Il existe également différentes stratégies et différents programmes qui contribuent à ce que les enfants passent plus de temps dehors et moins devant les écrans.
Je vous parle ici de la stratégie nationale "Prévention des maladies non transmissibles", qui va dans ce sens. Nous avons également un programme important de l'Office fédéral des assurances sociales pour promouvoir les compétences médiatiques des jeunes, en leur proposant une offre variée. La Confédération soutient en outre des offres dans le domaine de l'éducation et de la promotion de l'activité physique et du sport, qui est aussi un élément important à prendre en considération.
Avec ces arguments, soit que les services médicoscolaires collectent déjà ces informations et que des efforts sont déjà réalisés par la Confédération, je vous invite à rejeter ce postulat.
Abstimmung
Präsidentin (Kälin Irène, Präsidentin): Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulates.
Abstimmung - Vote
Für Annahme des Postulates ... 80 Stimmen
Dagegen ... 108 Stimmen
(1 Enthaltung)
Schluss der Sitzung um 18.50 Uhr
La séance est levée à 18 h 50