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Energieverschwendung beim Betrieb ohne Nutzen
Egger Kurt · Mit-M · Nationalrat · Thurgau · Grüne Fraktion
Bei dem vorliegenden Postulat geht es um Energieeffizienz. Es geht um Energiesparen, und es geht sogar um Energiesparen zum Nulltarif. Die günstigste und umweltfreundlichste Kilowattstunde ist bekanntlich jene, die nicht verbraucht wird. Das Postulat verlangt vom Bundesrat einen Bericht, der das Potenzial des Energiesparens beim "Betrieb ohne Nutzen", wie das so schön heisst, erfasst und der Massnahmenvorschläge und Anreizmechanismen zu dessen Vermeidung unterbreitet.
Wie der Name sagt, geht es beim Betrieb ohne Nutzen um Geräte und Anlagen, die in Betrieb stehen und dabei keinen Nutzen haben. Das können Lüftungsanlagen sein, die während der Nacht laufen, Drucker, die dauernd eingestellt sind, Beleuchtungen, die eingestellt sind, obwohl niemand im Raum ist, oder Motoren, die im Leerlauf laufen. Das Sparpotenzial bei dieser Energieverschwendung ist gross. Das Bundesamt für Energie hat bereits 2009 erste Untersuchungen angestellt und Dienstleistungsgebäude untersucht. Danach könnten alleine bei Dienstleistungsgebäuden etwa 2,4 Terawattstunden Strom pro Jahr eingespart werden. Wenn wir jetzt zu diesen Dienstleistungsgebäuden noch Schul- und Gewerbebauten dazuzählen, ist das Potenzial drei- oder viermal höher; da kommen wir plötzlich zu einer Stromverbrauchsreduktion um mindestens 20 Prozent, und das alles praktisch ohne Kosten. 20 Prozent sind weit mehr, als durch die viel beschworene Winterstromlücke, die von einigen hier im Saal vorausgesagt wird, fehlen würde.
Auf ähnliche Resultate kommt eine Studie der Stadt Zürich aus dem Jahre 2011; das ist auch schon zehn Jahre her. Da wurde der Stromverbrauch in städtischen Bauten, in der Verwaltung, in Schulen und in der Pflege untersucht. Dabei zeigte sich, dass mehr als die Hälfte des Stromverbrauchs ausserhalb der Nutzungszeiten, also vor allem nachts, lag. Das wird als untrügliches Zeichen dafür gewertet, dass sehr viel Strom ungenutzt verbraucht wird.
Schliesslich weist auch der BFE-Bericht zum Stromverbrauch vom Mai 2021, ganz jung, darauf hin, dass das Effizienzpotenzial bei Weitem noch nicht ausgeschöpft ist. Hier wird als Hemmnis für die heute noch unzureichende Ausnützung unter anderem die Unwissenheit der Akteure genannt. Diese Unwissenheit muss nun behoben werden. Zur Elimination dieser Unwissenheit gibt es auch bereits Erfahrungen in der Schweiz. Ich möchte hier das Effizienzprogramm Eco 21 der Services industriels de Genève (SIG) erwähnen. Sie informieren und sensibilisieren ihre Kunden gezielt, schicken Energieberaterinnen vor Ort, die den Kunden die Lücken aufzeigen. Mit diesem Effizienzprogramm kann die SIG den gesamten Stromkonsum um jährlich fast 1 Prozent reduzieren. Es gäbe auch andere Anreize, z. B. die verstärkte Weiterbildung oder die Unterstützung von Instrumenten wie dem Energiespar-Contracting.
Es ist also höchste Zeit, dass wir unseren Strom effizienter nutzen. Die Steigerung der Energieeffizienz ist ein ganz wesentlicher Pfeiler für die Erreichung der Ziele der Energiestrategie 2050.
Der Bundesrat beantragt, das Postulat anzunehmen, und ich bitte Sie dringendst, dies auch zu tun.
Candinas Martin · 1VP-M · Nationalrat · Graubünden · Die Mitte-Fraktion. Die Mitte. EVP.
President (Candinas Martin, emprim vicepresident): (discurra sursilvan) Il postulat vegn cumbattì da signur Hess Erich.
Hess Erich · Mit-M · Nationalrat · Bern · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei
Was erreichen wir mit diesem Vorstoss? Wir erreichen mit diesem Postulat einzig und allein, dass die Verwaltung unnötig beschäftigt wird.
Herr Nationalrat Egger Kurt beruft sich auf einen Bericht aus dem Jahr 2009. Nach der Erhebung dieser Zahlen sind mittlerweile bereits mehr als fünfzehn Jahre ins Land gezogen. Sprich: Diese Zahlen sind bei Weitem nicht mehr so tragisch, wie das anno dazumal der Fall gewesen ist.
Sie alle, die in den letzten paar Jahren gebaut oder Geräte erneuert haben, wissen, dass die neuen Geräte viel weniger Strom brauchen. Wenn heute Geräte auf Standby laufen, brauchen sie nur noch einen Bruchteil dessen, was vor fünfzehn Jahren hierfür an Strom verbraucht wurde. Das kann man ja schon beim eigenen Bürodrucker beobachten: Ein neueres Gerät schaltet alle Funktionen runter, wenn es nicht gebraucht wird, während die Funktionen erst wieder hochgefahren werden, wenn es vom Computer einen entsprechenden Befehl erhält. So verhält es sich auch bei der Beleuchtung. Vor fünfzehn Jahren war LED noch nicht weitverbreitet. Ausserdem schalten sich die LED-Beleuchtungen erst dann ein, wenn man sie benötigt.
Unter dem Strich werden hier wahrscheinlich wieder unnötige Gesetze und Vorschriften für die gesamte Bevölkerung produziert. Ich bin mir aber sehr sicher, dass die Bevölkerung, sprich die Privatpersonen, wie die Unternehmen daran interessiert sind, den Stromverbrauch zu senken. Ich weiss, dass die Unternehmen dies auf jeden Fall tun. Die Privatpersonen tun das auch, und dies umso mehr, als die Strompreise jetzt steigen, sodass der Druck nochmals zunimmt.
Deshalb bitte ich Sie, dieses Postulat abzulehnen. Die Wirtschaft ist bereits tätig, die Privatpersonen tun dies ebenfalls. Insofern führt das nur zu Aufwand ohne Ertrag.
Nur noch eine kurze Bemerkung: Die Verwaltung sollte sich besser damit beschäftigen, herauszufinden, wo man in Zukunft zusätzlichen Strom hernehmen kann, anstatt sich um den Stromverbrauch zu kümmern. Dieser wird nämlich automatisch zurückgehen.
Sommaruga Simonetta · BR-F · Bundesrat · Bern
Herr Nationalrat Hess hat es gesagt, zum Betrieb ohne Nutzen wurde letztes Mal im Jahr 2009 eine Übersichtsstudie durch den Bund publiziert. Wenn man wissen will, wie die Situation heute aussieht, und wenn man wissen will, welche Möglichkeiten wir heute haben, dann muss man auch die Ausgangslage kennen. Deshalb ist der Bundesrat bereit, nach einer doch beträchtlich langen Zeit wieder die aktuelle Situation anzuschauen. Ich bin der Meinung, dass die Firmen, auch die Privathaushalte daran interessiert sind, Strom zu sparen, vor allem dort, wo dieser nicht einmal einen Nutzen bringt. Ich denke, dass es auch gut ist, wenn man die Tatsachen hier kennt, wenn man weiss, wo heute die Stromfresser sind. Vielleicht sind sie eben nicht mehr am gleichen Ort wie vor zehn oder zwölf Jahren. Zu wissen, wo man am besten ansetzen kann, um die Stromverschwendung zu verringern, ist eigentlich im Interesse von allen, aus ökonomischen Gründen, aber natürlich auch wegen der Frage der Versorgung.
Wir sind also bereit, dieses Postulat entgegenzunehmen, weil wir der Meinung sind, dass eine sehr lange Zeit vergangen ist und sich eben tatsächlich viel verändert hat. Die Bevölkerung, aber auch die Wirtschaft soll sich auf aktualisierte Zahlen stützen und auch neue Überlegungen machen können. Das ist von Nutzen für alle, die unter anderem Geld sparen wollen, indem sie am richtigen Ort ansetzen.
Sie müssen sich keine Sorgen machen, Herr Nationalrat Hess, der Bundesrat arbeitet jetzt genauso intensiv daran, die zusätzliche einheimische Stromproduktion zu befördern. Wir haben ja eigentlich bereits ein paar Entscheide gefällt. Sie haben das Energiegesetz angenommen, und der Ständerat ist jetzt bereits ein Jahr daran, den Mantelerlass, das Stromversorgungsgesetz, zu beraten. Wir sind froh, wenn es dort auch vorwärtsgeht, weil es gerade bei diesem Gesetz darum geht, wie wir zu zusätzlichem Winterstrom, zu sicher abrufbarer Energie im Winter kommen. Es sind vorerst 2 Terawattstunden vorgesehen, aber es wird noch mehr brauchen.
Ich glaube, die Grundlage der gesetzlichen Arbeiten ist gemacht worden. Wir sind froh, wenn jetzt auch im Parlament die entsprechenden Massnahmen rasch beraten werden, damit wir beim Ausbau der einheimischen Energien rascher vorwärtskommen als bisher.
Abstimmung
Präsidentin (Kälin Irène, Präsidentin): Der Bundesrat beantragt die Annahme des Postulates.
Abstimmung - Vote
Für Annahme des Postulates ... 134 Stimmen
Dagegen ... 51 Stimmen
(1 Enthaltung)