22.4278

Unterstützung der iranischen Zivilgesellschaft

Nussbaumer Eric · P-M · Nationalrat · Basel-Landschaft · Sozialdemokratische Fraktion

Antrag der Mehrheit

Zustimmung zur Änderung

Antrag der Minderheit

(Rüegger, Büchel Roland, Calame, Grüter, Haab, Marchesi, Page, Reimann Lukas, Vontobel)

Ablehnung der Motion

Proposition de la majorité

Approuver la modification

Proposition de la minorité

(Rüegger, Büchel Roland, Calame, Grüter, Haab, Marchesi, Page, Reimann Lukas, Vontobel)

Rejeter la motion

Präsident (Nussbaumer Eric, Präsident): Sie haben einen schriftlichen Bericht der Kommission erhalten.

Molina Fabian · Mit-M · Nationalrat · Zürich · Sozialdemokratische Fraktion

An ihrer Sitzung vom 29. und 30. April 2024 hat sich Ihre Aussenpolitische Kommission erneut mit der Motion 22.4278, "Unterstützung der iranischen Zivilgesellschaft", befasst und mit 15 zu 9 Stimmen entschieden, die Motion in ihrer abgeänderten Fassung gemäss dem Beschluss des Ständerates anzunehmen. Der Bundesrat soll mit der Motion beauftragt werden, Massnahmen - soweit sinnvoll und angemessen - zu ergreifen, um die iranische Zivilgesellschaft in ihrem Kampf für Frauen- und Menschenrechte zu unterstützen. Der Nationalrat hatte der ursprünglichen Motion angesichts der anhaltenden dramatischen Menschenrechtssituation im Iran in der Frühjahrssession mit 105 zu 65 Stimmen bei 4 Enthaltungen zugestimmt.

Nach der Ermordung der 22-jährigen iranischen Kurdin Jina Mahsa Amini am 16. September 2022 in Teheran erlebte das Land eine beispiellose Protestbewegung. Seit der islamischen Revolution 1979 hat es keinen vergleichbaren Aufstand gegen die herrschende autoritäre Ordnung und für Freiheit, Menschen- und Frauenrechte, soziale Gerechtigkeit und Demokratie gegeben. Die Freiheitsbewegung hält trotz massiver Repression und der Ermordung von Tausenden Menschenrechtsaktivistinnen und -aktivisten weiter an.

Der Nationalrat hat die exzessive Gewalt der Regierung der Islamischen Republik Iran gegen die iranische Zivilbevölkerung, insbesondere gegen Frauen, bereits am 27. Februar 2023 in der Erklärung 23.020, "Für Menschenrechte und Demokratie im Iran", aufs Schärfste verurteilt. Er hat den Bundesrat aufgefordert, die EU-Sanktionen gegen den Iran zu übernehmen und insbesondere die vom UNO-Menschenrechtsrat beschlossene "fact-finding mission" zu unterstützen. Diese Erklärung behält unabhängig von der Motion ihre Wichtigkeit als Ausdruck der Solidarität des Nationalrates mit dem Freiheitskampf des iranischen Volkes.

Der Ständerat nahm die vorliegende Motion am 28. September 2023 in veränderter Version ebenfalls an. Der Ständerat beschloss dabei, auf den expliziten Auftrag nach einer Übernahme der EU-Sanktionen gegen den Iran zu verzichten, da dies aus Sicht einer Mehrheit der kleinen Kammer die besondere Rolle der Schweiz, die unser Land dank dem Schutzmachtmandat für die USA und weitere Staaten im Iran innehat, in Gefahr bringen würde.

Die APK-N beantragt Ihnen nun, der veränderten Version des Ständerates im Sinne eines Kompromisses zuzustimmen. Eine Minderheit ist zwar der Meinung, dass die Schweiz sich aus neutralitätspolitischen Gründen gar nicht zur Lage im Iran positionieren soll. Für die Mehrheit Ihrer APK bleibt es aber zentral, dass die Schweiz sich aktiv für den Schutz der Menschen- und insbesondere der Frauenrechte einsetzt. Die guten Dienste entbinden unser Land nicht davon, sich gleichzeitig immer und überall glaubwürdig für den in Artikel 54 der Bundesverfassung verankerten Schutz der Menschenrechte einzusetzen.

Ihre Kommission ist ausserdem der Meinung, dass die Motion dem Bundesrat eine wichtige Grundlage für den Schutz iranischer Dissidenten und Menschenrechtsaktivistinnen und -aktivisten vor transnationaler Repression in der Schweiz bietet und dass sich der Bundesrat dieses Themas annehmen muss. Schliesslich ist Ihre Kommission davon überzeugt, dass sich die Schweiz angesichts der geopolitischen Lage und insbesondere der grossen Spannungen in der Region klar für den Erhalt der regelbasierten Ordnung einsetzen und sich der iranischen Destabilisierung entgegenstellen muss.

Aus diesem Grund bitte ich Sie im Namen der Mehrheit Ihrer Kommission, die Motion zu unterstützen.

Bulliard-Marbach Christine · Mit-F · Nationalrat · Freiburg · Die Mitte-Fraktion. Die Mitte. EVP.

Au nom de votre Commission de politique extérieure, je rends compte aujourd'hui de la motion de votre commission, "Soutien à la société civile iranienne".

Cette intervention a été déposée dans notre conseil le 22 novembre 2022, dans un contexte de manifestations civiles en faveur des droits humains, des droits des femmes et de la liberté d'expression. Ces événements ont touché l'Iran après la mort d'une jeune femme placée en garde à vue. Les autorités iraniennes ont répondu à ces protestations par une répression violente. D'innombrables manifestantes et manifestants ont été placés en détention. Plusieurs centaines de personnes ont perdu la vie. A plusieurs reprises, le régime a également prononcé la peine de mort contre des protestataires.

Dans sa déclaration en faveur des droits humains et de la démocratie en Iran, en février 2023, notre conseil a appelé à ce que la brutalité dont fait preuve l'Etat à l'encontre des manifestantes et des manifestants cesse immédiatement.

En parallèle, votre commission a demandé au Conseil fédéral, par sa motion, de soutenir la société civile iranienne dans sa lutte en faveur des droits des femmes et des droits humains. En outre, le Conseil fédéral a été invité à reprendre toutes les sanctions imposées par l'Union européenne à l'encontre des membres du régime iranien en raison de violations des droits humains en Iran.

L'intervention a été adoptée par notre conseil le 9 mars 2023, par 105 voix contre 65 et 4 abstentions. Le Conseil des Etats a également adopté la motion, le 28 septembre 2023, mais dans une forme modifiée. Cette dernière ne comporte pas la deuxième exigence de la motion qui consiste à charger le Conseil fédéral de reprendre intégralement les sanctions de l'Union européenne contre les membres du régime.

La majorité de votre commission souhaite soutenir la société civile iranienne dans sa lutte pour les droits des femmes et les droits humains. Elle rappelle l'oppression continue à l'encontre des femmes et des protestataires en Iran ainsi que l'importante responsabilité de la Suisse dans le domaine des droits humains. La commission estime que le mouvement iranien pour la liberté, la protection des droits humains fondamentaux et la promotion de la démocratie en Iran mérite le soutien actif de la Suisse.

Le Conseil fédéral doit profiter des bonnes relations et de l'accès privilégié aux autorités iraniennes dont bénéficie la Suisse et, lorsque cela est possible et judicieux, il doit prendre des mesures pour soutenir la société civile iranienne. En parallèle, l'exercice des différents mandats de puissance protectrice et les bonnes relations diplomatiques de la Suisse ne doivent pas être mis en danger. Toutefois, la minorité Rüegger est d'avis que l'adoption de la motion mettrait inutilement en péril la bonne réputation de la Suisse en tant qu'Etat neutre, ayant divers mandats de puissance protectrice en Iran et pour l'Iran. Selon elle, les bonnes relations diplomatiques de la Suisse devraient être entretenues et utilisées pour aborder les violations des droits humains. La minorité estime que les activités menées jusqu'à présent par le Conseil fédéral sont suffisantes et considère que la motion est inutile, voire contre-productive pour la promotion des droits humains.

La commission a finalement adopté la motion modifiée par 15 voix contre 9, renonçant ainsi à la deuxième exigence formulée dans la motion concernant la reprise intégrale des sanctions de l'Union européenne contre les membres du régime iranien.

Au nom de votre commission, je vous demande de suivre sa majorité et d'adopter la motion modifiée conformément à la décision du Conseil des Etats.

Rüegger Monika · Mit-F · Nationalrat · Obwalden · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei

Die Situation im Iran ist uns weitgehend bekannt, Menschenrechtsverletzungen sind an der Tagesordnung, in Bezug auf Menschenrechte herrschen katastrophale Situationen. Mit dem Scharia-Recht haben Frauen im Iran kaum Rechte, werden diskriminiert, unterdrückt, gefoltert. Nicht nur Frauen, auch Männer, die sich nicht dem Willen des Staatsregimes unterwerfen, erfahren oft Folter bis hin zum Tod - für uns unvorstellbar.

Ich verstehe jeden Mann und jede Frau, der oder die reflexartig alles Erdenkliche unternehmen möchte, um dieses für uns menschenverachtende iranische Regime zum Stoppen zu bringen. Gerade deswegen war das Burkaverbot in der Schweiz so wichtig, um zu zeigen, dass solche frauenverachtenden Symbole keinen Platz in der freiheitlichen Gesellschaft haben.

Als neutralem Land und aufgrund unseres Schutzmachtmandats für die USA kommt der Schweiz gegenüber dem Iran eine besondere Rolle zu. Dank dem Schutzmachtmandat ist die Schweiz das einzige westliche Land, das noch einen direkten Draht zum Iran hat, noch einen aktiven Dialog mit dem Iran führt. Menschenrechtsverletzungen können gezielt im Dialog angesprochen werden, dies aber nicht, wenn der Austausch, der Dialog, die noch einzige Verbindungstür versperrt wird. Es wäre naiv, zu glauben, dass die Menschenrechtsverletzungen im Iran abnehmen würden, wenn wir uns "trötzelig" vom Iran abwenden, die Augen vor Ungerechtigkeiten verschliessen und den Dialog verweigern würden, im Gegenteil: Das menschenrechtsverletzende Regime wird einfach, ungeachtet der Öffentlichkeit, weitermachen.

Das Schutzmachtmandat ist der einzige Verbindungskanal zwischen dem Iran und dem Westen und verpflichtet die Schweiz dazu zu vermitteln. Dieser Verbindungskanal wird auch gerne von anderen westlichen Ländern und der UNO genutzt. Wichtig zu wissen ist, dass der über die Schweiz führende Verbindungskanal zum Iran nicht nur und in erster Linie von den USA genutzt wird, sondern dass ihn auch der Iran für rege Kontakte zur Aussenwelt verwendet.

Wir, die Schweiz, als Bindeglied, als Vermittler, als Verhandler, wir können rügen und Menschenrechtsverletzungen ansprechen. Wir sind eines der wenigen Länder, die überhaupt noch direkten und schnellen Kontakt zu den iranischen Behörden haben. Somit hat die Schweiz, stellvertretend für den ganzen Westen, eine besondere Aufgabe gegenüber dem Iran.

Die Motion verlangt nun, dass der Bundesrat, soweit sinnvoll und angemessen, Massnahmen ergreift. Jetzt seien Sie doch mal ehrlich: Was heisst das konkret? Es ist nichts Messbares, nichts ausser schöne Worte. Damit beruhigen Sie höchstens Ihr Gewissen. Zudem soll die Schweiz sämtliche Sanktionen der EU gegenüber dem Iran übernehmen. Sanktionen, auch das wissen wir, haben eine sehr beschränkte Wirkung und können sogar das Gegenteil bewirken. Gerade die Zivilbevölkerung spürt Sanktionen durch Lebensmittelknappheit, Armut und eine geschwächte Wirtschaft. Übrigens, gegenüber dem Iran hat die Schweiz alle UNO-Sanktionen und die meisten EU-Sanktionen übernommen. Trotzdem soll die Schweiz weiterhin eigenständig entscheiden können, welche Sanktionen sie mittragen will.

Unterstützen Sie meinen Minderheitsantrag, und lehnen Sie die Motion ab, auch die abgedämpfte Version gemäss Ständerat. So zeigen Sie, wie ernst es Ihnen ist, das Schutzmachtmandat zu nutzen, um dem Iran im Dialog die Stirn zu bieten und dabei die Position des Bundesrates zu stärken.

Machen Sie gegenüber der iranischen Zivilbevölkerung keine Symbolpolitik, schüren Sie mit solchen Motionen nicht falsche Hoffnungen, da das mehr schadet. Mit dieser Motion bringen Sie das Schutzmachtmandat echt in Gefahr. Es wäre ein grosser Fehler, wenn wir die nützlichen direkten Kontakte mit der iranischen Behörde gefährden würden. Das machen Sie nicht, wenn Sie meinen Minderheitsantrag unterstützen.

Cassis Ignazio · BR-M · Bundesrat · Tessin

Lassen Sie mich einleitend unterstreichen, dass der Bundesrat Ihre Besorgnis - Ihre und diejenige des Ständerates - angesichts der Lage der Menschenrechte und der Situation der Frauen im Iran teilt. Knapp zwei Jahre nach dem Tod von Jina Mahsa Amini bleibt die Situation kritisch. Die anhaltende starke Repression und die Zunahme der Zahl an Todesurteilen seit 2013 sind beunruhigend. Vor diesem Hintergrund ist die Schweiz aber nicht untätig geblieben.

En premier lieu, la Suisse a pris une position claire en faveur du respect des droits de l'homme en Iran, que ce soit dans le cadre des manifestations, comme lors des développements les plus récents, ou en réaction à la hausse alarmante des exécutions dans le pays. Nous faisons valoir cette position de principe au niveau multilatéral chaque fois que l'occasion se présente. Lors de la dernière session du Conseil des droits de l'homme, en mars de cette année, nous avons ainsi soutenu la prolongation des mandats du rapporteur spécial sur la situation des droits de l'homme en Iran et de la mission d'établissement des faits. Cette dernière est chargée de faire la lumière sur les violations des droits de l'homme qui ont été commises dans le cadre des manifestations.

En deuxième lieu, la Suisse poursuit un dialogue franc et critique avec les autorités iraniennes. Le 22 avril dernier, mon département a ainsi reçu une délégation iranienne à Berne pour mener des consultations politiques et un dialogue sur les droits de l'homme. A cette occasion, la Suisse a notamment exprimé sa préoccupation quant au retour de la police des moeurs et a demandé à l'Iran de prendre des mesures contrôlées et concrètes pour éliminer les discriminations à l'encontre des femmes et des filles.

Unser direkter Kanal zu den iranischen Behörden wird auch von anderen Ländern und von der UNO in Anspruch genommen, um Anliegen zugunsten der Menschenrechte anzubringen. Die Gespräche in diesem Rahmen sind schwierig. Eine unmittelbare Wirkung zu erwarten, wäre nicht realistisch. Es braucht Hartnäckigkeit, es braucht eine klare Linie, eine Linie, die unseren Interessen und Werten entspricht.

Auch wenn es schwierig ist, so ist es durchaus möglich, über den Gesprächskanal Wirkung zu erzielen. In der Vergangenheit wurde bei einzelnen Jugendlichen, für die sich die Schweiz eingesetzt hatte, die Todesstrafe nicht angewandt. Wir haben uns auch dieses Jahr wieder mit Nachdruck für solche Fälle eingesetzt.

Warum haben wir diesen privilegierten Zugang? Wir haben ihn nicht nur aufgrund unseres Schutzmachtmandats für die USA, sondern weil der Iran wahrnimmt, dass die Schweiz eine eigenständige, eine differenzierte Aussenpolitik führt. Der Iran hat durchaus realisiert, dass wir alle UNO-Sanktionen und die meisten EU-Sanktionen übernommen haben, was unseren Interessen und Werten entspricht. Aber wir haben eben nicht alle Sanktionen übernommen. Es sind manchmal kleine Zeichen, die einen Unterschied machen. Die Iraner anerkennen, dass wir die Brücke des Dialogs nicht abgebrochen haben und dass sie diese Brücke nutzen können - falls sie das wollen.

Enfin, en troisième lieu, la Suisse veille à respecter le principe de précaution et oriente son action sur le terrain vers le soutien de la société civile et des activités de l'Unicef et du Haut-Commissariat aux droits de l'homme en matière de justice juvénile. Permettez-moi d'être clair à ce sujet. Dans le contexte actuel de l'Iran, tout soutien direct à des ONG iraniennes actives dans certains domaines des droits de l'homme est extrêmement difficile et les expose à des risques considérables et à des représailles.

En conclusion, le Conseil fédéral est d'avis qu'il doit continuer à tirer profit des accès que lui confère son rôle en Iran pour faire valoir directement aux autorités iraniennes ses attentes relatives au respect des droits de l'homme. Il estime que l'importance de ce rôle prime sur l'éventuel impact de sanctions supplémentaires, ce d'autant plus que la Suisse a déjà repris presque entièrement les mesures restrictives décidées par l'Union européenne. En matière d'activités de soutien aux droits de l'homme, le Conseil fédéral juge que le soutien à des organisations internationales est plus raisonnable qu'un appui à la société civile qui mettrait celle-ci en danger. Sur cette base, le Conseil fédéral a recommandé, en septembre dernier, au Conseil des Etats le rejet de la motion dans sa forme originale qui contient la demande de reprendre les sanctions. Par contre, il comprend la volonté des deux chambres du Parlement de donner un signal de préoccupation en matière de droits de l'homme en Iran et il estime qu'il peut soutenir la motion dans sa forme atténuée et en raison de son caractère symbolique. Le Conseil fédéral considère que la Suisse prend déjà toutes les mesures adéquates en faveur du respect des droits de l'homme et du soutien de la société civile en Iran. Cette appréciation reste la même aujourd'hui.

Nussbaumer Eric · P-M · Nationalrat · Basel-Landschaft · Sozialdemokratische Fraktion

Präsident (Nussbaumer Eric, Präsident): Die Mehrheit der Kommission beantragt, der Motion in der vom Ständerat geänderten Fassung zuzustimmen. Eine Minderheit Rüegger beantragt, die Motion abzulehnen.

Abstimmung

Abstimmung - Vote

Für den Antrag der Mehrheit ... 117 Stimmen

Für den Antrag der Minderheit ... 62 Stimmen

(5 Enthaltungen)