24.3937

Wegweisungsverfügungen sind rascher und konsequenter zu vollziehen

Riniker Maja · P-F · Nationalrat · Aargau · FDP-Liberale Fraktion

Antrag der Mehrheit

Annahme der Motion

Antrag der Minderheit

(Klopfenstein Broggini, Glättli, Jaccoud, Masshardt, Schläfli, Tschopp, Widmer Céline)

Ablehnung der Motion

Proposition de la majorité

Adopter la motion

Proposition de la minorité

(Klopfenstein Broggini, Glättli, Jaccoud, Masshardt, Schläfli, Tschopp, Widmer Céline)

Rejeter la motion

Präsidentin (Riniker Maja, Präsidentin): Sie haben einen schriftlichen Bericht der Kommission erhalten.

Fischer Benjamin · Mit-M · Nationalrat · Zürich · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei

Die Staatspolitische Kommission des Nationalrates beantragt Ihnen, die Motion Fässler Daniel anzunehmen. Bereits der Ständerat hat die Motion mit deutlicher Mehrheit gutgeheissen. Ihre Staatspolitische Kommission hat die Diskussion auch gestützt auf die Stellungnahme des Bundesrates sowie gestützt auf ergänzende Erläuterungen des Herrn Staatssekretärs und des Chefs der Abteilung für Rückkehr geführt.

Die Zielsetzung der Motion ist klar: Der Vollzug von Wegweisungsverfügungen durch die Kantone soll konsequenter und innerhalb der gesetzlich vorgesehenen Frist erfolgen. Der Bundesrat teilt dieses Ziel grundsätzlich, beantragt aber dennoch die Ablehnung der Motion, insbesondere mit Verweis auf die Bedeutung der freiwilligen Ausreise. Tritt das SEM auf ein Asylgesuch nicht ein oder lehnt es ein Gesuch ab, so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug der Wegweisung an. Ist der Vollzug der Wegweisung nicht möglich, nicht zulässig oder nicht zumutbar, so verfügt das SEM die vorläufige Aufnahme. Die Wegweisung ist gemäss Artikel 45 Absatz 3 AsylG sofort vollstreckbar. Für den Vollzug der Wegweisung ist gemäss Artikel 46 AsylG der jeweilige Kanton zuständig, bei Personen in Bundeszentren der Standortkanton.

Ein funktionierender Wegweisungsvollzug ist ein zentrales Element der Glaubwürdigkeit unseres Rechtsstaats. Es gehört zur rechtsstaatlichen Kohärenz, dass rechtskräftige Entscheide auch tatsächlich umgesetzt werden. In der Kommission wurde festgestellt, dass es in der Praxis grosse kantonale Unterschiede beim Vollzug gibt. Insbesondere wurde der Kanton Waadt - das ist hier spezifisch zu erwähnen - thematisiert, bei dem laut Angaben des SEM ein überdurchschnittlich hoher Anteil an Personen in Rückkehrunterstützung verzeichnet wird. Es ist offensichtlich, dass politische Gründe zur bewussten Nichtumsetzung von Wegweisungsverfügungen führen. Für die Kommissionsmehrheit ist das nicht akzeptabel.

Die Kommission nahm zur Kenntnis, dass bereits mehrfach Subventionen aufgrund ungenügenden Vollzugs gestrichen wurden; das ist eine Sanktionsmöglichkeit, die besteht. Wir halten aber auch fest, dass die bestehenden gesetzlichen Mechanismen, wie das erwähnte Instrument, ihre Steuerungswirkung teilweise verfehlen, da die Bundesgerichtspraxis entschuldbare Gründe sehr breit zulässt. Die intendierte Wirkung eines Malussystems wird damit faktisch ausgehöhlt.

Die Mehrheit ist deshalb der Überzeugung, dass es eine Verstärkung des Vollzugsprinzips durch eine konsequentere Anwendung des bestehenden Rechts braucht. Die Kommissionsmehrheit sieht in dieser Motion einen Beitrag zur Stärkung der bundesweiten Kohärenz zur Entlastung des Asylsystems sowie zur Förderung der Glaubwürdigkeit der schweizerischen Asylpolitik. Wer nach sorgfältigem Verfahren kein Asyl erhält, soll die Schweiz innerhalb der Frist tatsächlich verlassen. Wird diese Frist überschritten, muss der Vollzug in jedem Kanton - in jedem Kanton! - verbindlich umgesetzt werden. Die Motion Fässler Daniel fügt sich logisch und sinnvoll in die Gesamtstrategie des Parlamentes ein. National- und Ständerat haben beispielsweise die Motion 24.4508, "Unterstützung der Kantone beim Wegweisungsvollzug", oder die Motion 23.4351, "Kostenbremsen im Asylwesen", sowie die Motion 23.3082, "Rückführungsoffensive und konsequente Ausweisung von Straftätern und Gefährdern", bereits angenommen. Diese zielen in dieselbe Richtung.

Der Bundesrat betont, dass der freiwilligen Ausreise Vorrang eingeräumt werden müsse und dass eine generelle Beschleunigung des Vollzugs im Widerspruch dazu stehen könnte. Diese Einschätzung wird von der Kommissionsminderheit geteilt. Sie weist darauf hin, dass der Dreischritt "Verfügung - Ausreisefrist - zwangsweiser Vollzug" grundsätzlich funktioniere. Die Kommissionsmehrheit folgt, wie gesagt, dieser Argumentation nicht. Die vorliegende Motion zielt explizit nicht auf eine generelle Verdrängung der freiwilligen Ausreise, sondern auf eine konsequente Anwendung der bestehenden Rechtsordnung.

Folgen Sie also der Mehrheit Ihrer Staatspolitischen Kommission, und nehmen Sie die Motion Fässler Daniel an.

Fonio Giorgio · Mit-M · Nationalrat · Tessin · Die Mitte-Fraktion. Die Mitte. EVP.

La mozione Fässler Daniel invita il Consiglio federale ad adottare misure affinché i Cantoni eseguano entro i termini di partenza prescritti le decisioni di allontanamento pronunciate dalla Segreteria di Stato della migrazione.

La nostra legislazione attribuisce ai Cantoni la responsabilità di eseguire queste decisioni una volta che esse sono divenute esecutive. Tuttavia, l'attuale applicazione non è uniforme. In alcuni casi, le decisioni non vengono eseguite nei tempi previsti. Inoltre, la recente sentenza del Tribunale federale ha riconosciuto ai Cantoni un margine per invocare motivi scusabili, accentuando ulteriormente le differenze tra le prassi cantonali.

Con 15 voti favorevoli contro 8 e 1 astensione, la maggioranza della commissione ha ritenuto che questa situazione debba essere affrontata. L'obiettivo non è quello di introdurre automatismi o rigidità, bensì di rafforzare il coordinamento tra i livelli istituzionali, e di assicurare che le decisioni siano attuate in modo coerente su tutto il territorio nazionale, nel pieno rispetto del quadro giuridico vigente.

Secondo il manuale Asilo e ritorno della SEM, l'allontanamento è eseguito in due fasi. Prima, si dispone l'allontanamento del richiedente dalla Svizzera. In una seconda fase, si verifica se esso sia ammissibile, ragionevolmente esigibile e possibile. Questo approccio già consente di tener conto delle situazioni individuali, nel rispetto della dignità delle persone interessate e delle disposizioni della legge sull'asilo.

La partenza volontaria resta tuttavia la via privilegiata, ma quando questa non avviene è importante che l'esecuzione coattiva dell'allontanamento possa avvenire in modo efficace, nel quadro delle competenze cantonali e secondo criteri uniformi. Solo così la vostra commissione ritiene che si possa garantire una politica migratoria credibile e rispettosa dello Stato di diritto.

Una minoranza della commissione sottolinea che i termini fissati dalla SEM nelle sue decisioni di allontanamento sono rivolti alle persone interessate e non direttamente ai Cantoni. Essa ritiene che l'attuale sistema, basato sulla collaborazione tra Confederazione e Cantoni, sia già conforme agli obiettivi di efficienza e rispetto dei diritti. Insiste inoltre sulla necessità di preservare la possibilità di una partenza volontaria, valorizzando l'approccio umano e rispettoso che caratterizza il nostro ordinamento.

La vostra commissione vi raccomanda di approvare la mozione.

Klopfenstein Broggini Delphine · Mit-F · Nationalrat · Genf · Grüne Fraktion

La motion Fässler Daniel 24.3937 acceptée par le Conseil des États vise à renforcer l'exécution rapide et systématique des décisions de renvoi des personnes déboutées de l'asile. Si, d'un premier aspect, elle peut paraître pragmatique et être une idée assez simple, au fond, elle soulève de graves préoccupations. Elles concernent à la fois des questions juridiques, des questions éthiques, ainsi que des questions pratiques.

Je note en préambule que le SEM parlait il n'y a pas très longtemps - c'était il y a plus d'une année - d'une hausse de 20 pour cent des départs de personnes frappées de décision de renvoi. Cela signifie donc que - oui - la Suisse renvoie. La Suisse renvoie toujours plus. C'est donc un fait. Aujourd'hui, vouloir encore accélérer ces procédures va dans la mauvaise direction.

Cette logique de contrainte contredit la priorité donnée au départ volontaire. Le départ volontaire est un élément central pour la protection des personnes et pour l'efficacité de la pratique. Comme le rappelle le Conseil fédéral dans son avis du 20 novembre 2024, la pratique actuelle privilégie en effet le départ volontaire, qui est plus respectueux des droits fondamentaux, moins coûteux - c'est un élément qui peut en convaincre certains ici - et plus durable, parce qu'imposer aux cantons des délais stricts pour l'exécution des renvois sous contrainte va à l'encontre de cette logique et risque d'entraîner une augmentation des renvois forcés, souvent traumatisants pour les personnes concernées, en particulier pour les familles et les enfants, sans parler de leurs coûts élevés.

Une exécution plus systématique peut aussi conduire à des pratiques expéditives, dans les cas où un renvoi n'est pas licite, possible ou raisonnablement exigible, comme le précise l'article 83 de la loi sur les étrangers et l'intégration. La Suisse est aussi tenue par des engagements internationaux, par la Cour européenne des droits de l'homme et par la Convention relative aux droits de l'enfant, qui impose un examen individuel et rigoureux, ainsi qu'une protection contre les renvois abusifs et inhumains.

C'est une responsabilité cantonale qui doit rester flexible - cela est aussi dit par les cantons. Le rapport de la commission constate une pratique hétérogène de l'exécution des renvois entre les cantons. Plutôt que d'harmoniser par la contrainte, il faut plutôt respecter la réalité locale. Les cantons sont bien placés pour le faire et la marge d'appréciation des autorités cantonales est importante. Le Tribunal fédéral a d'ailleurs reconnu des motifs excusables, illustrant que la situation doit être évaluée au cas par cas. Uniformiser aujourd'hui mécaniquement les pratiques risque d'aboutir à des injustices.

Par ailleurs, le Conseil fédéral souligne que la mise en oeuvre de cette motion impliquerait une charge administrative et policière accrue pour les cantons, sans réel gain ni efficacité - c'est aussi important de le dire. Au contraire, cela pourrait ralentir les processus de retour en surchargeant les services et en réduisant la place au dialogue avec les personnes concernées.

Pour toutes ces raisons, je vous invite à rejeter cette motion. Je précise encore un élément : les renvois échouent souvent pour d'autres raisons. Ces raisons, il faut les indiquer ; ces raisons, c'est par exemple l'absence de document de voyage ; c'est par exemple le refus de coopération des pays concernés ; ou c'est des recours juridiques ou la situation humanitaire. Ces obstacles, eux, ne disparaîtront pas avec une motion comme celle-là.

Comme le Conseil fédéral, je vous invite à rejeter la motion. Elle introduit une vision administrative et coercitive du retour au détriment de la dignité humaine, de l'État de droit et de l'efficacité réelle, si c'est cela que vous souhaitez. La Suisse doit poursuivre une politique d'asile efficace - certes - et rigoureuse - bien sûr -, et respectueuse des droits fondamentaux. Je vous remercie de rejeter ce texte.

Jans Beat · BR-M · Bundesrat · Basel-Stadt

Mit seiner Motion fordert Ständerat Fässler, dass der Bundesrat Massnahmen ergreift, damit die Kantone Wegweisungsverfügungen innerhalb der gesetzlich vorgegebenen Ausreisefrist vollziehen, also noch vor Ablauf der Frist.

Wie läuft es heute ab? Wenn ein Asylantrag abgelehnt wird, ordnet das SEM die Ausreise an und gibt der Person zwischen 7 und 30 Tage Zeit, um die Schweiz zu verlassen. Innerhalb dieser Frist kann die betroffene Person freiwillig ausreisen. Für die freiwillige Ausreise kann sie Rückkehrhilfe erhalten. Erst nach Ablauf der Frist wird die Wegweisung auch zwangsweise durchgesetzt.

Die freiwillige Rückkehr hat grundsätzlich Vorrang. Das entspricht unseren völkerrechtlichen Verpflichtungen, und es entlastet die Kantone. Ausschaffungen noch während der Ausreisefrist, wie es die Motion fordert, wären nicht nur rechtswidrig, sie würden auch gegen Treu und Glauben verstossen. Der Staat kann den betroffenen Personen nicht eine Frist geben und sie dann nicht einhalten.

Der Bundesrat teilt das grundsätzliche Anliegen des Motionärs. Der Wegweisungsvollzug soll laufend verbessert werden. Massnahmen werden im Rahmen der Motion Salzmann 23.3082 zur Rückkehroffensive geprüft, und sie werden, zusammen mit den Kantonen, auch im Rahmen der laufenden Strategie Asyl geprüft.

Diese Motion führt nicht zu einer Verbesserung des Systems, im Gegenteil, sie erschwert das System. Freiwillig ausreisende Personen würden neu unter Zwang ausgeschafft, was für Bund und Kantone mit Mehrkosten und für die kantonalen Polizeibehörden mit einem grossen zusätzlichen Personalaufwand verbunden wäre. Die effektiven Herausforderungen bei Rückführungen werden mit dieser Motion nicht angegangen.

Die freiwillige Rückkehr ist der Königsweg der Schweizer Rückkehrpolitik, sie ist humaner und kostengünstiger als Rückführungen. Wo nötig, setzen wir Wegweisungen auch unter Zwang durch, jedoch erst - ich glaube, das ist die Antwort auf die Frage, Herr Dettling, die Sie stellen wollten - nach Ablauf der Ausreisefrist und der Möglichkeit zur freiwilligen Ausreise. Wenn die Gefahr besteht, dass eine Person flüchtet, können wir es auch tun.

Dettling Marcel · Mit-M · Nationalrat · Schwyz · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei

Herr Bundesrat, ich muss Sie leider enttäuschen, das war nicht die Antwort, die ich erwartet hatte. Ich habe eine andere Frage, nämlich: Wie läuft die freiwillige Ausreise ab? Können Sie bestätigen, dass nicht überprüft wird, ob eine freiwillige Ausreise erfolgt, sondern der Auszureisende nur einen Zettel bekommt, auf dem steht, dass er das Land zu verlassen hat? Aber es wird nicht sichergestellt, dass er das Land auch verlässt?

Jans Beat · BR-M · Bundesrat · Basel-Stadt

Das ist richtig, es wird eine Verfügung erlassen, dass diese Person unser Land verlassen muss. Die Quote der freiwilligen Rückkehr beträgt etwa 50 Prozent, hier gibt es aber eine Überprüfung. Wenn sich die Person im Herkunftsland meldet, kann festgestellt werden, dass sie zurückgekehrt ist. Ihre Bemerkung ist daher richtig.

Tuena Mauro · Mit-M · Nationalrat · Zürich · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei

Herr Justizminister, Sie haben die Frage von Kollege Dettling nicht beantwortet. Sie haben gesagt: Jawohl, es gibt eine Ausreiseverfügung, die Person muss das Land verlassen - Punkt. Das ist uns allen klar. Aber wie stellen Sie sicher, dass sie das Land tatsächlich verlässt und nicht untertaucht?

Jans Beat · BR-M · Bundesrat · Basel-Stadt

Ich sage es nochmals, das habe ich ja im Votum erklärt: Es ist aufgrund unserer internationalen Verpflichtungen zwingend, dass wir diesen Personen, die ja noch kein Verbrechen begangen haben, die Möglichkeit geben, alleine und freiwillig zurückzureisen. Das heisst, wir fordern sie auf, das Land zu verlassen. Das machen alle anderen Länder auch so. Was diese Personen dann tun, können wir nicht überprüfen, ausser sie gehen tatsächlich zurück. Und die Hälfte der Leute geht tatsächlich freiwillig zurück. Dann wissen wir es, weil sie sich im Herkunftsland melden.

Abstimmung

Präsidentin (Riniker Maja, Präsidentin): Die Mehrheit der Kommission beantragt die Annahme der Motion. Eine Minderheit Klopfenstein Broggini und der Bundesrat beantragen die Ablehnung der Motion.

Abstimmung - Vote

Für Annahme der Motion ... 132 Stimmen

Dagegen ... 66 Stimmen

(0 Enthaltungen)