25.3104

Strategie für den Umgang mit kriminellen minderjährigen Asylsuchenden

Page Pierre-André · P-M · Nationalrat · Freiburg · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei

Antrag der Mehrheit

Annahme der Motion

Antrag der Minderheit

(Schläfli Nina, Glättli, Klopfenstein Broggini, Marti Samira, Masshardt, Tschopp, Widmer Céline)

Ablehnung der Motion

Proposition de la majorité

Adopter la motion

Proposition de la minorité

(Schläfli Nina, Glättli, Klopfenstein Broggini, Marti Samira, Masshardt, Tschopp, Widmer Céline)

Rejeter la motion

Le président (Page Pierre-André, président): Vous avez reçu un rapport écrit de la commission.

Weber Céline · Mit-F · Nationalrat · Waadt · Grünliberale Fraktion

La Commission des institutions politiques du Conseil national s'est réunie les 23 et 24 octobre derniers pour traiter de la motion Moser 25.3104, intitulée "Stratégie de prise en charge des requérants d'asile mineurs délinquants". Cette motion part du constat que, ces dernières années, le nombre de requérants d'asile mineurs non accompagnés a fortement augmenté en Suisse. Alors qu'ils étaient environ 400 en 2018, on en comptait plus de 3200 en 2023. Or, toujours selon la motion, si la majorité des requérants d'asile mineurs non accompagnés arrivant en Suisse sont disposés à s'intégrer et que de nombreux exemples attestent du succès des efforts en la matière, un nombre croissant d'entre eux commettent des infractions pénales. Face à ce défi, la motion vise la mise en place d'une stratégie pour la prise en charge des requérants d'asile mineurs délinquants, motion qui devra tenir compte des besoins spécifiques liés à ce groupe, s'agissant de mineurs. Pour ce faire, la motion prévoit d'associer l'ensemble des acteurs concernés aux trois niveaux de l'État, à savoir l'Autorité de protection de l'enfant et de l'adulte, le Ministère public des mineurs, les autorités de migration et enfin les autorités de police, l'objectif étant d'assurer une mise en oeuvre harmonisée des mesures ainsi qu'une gestion coordonnée des retours.

Si le Conseil fédéral reconnaît l'utilité de la motion et propose d'ailleurs de l'accepter, je dois encore préciser que notre Conseil fédéral a mis en place, durant l'été 2025, une task force nationale de la Confédération et des cantons, task force ayant pour objectif d'améliorer la situation en matière de sécurité. Cette task force est un projet pilote d'une durée de douze mois, qui doit permettre aux cantons de signaler les cas qui posent problème et de définir les mesures à prendre au cas par cas. Les conclusions de cette task force nationale et celles de tables rondes réalisées dans les régions d'asile pourront ensuite servir de base à la stratégie visée par la motion afin de, finalement, élaborer une stratégie globale en matière d'asile pour les délinquants et de répondre aux buts de la motion, à savoir une mise en oeuvre harmonisée des mesures, ainsi qu'une gestion coordonnée des retours, le cas échéant.

Une minorité de la commission a souhaité modifier la motion en ajoutant un élément relatif aux droits de l'enfant. Par 16 voix contre 6 et 1 abstention, votre commission a cependant adopté la motion dans sa version originale, et je vous invite à en faire autant.

Permettez-moi encore une remarque personnelle pour le compte rendu. En effet, dans le rapport de commission daté du 14 novembre dernier qui vous a été remis, il est mentionné que je fais partie de la minorité qui soutient la modification de la motion. Ceci est naturellement faux ; il y a là manifestement une erreur dans le rapport de commission, puisque je soutiens bel et bien la motion dans sa version originale. Cette remarque est d'ailleurs également valable pour la motion 25.3105, que nous traiterons ensuite.

Paganini Nicolò · Mit-M · Nationalrat · St. Gallen · Die Mitte-Fraktion. Die Mitte. EVP.

Im Auftrag der Staatspolitischen Kommission berichte ich Ihnen über die Beratung vom 24. Oktober 2025 zur vorliegenden Motion Moser. Der Ständerat hat die Motion, nachdem sie der Bundesrat am 14. Mai 2025 zur Annahme empfohlen hatte, am 16. Juni 2025 ohne Abstimmung angenommen. Die Motionärin möchte mit ihrem Vorstoss den Bundesrat beauftragen, eine Strategie für den Umgang mit kriminellen minderjährigen Asylsuchenden zu erarbeiten. In ihrer Begründung weist sie darauf hin, dass eine zunehmende Anzahl unbegleiteter minderjähriger Asylsuchender (UMA) straffällig werde und demnach nicht nur die Schweizer Behörden vor besondere Herausforderungen stelle, sondern auch die Sicherheit der Schweizer Bevölkerung beeinträchtige.

Der Umgang mit straffälligen UMA ist anspruchsvoll. Sie sind einerseits aufgrund ihres Alters besonders schutzbedürftig, und es ist die Kinderrechtskonvention zu beachten. Auf der anderen Seite darf dieser besondere Schutz nicht dazu führen, dass Schweizer Behörden quasi auf der Nase herumgetanzt werden kann und Strafverfolgungsbehörden und Gerichte der teilweise beachtlichen kriminellen Energie einzelner UMA mehr oder weniger machtlos gegenüberstehen. Zu Recht fordert die Motionärin deshalb eine Strategie für den Umgang mit kriminellen minderjährigen Asylsuchenden. Sämtliche relevanten Akteure auf allen drei Staatsebenen wie Kindes- und Erwachsenenschutzbehörden, Jugendstaatsanwaltschaften, Migrations- und Polizeibehörden sollen in den Prozess einbezogen werden. Ein gesamtschweizerisch abgestimmtes Vorgehen ermögliche eine differenzierte Herangehensweise, die sowohl repressive als auch sozialpädagogische Aspekte berücksichtige.

Der Bundesrat verweist in seiner zustimmenden Stellungnahme vom 14. Mai 2025 auf ein zwölfmonatiges Pilotprojekt, eine national agierende Taskforce sowie auf die weitere Erarbeitung der Gesamtstrategie Asyl. Weder in der politischen Synthese noch im politischen Mandat mit den Eckwerten zur Asylstrategie 2027 finden sich jedoch Hinweise auf den Umgang mit kriminellen UMA.

Die Mehrheit der Staatspolitischen Kommission sieht in diesem Bereich beträchtlichen Handlungsbedarf, weshalb sie der Motion in der Beratung ohne längere Diskussion zugestimmt hat. Die Mehrheit der Kommission hat sich wiederholt für die Bekämpfung von Missbräuchen im Asylwesen ausgesprochen, weil sie will, dass Personen, die den Schutz in unserem Land tatsächlich benötigen, diesen auch künftig bekommen. Dies ist nur dann möglich, wenn unser Asylwesen von einer Mehrheit der Bevölkerung mitgetragen wird. Missbräuche untergraben diesen Rückhalt und fallen letztlich auf tatsächlich schutzbedürftige Menschen zurück. Die Mehrheit der SPK-N erwartet, dass die hier verlangte Strategie rasch erarbeitet wird und dann vor allem rasch konkrete Massnahmen für die Praxis in den Gemeinden und Kantonen implementiert werden. Diese Thematik muss unbedingt Teil der Asylstrategie 2027 werden.

Eine Minderheit der Kommission ist der Ansicht, dass die bestehenden gesetzlichen Grundlagen und Handlungsspielräume ausreichen, um den Herausforderungen in diesem Bereich zu begegnen.

Die Mehrheit beantragt Ihnen mit 16 zu 6 Stimmen bei 1 Enthaltung, dem Bundesrat und dem Ständerat zu folgen und der Motion zuzustimmen.

Schläfli Nina · Mit-F · Nationalrat · Thurgau · Sozialdemokratische Fraktion

Ich beantrage im Namen der Minderheit die Ablehnung der Motion, und zwar aus drei Gründen:

Erstens reichen die bestehenden Mittel, Gesetze sowie die bereits gegründeten Taskforces und runden Tische bereits aus, um dem Problem etwas entgegenzusetzen.

Zweitens hat der Vorstoss aus unserer Sicht den falschen Fokus. Die ganz grosse Mehrheit der Asylsuchenden hat sich nie etwas zuschulden kommen lassen. Vorstoss über Vorstoss über Vorstoss mit zusätzlichen Aufgaben im Umgang mit der kleinen Minderheit krimineller Asylsuchender überweist das Parlament, ohne überhaupt abzuwarten, wie sich dies entwickelt und ob die Massnahmen wirken - Hauptsache, man macht etwas. Dabei gäbe es so viele, zum Teil auch dringend notwendige Möglichkeiten, um die Situation junger Geflüchteter zu verbessern. Ich denke an die Unterbringung und die Betreuung, an geeignete Aufenthaltsorte, Bildungs- und Ausbildungsmöglichkeiten sowie Freizeitangebote. Jede einzelne Verbesserung würde auch einen kleinen Teil zur Prävention und somit auch zur Sicherheit in der gesamten Gesellschaft beitragen.

Drittens sprechen wir von Minderjährigen, also von Kindern und Jugendlichen. Das erfordert noch einmal spezifische Massnahmen und Fingerspitzengefühl, um den rechtlichen und sozialen Ansprüchen gerecht zu werden. Genau diesen wird in den Zielen der Motion zu wenig Rechnung getragen.

Vielen Dank für Ihre Unterstützung.

Jans Beat · BR-M · Bundesrat · Basel-Stadt

Der Bundesrat ist bereit, die Motion entgegenzunehmen. Ich mache aber von der Möglichkeit Gebrauch, trotzdem noch etwas zu den Massnahmen zu sagen, die schon ergriffen wurden. Geschätzter Herr Nationalrat Nicolò Paganini, Sie haben recht, die Massnahmen, die schon ergriffen wurden, beziehen sich nicht spezifisch auf Minderjährige. Aber die meisten betreffen sie auch.

Das Thema "Sicherheit im Asyl- und Ausländerrecht" ist dem Bundesrat wichtig. In den letzten Jahren haben wir verschiedene Massnahmen lanciert. Das Staatssekretariat für Migration hat 2024 in allen Asylregionen sogenannte strategische runde Tische einberufen, um die Zusammenarbeit sämtlicher betroffener Behörden zu intensivieren und die Möglichkeit der ausländerrechtlichen Zwangsmassnahmen auszuschöpfen. Ein wichtiges Ziel ist dabei der Ausbau des Case-Managements in den Asylregionen, insbesondere eben für Wiederholungstäter. Der Umgang mit kriminellen minderjährigen Asylsuchenden ist eine Herausforderung, das ist richtig. Das wissen die Behörden, und sie arbeiten daran.

Seit Mitte Juni dieses Jahres läuft ein gemeinsames Pilotprojekt von Bund und Kantonen, die Taskforce "Intensivtäter im Ausländer- und Asylbereich". Zehn Pilotkantone aus allen Asylregionen sind beteiligt: Bern, Basel-Stadt, Solothurn, Tessin, Zug, Neuenburg, Waadt, St. Gallen, Thurgau und Zürich. Das Projekt wird auf strategischer Ebene von der Konferenz der kantonalen Justiz- und Polizeidirektorinnen und -direktoren und vom Staatssekretariat für Migration (SEM) geleitet, auf operativer Ebene vom SEM und der Vereinigung der kantonalen Migrationsbehörden. Während eines Jahres können die Kantone dieser Taskforce besonders schwierige Fälle melden, bei denen sie Unterstützung wünschen. Die Taskforce koordiniert, bringt Fachwissen ein und dokumentiert systematische Hindernisse. Die Verantwortung bleibt immer bei den Behörden. Die Taskforce unterstützt sie im Einzelfall. Die Taskforce hat explizit auch den Auftrag, sich mit kriminellen Minderjährigen auseinanderzusetzen. Das Pilotprojekt läuft. Es ist noch zu früh, um konkrete Ergebnisse aus deren Tätigkeit abzuleiten. Der Schlussbericht folgt im Sommer 2026. Er wird Best Practices aufzeigen und strukturelle Hindernisse benennen.

Diese Erkenntnisse fliessen direkt in die laufenden Arbeiten zur Asylstrategie 2027 ein, und sie zeigen schon jetzt Resultate. In den Bundesasylzentren haben wir seit Jahren deutlich unter 100 sicherheitsrelevante Vorfälle pro 100 000 Übernachtungen. Es ist wirklich eine Minderheit. Und das sind natürlich alle Vorfälle, nicht nur jene mit Minderjährigen. Zudem ist ja nicht jeder Vorfall eine Straftat. Ende drittes Quartal 2025 waren es nur noch 27 solche Vorfälle pro 100 000 Übernachtungen. Viele Massnahmen, auch das 24-Stunden-Verfahren, das wir eingeführt haben, haben zur besseren Sicherheit rund um und in Asylzentren geführt.

Am 28. November 2025 haben zudem die Kantone, Städte und Gemeinden zusammen mit dem Bund an der dritten Asylkonferenz das politische Mandat für weitere Massnahmen verabschiedet. Das Themenfeld Sicherheit ist dabei eine von sieben strategischen Stossrichtungen. Der Umgang mit kriminellen minderjährigen asylsuchenden Personen gehört ebenfalls zu diesem Mandat. Dort wollen wir die von der Motionärin geforderte Strategie erarbeiten und umsetzen.

Aus diesen Gründen beantragt Ihnen der Bundesrat, die Motion anzunehmen.

Abstimmung

Le président (Page Pierre-André, président): La majorité de la commission et le Conseil fédéral proposent d'adopter la motion. Une minorité Schläfli Nina propose de la rejeter.

Abstimmung - Vote

Für Annahme der Motion ... 135 Stimmen

Dagegen ... 58 Stimmen

(1 Enthaltung)