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Feldhase und Feldlerche. Ikonen der Kulturlandschaft erhalten und fördern

Candan Hasan · Mit-M · Nationalrat · Luzern · Sozialdemokratische Fraktion

Seit Jahrhunderten gehören der Feldhase und die Feldlerche zum Schweizer Kulturland; doch den beiden Archetypen unseres Kulturlandes geht es schlecht. Ihre Populationen, ihre Bestände haben in den letzten Jahrzehnten stark abgenommen, und beide Arten sind in ihrem Fortbestehen gefährdet. Im Rahmen des Programms "Getreide in weiter Reihe" und mit dem Ziel von 3,5 Prozent Biodiversitätsförderflächen auf Ackerland gab es zwei Massnahmen, welche diesen negativen Entwicklungen entgegenwirken sollten. Der Bundesrat hat die Massnahme "Getreide in weiter Reihe" aber aufgehoben, nachdem das Parlament das Ziel von 3,5 Prozent Biodiversitätsförderflächen auf Ackerland rückgängig gemacht hat. Im Rahmen von "Getreide in weiter Reihe" sind seit 2025 keine direkten Bundesbeiträge für Biodiversitätsförderflächen mehr möglich.

In gewissen Kantonen kann die Massnahme in reduzierter und modifizierter Form bei kantonalen Vernetzungsprojekten beitragsberechtigt sein. Viele Landwirtinnen und Landwirte werden die Massnahme aber nicht weiterführen können. Im Kanton Luzern, wo ich herkomme, hat sich die als "Hasengetreide" bezeichnete Fläche nach dem Entscheid des Bundesrates halbiert. Dies ist insofern bedauerlich, als die Massnahmen eine positive Wirkung auf die Entwicklung der Bestände haben. Eine aktuelle Studie in Bezug auf die Schweiz zeigte: Eine im Rahmen von "Getreide in weiter Reihe" erzielte Zunahme von 1 Prozent bewirkt eine durchschnittliche Zunahme der Feldhasenpopulation von 3,6 Prozent. Ohne neue Massnahmen ist zu befürchten, dass sich der Zustand der Feldhasen- und der Feldlerchenpopulation weiter verschlechtern wird. Aus diesem Grund möchte ich den Bundesrat damit beauftragen, Massnahmen zu prüfen und Bericht zu erstatten, wie der Feldhase und die Feldlerche im Schweizer Kulturland erhalten und gefördert werden können, um die Zukunft dieser beiden zum Kulturland gehörenden Tierarten zu sichern.

Der Feldhase ist nicht nur in der Natur, sondern auch in unserer Kultur fest verankert. Er hat es geschafft, Sinnbild für einen unserer bedeutendsten Feiertage und Bräuche zu sein, und ist Teil unserer Sprache. Der Hase begleitet uns seit unserer Kindheit: "Da liegt der Hase im Pfeffer"; "wissen, wie der Hase läuft"; "Angsthase"; "alter Hase". Mal ist er ängstlich, mal flüchtig, mal schlau und erfahren, mal schnell und überheblich wie in der Fabel vom Hasen und der Schildkröte, in welcher der überhebliche Hase die langsame Schildkröte verspottet und zu einem Rennen herausfordert. Während der siegessichere Hase schläft, siegt die Schildkröte durch Stetigkeit und Ausdauer. Die Moral von der Geschichte: Beharrlichkeit überwindet Arroganz und überlegene Schnelligkeit. Das könnte wohl auch manchmal auf uns in diesem Saal zutreffen.

Am besten gefällt mir die Redewendung "wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen". Es gibt heute noch Orte mit Namen wie Hasenbühl, Hasenmatt, Hasenacker, Hasenstrick, Hasenägerten, Hasengrund, Hasenboden usw. Wie Sie sehen, der Feldhase gehört zu unserer Kultur. Er verschwindet aber schleichend aus unserer Kulturlandschaft. Ich möchte, dass er uns an beiden Orten erhalten bleibt.

Ich danke dem Bundesrat wirklich, dass er sich des Postulates und des Anliegens annehmen möchte. Ich danke Ihnen, wenn Sie das Postulat ebenfalls unterstützen. Ich glaube, dass mindestens die Vertreterinnen und Vertreter aus dem Kanton Thurgau dem Postulat zustimmen müssen, denn ich habe heute herausgefunden, dass auf der Boiserie bei den Sitzen ihrer Standesvertreter ein Feldhase zu sehen ist. (Zeigt auf die Sitze an der Rückwand des Nationalratssaals) Ich habe das nicht gewusst. Das ist auch eine schöne Anekdote, wie der Hase jeden Tag über uns wacht. (Teilweise Heiterkeit)

Christ Katja · 1VP-F · Nationalrat · Basel-Stadt · Grünliberale Fraktion

Präsidentin (Christ Katja, erste Vizepräsidentin): Das Postulat wird von Frau Riem bekämpft.

Riem Katja · Mit-F · Nationalrat · Bern · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei

Die Vögel zwitschern am Morgen wieder, die Matten, Weiden, Wiesen und Felder werden wieder grüner, und ich kann bei all diesen Frühlingsgefühlen verstehen, wenn wir uns alle der Natur verbundener und verpflichteter fühlen. Ich kann es nicht nur gut verstehen, als Vertreterin der sogenannten Bauernpartei kann ich es sogar sehr unterstützen.

Nun gilt es jedoch, in all dieser Frühlingsstimmung mit beiden Füssen auf dem Boden zu bleiben, Massnahmen realistisch zu erkennen und zu beurteilen. In diesem Vorstoss lese ich von der Massnahme bezüglich der 3,5 Prozent Biodiversitätsförderflächen und von der Massnahme "Getreide in weiter Reihe". Die erste Massnahme wird mit fast 20 Prozent Biodiversitätsförderflächen auf der landwirtschaftlichen Nutzfläche, wovon mehr als 14 Prozent freiwillig umgesetzt werden, längst umgesetzt. Die Massnahme "Getreide in weiter Reihe" wurde zwar auf Bundesebene eingestellt, jedoch in allen wichtigen Agrarkantonen weitergeführt: Aargau, Bern, Freiburg, Jura, Luzern, St. Gallen, Schaffhausen, Solothurn, Thurgau, Zug und Zürich - also auch im Thurgau.

Dem Problem ist also längst Rechnung getragen. Was nämlich ganz sicher nicht hilft, ist ein Auftrag an ein Ökobüro oder an die Verwaltung, welcher einen teuren Bericht zur Folge hat, formuliert an einem Bürotisch und weit weg von der gelebten Praxis. Zudem werden diese Massnahmen oft lediglich im Bereich der leicht kontrollierbaren Landwirtschaft angesetzt. Kaum einmal wird von der hohen Besiedlungsdichte gesprochen und diese analysiert.

Ich freue mich, wenn wir auch weiterhin sowohl Feldhase als auch Feldlerche beobachten können, und ich habe das schöne Privileg, dies bei uns zuhause regelmässig tun zu können. Überzeugt bin ich aber, dass dies auch ohne diesen unnötigen Bericht möglich ist.

Ich danke Ihnen deshalb, wenn Sie dieses Postulat Hand in Hand mit der SVP-Fraktion ablehnen.

Rösti Albert · BR-M · Bundesrat · Bern

Feldhase und Feldlerche sind wichtige Repräsentanten der Artenvielfalt, und sie sind für das Kulturland von Bedeutung. Der Zustand ihrer Populationen widerspiegelt die Qualität der Lebensräume in der landwirtschaftlich genutzten Landschaft, und hier zeigt sich, dass ihr Bestand weiterhin rückläufig ist. Die Schweizer Landwirtschaft ist die zentrale Partnerin, wenn es darum geht, Lebensräume langfristig zu sichern und Arten wie Feldhase und Feldlerche zu erhalten, und sie tut das auch mit ihren grossflächigen Ökoausgleichsmassnahmen auf 19 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche. Da wird also sehr viel für die Ökologie gemacht. Massnahmen können nur gemeinsam mit der Landwirtschaft umgesetzt werden, da haben wir mit der Minderheitssprecherin keine Differenz.

Der Bundesrat erachtet einen Bericht, wie vom Postulat verlangt, um vorhandene Massnahmen zu analysieren und allfällige Lücken zu identifizieren, als sinnvoll. Allfällige Vorschläge dazu, welche Massnahmen umzusetzen wären, werden diesem Rat wieder vorgelegt, sodass Sie dann darüber entscheiden können. Deshalb, Frau Nationalrätin Riem, lassen Sie uns doch diesen Bericht verfassen.

Und jetzt gestatte ich mir, auch wenn nicht sehr viele Leute hier sind, einen Vergleich zu machen. Herr Candan, sehen Sie, das ist die Güterabwägung des Bundesrates. Sie haben mich - das gehört zur Politik, das ist in Ordnung - vor zwei Tagen, glaube ich, oder am Montag sehr heftig kritisiert, weil der Bundesrat irgendwo einen Grenzwert nicht festgelegt hat, da es die Landwirtschaft sehr stark betrifft. Wir müssen dort, wo es die Landwirtschaft oder Gemeinden sehr stark betrifft, manchmal auch Tiere regulieren. Das ist beispielsweise beim Biber oder beim Wolf der Fall. Dort müssen wir regulieren und schützen. Aber hier haben wir eine wunderbare Tierart, die niemandem etwas zuleide tut. Deshalb empfiehlt der Bundesrat in diesem Fall Ihr Postulat zur Annahme.

Danke an dieser Stelle für den Hasen, den ich bekommen habe; jemand hat ihn zu Boden geworfen, deshalb hat er leider den Kopf verloren. (Bundesrat Rösti zeigt einen Schoggi-Osterhasen)

Im Sinne dieser Abwägung haben wir ja auch den Aktionsplan Fische zur Annahme empfohlen. Ich möchte Ihnen einfach darlegen, dass der Bundesrat hier durchaus eine Güterabwägung vornimmt und nicht einseitig unterwegs ist; vielleicht konnte ich Ihnen das jetzt unter Beweis stellen.

Der Bundesrat nimmt dieses Postulat gerne entgegen, wenn Sie ihm mehrheitlich zustimmen.

Abstimmung

Präsidentin (Christ Katja, erste Vizepräsidentin): Der Bundesrat beantragt die Annahme des Postulates.

Abstimmung - Vote

Für Annahme des Postulates ... 105 Stimmen

Dagegen ... 82 Stimmen

(1 Enthaltung)