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Zugang zu Notfallverhütungsmitteln vereinfachen

Gredig Corina · Mit-F · Nationalrat · Zürich · Grünliberale Fraktion

Die Motion betrifft keine ideologische Grundsatzfrage. Es geht um eine konkrete und praktische Frage der Gesundheitsversorgung: Wie stellen wir sicher, dass Notfallverhütung dann zugänglich ist, wenn sie gebraucht wird, und das rasch und unkompliziert? Wenn eine Frau ein Notfallverhütungsmittel beziehen will, muss sie sich heute in einer Apotheke einer Befragung unterziehen. Die Apothekerinnen und Apotheker sind verpflichtet, ein mehrstufiges Standardprotokoll anzuwenden, bevor sie das Notfallverhütungsmittel abgeben dürfen. Dazu wird die Frau in einen separaten Raum geführt und mit einem ausführlichen Fragebogen befragt.

Mit dieser Motion wird verlangt, die Notfallkontrazeptiva in eine andere Medikamentenkategorie umzuteilen und so den Zugang zu vereinfachen. Insbesondere soll auch die Abgabe über Drogerien ermöglicht werden, denn das ist in der heutigen Medikamentenkategorie nicht möglich. Drei Grundsätze sprechen für die Motion: Selbstbestimmung, Verhältnismässigkeit und ein pragmatischer Staat, der nicht mehr reguliert als nötig.

1. Selbstbestimmung: Notfallverhütung ist kein gewöhnlicher Konsumartikel, aber es ist auch kein Medikament, bei dem eine staatlich erzwungene Zusatzhürde in jedem Fall gerechtfertigt wäre. Entscheidend ist, dass sich die Frau respektive das Paar, das sie braucht, oft in einer konkreten Notsituation befindet und Zeit zentral ist. Je früher die Notfallverhütung eingenommen wird, desto besser wirkt sie. Deshalb bedeutet Selbstbestimmung in diesem Bereich nicht nur ein abstraktes Recht. Selbstbestimmung bedeutet ganz konkret, rechtzeitig Zugang zu haben, ohne unnötige Scham, ohne obligatorisches Gespräch über intime Details und ohne vermeidbare Verzögerung.

Die Schweiz war hier einmal weiter; sie war Vorreiterin. Seit 2002 hatten Frauen rezeptfreien Zugang zu Notfallkontrazeptiva. Damit nahm die Schweiz eine Vorreiterrolle bei der Stärkung der reproduktiven Selbstbestimmung ein. Seitdem haben regulatorische Verschärfungen jedoch zu einem Rückschritt geführt. Im Rahmen der Heilmittelgesetzrevision 2019 wurden Notfallverhütungsmittel von Swissmedic in die Medikamentenkategorie B eingestuft, während viele andere vergleichbare Arzneimittel in weniger strenge Kategorien überführt wurden. Das ist schwer nachvollziehbar.

Ausgerechnet bei einem zeitkritischen Medikament, das erwachsenen Frauen in einer konkreten Notlage hilft, wurden die Hürden erhöht. Die Motion korrigiert diesen Widerspruch. Eine vereinfachte Abgabe ab 18 Jahren stärkt die Selbstbestimmung und die gesundheitliche Autonomie erwachsener Frauen. Jede Frau soll frei und ohne unnötige Barrieren entscheiden können, ob sie ein Notfallverhütungsmittel nutzen will oder nicht.

Ein liberaler Staat stellt Informationen bereit, ermöglicht Beratung und sorgt für sichere Rahmenbedingungen, aber er macht den Zugang nicht von einem obligatorischen Gespräch abhängig, wenn dieses medizinisch nicht zwingend notwendig ist. Der Staat soll nicht bevormunden, sondern erwachsenen Frauen zutrauen, eine informierte Entscheidung selber zu treffen.

2. Verhältnismässigkeit: Die heute verfügbaren Notfallkontrazeptiva sind nicht mehr die gleichen wie noch vor zwanzig oder dreissig Jahren. Sie sind gut erforscht, sicher in der Anwendung und international etabliert.

Aus liberaler Perspektive sollte eine staatliche Pflicht eben nur dort bestehen, wo sie wirklich notwendig ist, und bei der Notfallverhütung ist die Risikolage überschaubar. Die Nebenwirkungen sind bekannt, schwere Komplikationen äusserst selten, und die Anwendung ist medizinisch sehr gut dokumentiert. Wenn wir bei anderen frei zugänglichen Medikamenten mit ähnlichen Nebenwirkungen auf Information, Packungsbeilage und freiwillige Beratung setzen, dann stellt sich die Frage, wieso ausgerechnet hier ein obligatorisches Gespräch mit intimen Details vorgeschrieben ist.

3. Ein pragmatischer Zugang ist zentral. Weniger Hürden, mehr Selbstbestimmung und Verhältnismässigkeit sind das Ziel. Das sollten wir mündigen, erwachsenen Frauen auch entsprechend zugestehen.

Wer auf eine evidenzbasierte Gesundheitspolitik schaut und diese unterstützt, nimmt diese Motion an.

Baume-Schneider Elisabeth · BR-F · Bundesrat · Jura

La motion vise à permettre la vente libre de contraceptifs d'urgence en recatégorisant les produits concernés dans la catégorie de remise D, c'est-à-dire la vente sans ordonnance médicale et sans conseil d'une personne relevant du corps médical - on peut penser aux médecins ou aux pharmaciens.

En Suisse, comme dans les pays de l'Union européenne et de l'AELE, à l'exception de la Norvège, de la Suède et des Pays-Bas, les contraceptifs d'urgence sont uniquement délivrés en pharmacie ou par un professionnel de santé, après conseil d'une personne relevant du corps médical, mais sans qu'une ordonnance médicale soit nécessaire. On peut ainsi obtenir ces médicaments dans les centres de santé sexuelle ou les plannings familiaux, et on peut aussi y avoir parfois recours auprès du médecin scolaire ou encore dans les services d'urgences.

Madame Gredig a régulièrement mentionné la question d'une société libérale et du libre choix. Le Conseil fédéral accorde, lui aussi, une grande importance à l'autodétermination reproductive et à l'accès aux moyens de contraception, mais il estime aussi indispensable, et ce, pour la sécurité des patientes, qu'une personne relevant du corps médical les conseille avant la prise d'un contraceptif d'urgence. En effet, ces contraceptifs d'urgence sont des médicaments, certes, d'une grande efficacité, mais qui peuvent aussi provoquer des effets secondaires potentiellement importants s'ils interagissent avec des médicaments qui ne peuvent être complémentaires - je n'ai pas les bons termes, je suis désolée pour les médecins qui sont dans la salle. Il est important d'informer les femmes concernées des éventuels risques.

Par contre, là où le Conseil fédéral rejoint l'auteure de la motion, c'est que la discussion et le conseil ne doivent pas constituer un obstacle à la prise du contraceptif, mais bien permettre d'informer l'utilisatrice ou le couple sur le comportement à adopter en cas d'effets secondaires ou en cas de complications qui peuvent s'avérer graves. À de multiples reprises, la Confédération a discuté de la reclassification de la contraception d'urgence dans la catégorie de remise D avec un comité externe spécialisé, composé entre autres d'experts issus du corps médical, de la Société suisse des pharmaciens et de l'Association suisse des droguistes. La majorité des personnes consultées ne soutiendraient pas une reclassification dans la catégorie D, en invoquant parfois des éléments extrêmement pragmatiques, par exemple le fait que les pharmacies assurent un service de garde le week-end et les jours fériés, garantissent la continuité de la remise des contraceptifs d'urgence, contrairement aux drogueries, qui ont d'autres horaires. Cela peut paraître banal de le préciser, mais les discussions ont montré que le conseil s'avère encore extrêmement précieux lors de la remise de ces contraceptifs d'urgence.

Dès lors, au nom du Conseil fédéral, je vous propose de rejeter la motion.

Abstimmung

Le président (Page Pierre-André, président): Le Conseil fédéral propose de rejeter la motion.

Abstimmung - Vote

Für Annahme der Motion ... 113 Stimmen

Dagegen ... 73 Stimmen

(2 Enthaltungen)