Standing: How later courts treated this decision has not been analysed.

20081222_d_sz_u_01

22. Dezember 2008 Schwyz Deutsch

Rubrum

BEZIRKSGERICHT KÜSSNACHT

Proz.Nr.: BZ 05 12

DAS BEZIRKSGERICHT

hat

in seiner Sitzung vom 22. Dezember 2008, an welcher teilnahmen:

Gerichtspräsident lic. iur. Benno Neidhart, die R ichter Ivan H egi, Peter B üeler, J örg Looser, D enise T schümperlin, Rees Wiget und ER Edgar Gwerder sowie Gerichtsschreiber lic. iur. Viktor Kälin

in Sachen

K., Kläger, vertreten durch Herrn Rechtsanwalt M. B., L,

gegen

B., Beklagte, vertreten durch Herrn Rechtsanwalt lic. iur. A.F., W.,

betreffend Forderung / Taggeldleistungen

Rechtsbegehren: (gemäss Klageschrift vom 31.10.2005)

Bezirksgericht Küssnacht Unterdorf 13, Postfach 170 6403 Küssnacht am Rigi Tel.-Nr.: 041 / 854 02 10 PC-Konto-Nr.: 60-19347-7

Bezirksgericht Küssnacht 6403 Küssnacht am Rigi Proz.Nr.: BZ 05 12 Urteil vom 22.12.2008

1. Die Beklagte s ei z u ve rpflichten, de m K läger a usstehende T aggelder w egen A rbeitsunfähigkeit in Höhe von CHF 33'978.10 nebst mittlerem Verzugszins seit dem 1. Dezember 2003 zu bezahlen.

2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten der Beklagten.

Gegenrechtsbegehren: (gemäss Klageantwort vom 06.12.2005)

▪ Die Klage sei abzuweisen,

▪ unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten des Klägers.

Rechtsbegehren: (gemäss Replik vom 16.05.2007)

1. Der K läger hä lt a n s einen A nträgen l aut Zivilklage vom 31.10.2005 f est und e rneuert sie an dieser Stelle.

2. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Beklagten.

Gegenrechtsbegehren: (gemäss Duplik vom 04.06.2005)

▪ Gemäss Klageantwort.

Rechtsbegehren: (gemäss klägerischer Eingabe vom 05.11.2007)

1. Grundsätzlich hält der Kläger an seinen Anträgen laut Zivilklage vom 31.10.2005 fest und erneuert sie an dieser Stelle.

2. Im Speziellen ändert der Kläger die Anträge jedoch wie folgt: Die B eklagte s ei z u ve rpflichten, de m K läger a usstehende T aggelder w egen A rbeitsunfähigkeit i n de r Höhe von C HF 49'725.00 ne bst m ittlerem V erzugszins z u 5% seit 1. Dezember 2003 zu entrichten.

3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beklagten.

Gegenrechtsbegehren: (gemäss beklagtischer Eingabe vom 22.01.2008)

▪ Auf die Klageänderung sei nicht einzutreten.

Bezirksgericht Küssnacht 6403 Küssnacht am Rigi Proz.Nr.: BZ 05 12 Urteil vom 22.12.2008 nachdem sich ergibt:

1. Mit Klageschrift vom 31.10.2005 (Posteingang am 02.11.2005) machte der Kläger unter gleichzeitiger E inreichung de s W eisungsscheines EK-Nr. 19'033/2005 ( KB 16) den Forderungsprozess mit den eingangs erwähnten Rechtsbegehren rechtshängig (vgl. Dossier A, act. I.).

2. Mit Klageantwortschrift vom 06.12.2005 (Posteingang am 09.12.2005) liess der Beklagte Abweisung der klägerischen Begehren beantragen (vgl. Dossier A, act. II.).

3. Mit Verfügung vom 10.01.2006 wurde das klägerische Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege vom Präsidenten des Bezirksgerichtes Küssnacht abgewiesen (vgl. Dossier A, act. II.a). Den gegen diesen Entscheid erhobenen Rekurs hiess da s K antonsgericht Schwyz m it Beschluss vom 22.12.2006 ( RK1 2006 11) gut und be willigte de m K läger di e une ntgeltliche R echtspflege (vgl. D ossier A, act. II.b).

4. Im Rahmen der zweiten Parteivorträge hielten die Parteien an den gestellten Begehren fest (vgl. Dossier A, act. III. und IV.).

5. Mit Eingabe vom 05.11.2007 nahm der Kläger zum neu eingereichten Beleg BB 5 sowie zu den neuen Vorbringen in der Duplik Stellung; gleichzeitig änderte er sein Rechtsbegehren, indem er de n eingeklagten Betrag au f C HF 49'725.00 e rhöhte (vgl. Dossier A, act. V.).

6. Mit Eingabe vom 22.01.2008 na hm die Beklagte zu den klägerischen Vorbringen vom 05.11.2007 Stellung und beantragte, auf die Klageänderung sei nicht einzutreten (vgl. Dossier A, act. VI.).

7. In Bezug au f de n detaillierten Prozessverlauf s owie di e B egründung d er P arteistandpunkte wird auf di e Akten verwiesen, sofern und s oweit darauf nicht in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen wird.

Bezirksgericht Küssnacht 6403 Küssnacht am Rigi Proz.Nr.: BZ 05 12 Urteil vom 22.12.2008

Erwägungen

1. a) Beweismässig erstellt und unbestritten ist, dass der Kläger als Arbeitnehmer bis zum 30.11.2003 bei der H. AG in Küssnacht am Rigi angestellt gewesen ist. Über seine Arbeitgeberin w ar de r Kläger bei de r Beklagten kr ankentaggeldversichert ( cf. KB 1).

b) Auf Seite 1 des Kollektiv-Krankentaggeldversicherungsvertrages wurde der Begriff „Krankheit“ wie folgt definiert (cf. KB 1): „ Als Krankheit gilt jede Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit, di e ni cht F olge eines U nfalls i st und di e eine medizinische U ntersuchung oder Behandlung erfordert und eine Erwerbsunfähigkeit zur Folge hat. “

c) Gemäss de n al lgemeinen Versicherungsbedingungen w urden Taggelder bi s z um Einsetzen der Leistungen der beruflichen Vorsorge versichert, maximal jedoch 730 Taggelder abzüglich der vereinbarten Wartefrist von 30 Tagen (cf. KB 17, D4, und KB 1, S. 2).

d) Die P arteien s ind s ich e inig, da ss s ich de r T aggeldansatz f ür de n K läger f ür e ine 50%ige Arbeitsunfähigkeit auf CHF 75.50 beläuft (vgl. Dossier A, act. I., S. 7, Ziff. 19.1, und act. II., S. 10, Ziff. 19.1).

2. Am 23.02.2003 erlitt der Kläger einen Skiunfall. In der Folge bezahlte die SUVA Taggelder für eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bis 24.09.2003 (vgl. BB 3, act. 57) und danach bis 30.04.2004 f ür eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit (vgl. BB 3, act. 60 und act. 69).

Unbestritten und erstellt is t, dass di e B eklagte d er A rbeitgeberin des Klägers 3 7 Taggelder für eine 50%ige kr ankheitsbedingte A rbeitsunfähigkeit des Klägers für die Zeit vom 25.09. - 30.11.2003 ausgerichtet hat (cf. BB 1, B 11). Weitere Zahlungen a n de n K läger hat s ie m it de r B egründung abgelehnt, di eser s ei ni cht de rart krank, da ss er ni cht ganztags e inem A rbeitserwerb na chgehen könne ( vgl. D ossier A, act. II., S. 2, sub „Übersicht“).

3. a) Strittig is t, ob und gegebenenfalls in w elchem Umfang di e Beklagte gestützt a uf die mit de r M. AG a m 23.12.2002 a bgeschlossenen Kollektiv-Kran-

Bezirksgericht Küssnacht 6403 Küssnacht am Rigi Proz.Nr.: BZ 05 12 Urteil vom 22.12.2008 kentaggeldversicherung ( KB 1) dem Kläger gegenüber für die Zeit ab 01.12.2003 leistungspflichtig ist.

b) Insbesondere unt er Hinweis a uf di e ä rztlichen Berichte von D r. m ed. J. V. (cf. KB 7 - KB 11) s tellte s ich der K läger i m R ahmen seiner K lageschrift auf de n Standpunkt, e r s ei s eit 01.12.2003 z u 50% a rbeitsunfähig. S ein Anspruch g egenüber de r Beklagten, w elche be reits 280 Taggelder ge leistet ha be ( vgl. Dossier A, act. I., S. 6 ff., Ziff. 16 ff., und Ziff. 19 f.), betrage noch 450 Taggelder à CHF 75.50, was den eingeklagten Betrag ergebe.

Obwohl der Kläger von der Beklagten in der Klageantwortschrift ausdrücklich darauf aufmerksam gemacht worden war, dass bis dato lediglich 37 - und nicht 280 - Taggelder ausbezahlt worden seien, weshalb dem Kläger maximal noch 663 Taggelder zustehen würden (vgl. Dossier A, act. II., S. 9, sub Ziff. 19), hielt dieser replicando explizit am mit der Klage geforderten Betrag in Höhe von CHF 33'978.10 fest (vgl. Dossier A, act. III., S. 2, sub Antrag Ziff. 1, und S. 17, Ziff. 78).

Mit a ls „Triplik“ be zeichneter E ingabe vom 05.11.2007 ( vgl. D ossier A, act . V.) änderte der Kläger sein Klagebegehren, indem er den geforderten Betrag auf CHF 49'725.00 erhöhte.

c) Mit der Beklagten i st grundsätzlich davon auszugehen, dass di e Voraussetzungen für di e Zulassung de r vo rliegenden Klageänderung ni cht ge geben s ind. Einerseits ist in Betracht zu ziehen, dass das Hauptverfahren bereits abgeschlossen war. Dem Kläger wurde am 26.09.2007 lediglich noch die Gelegenheit eingeräumt, zu neuen Vorbringen in der Duplik sowie zu BB 5 Stellung zu nehmen (vgl. Dossier D, act. GA 25). Anderseits hätte es der Kläger in der Hand gehabt, bereits in seiner Klageschrift vom 31.10.2005 Bezahlung der nunmehr geltend gemachten 663 Taggelder zu verlangen, nachdem die Dauer des maximalen Taggeldanspruches bereits damals fraglos abgelaufen war. Spätestens jedoch nach dem Hinweis der Beklagten in der Klageantwort, wonach der m aximale T aggeldanspruch noc h 663 Tage be tragen würde, hätte sich der Kläger veranlasst sehen müssen, seine Berechnungen zu überprüfen und die entsprechende Klageänderung in der Replik vorzunehmen. Dies hat er unverständlicherweise nicht getan.

Im vorliegenden Fall spricht indessen der Aspekt der Prozessökonomie dafür, die Klageänderung trotz alledem zuzulassen. Es macht nämlich Sinn, im vorliegenden

Bezirksgericht Küssnacht 6403 Küssnacht am Rigi Proz.Nr.: BZ 05 12 Urteil vom 22.12.2008

Verfahren auch über den erweiterten Anspruch zu entscheiden, zumal dadurch weder die Rechtsstellung d er Beklagten beeinträchtigt noch das Verfahren verzögert wird. Die Beklagte hat sich zur grundsätzlichen Frage, ob und w ie lange dem Kläger für die Zeit ab dem 01.12.2003 Taggelder zustehen, bereits eingehend im Rahmen ihrer beiden Parteivorträge geäussert (vgl. Dossier A, act. II., S. 9, sub Ziff. 19, und act. IV., S. 6, sub Ziff. 19.2: 93. - 98.).

4. Die Beklagte stellte sich auf den Standpunkt, dass der Kläger ab 01.12.2003, - was seine Krankheiten anbelangt -, wieder in der Lage gewesen sei, ganztags zu arbeiten und da mit mindestens 75% des bei der H. AG verdienten Lohnes zu erzielen, weshalb ab diesem Zeitpunkt kein Taggeldanspruch mehr bestehe (vgl. Dossier A, act. II., S. 8, vor Ziff. 14, und S . 11, a.E., sowie act. IV., S. 2, sub B. / „Übersicht“:

3. - 4.).

Tatsache i st j edoch, da ss D r. m ed. J. V. dem K läger f ür di e Zeit n ach dem 01.12.2003 kr ankheitsbedingte A rbeitsunfähigkeit i m U mfang von 50% a ttestiert hat (vgl. KB 7 - KB 9 sowie BB 2, M7 - 9). Mit Zeugnis vom 24.03.2004 diagnostizierte D r. J. Vanek „ Chronisches S chmerzsyndrom m it S ymptomausweitung be i lumbospondylogenem S chmerzsyndrom m it V erdacht a uf radiukuläres Reizsyndrom links L3/L4 bei kleiner Diskushernie L3/4, Status nach Sturz 23.02.2003. Arterielle H ypertonie. Adipositas“, was zu Rückenschmerzen, welche sich bis anhin als therapieresistent gezeigt hätten, geführt habe. Der Kläger werde medikamentös behandelt; Physiotherapie habe wegen Selbstlimitation des Patienten nur mässigen Erfolg gezeigt. Leichte körperliche Arbeit ohne Rückenbelastung hielt sie für den Kläger indessen als zumutbar, zuerst jedoch in reduziertem Pensum (cf. BB 2, M6).

Mit den im Recht liegenden Arztzeugnissen ist der Kläger seiner ihm gemäss Kollektiv-Krankentaggeldversicherung m it de r Beklagten obl iegenden V erpflichtung, seine A rbeitsunfähigkeit ä rztlich zu be stätigen, na chgekommen. E s hä tte de r B eklagten offen gestanden, im damaligen Zeitpunkt den Kläger, gestützt auf G7 der allgemeinen Versicherungsbestimmungen (cf. KB 17), auf ihre Kosten durch einen von ihr bestimmten Arzt untersuchen zu lassen und s o die Richtigkeit der von D r. J. V. attestierten Arbeitsunfähigkeit infolge Krankheit zu überprüfen. Dies hat die Beklagte jedoch nicht gemacht. A ufgrund der gesamten Aktenlage sieht sich das Gericht nicht veranlasst, daran zu zweifeln, dass der Kläger ab 01.12.2003 krank-

Bezirksgericht Küssnacht 6403 Küssnacht am Rigi Proz.Nr.: BZ 05 12 Urteil vom 22.12.2008 heitsbedingt zu 50% arbeitsunfähig gewesen ist, ihm jedoch grundsätzlich die Aufnahme einer ganztägigen, leichten körperlichen Arbeit zumutbar gewesen wäre.

5. Die Beklagte beruft sich auf die Schadenminderungspflicht des Klägers (vgl. Dossier A, act. IV., S. 3, in der Mitte). Zu Recht, wie im nachfolgend aufzuzeigen ist. Gemäss Art. 61 Abs. 1 VVG ist der Anspruchsberechtigte « verpflichtet, nach Eintritt des befürchteten Ereignisses tunlichst für Minderung des Schadens zu sorgen ». Es geht s omit s elbstverständlich nicht a n, die ä rztliche a ttestierte A rbeitsunfähigkeit be züglich d er bi sherigen, kör perlich a nstrengenden T ätigkeit „ auszusitzen“, die vertraglich maximal zulässigen Taggelder zu beziehen und erst nach Ablauf der Bezugsdauer eine zumutbare Tätigkeit, - hier: eine leichtere körperliche Arbeit ohne Rückenbelastung -, aufzunehmen. V orliegend bl eiben i m Zusammenhang m it de r Schadenminderungspflicht des Klägers folgende Aspekte in Betracht zu ziehen:

  • Bereits mit Schreiben vom 21.10.2003 (cf. BB 3, 44) wurde der Kläger von der SUVA darauf hingewiesen, dass er eine leichte und wechselbelastete Tätigkeit mit vermehrten Pausen unfallbedingt ganztägig ausüben könne.

  • Dr. med. G. N. teilte Dr. V. mit Schreiben vom 15.12.2003 (BB 2, M5) mit, er habe dem Kläger mitgeteilt, dass es aus seiner Sicht sehr wichtig wäre, wenn dieser möglichst bald wieder seine Arbeit aufnehmen könnte.

  • Leichte körperliche Arbeiten ohne Rückenbelastung erachtet Dr. J. V. in ihrem ärztlichen Zwischenbericht vom 24.03.2004 f ür d en Kläger als z umutbar ( cf.

  • Die kreisärztliche Untersuchung der SUVA vom 01.04.2004 ( BB 3, 67 [ S. 3]) ergab, dass der Kläger aus versicherungsmedizinischer Sicht für leichte Arbeiten mit Wechselbelastungen ganztägig einsetzbar ist.

  • Mit Schreiben vom 05.04.2004 (cf. KB 6) teilte die Beklagte dem Kläger mit, sie erachte ihn seit 01.12.2003 als erwerbsfähig. Eine leistungsbegründete Erwerbsunfähigkeit infolge Krankheit liege (seither) nicht (mehr) vor, ab 01.12. 2003 bestehe kein Anspruch auf Krankentaggeldleistungen (mehr); für die Arbeitsfähigkeit sei daher ab 01.12.2003 die Arbeitslosenkasse für ihn zuständig.

  • Mit S chreiben vom 16.03.2005 ( KB 14) an de n klägerischen R echtsvertreter wies die Beklagte den Kläger explizit auf seine Schadenminderungspflicht hin und forderte ihn sinngemäss auf, eine seinem Gesundheitszustand angepasste Tätigkeit aufzunehmen.

Bezirksgericht Küssnacht 6403 Küssnacht am Rigi Proz.Nr.: BZ 05 12 Urteil vom 22.12.2008

Für das Gericht s teht ausser Frage, dass der Kläger aufgrund d es i hm ärztlich attestieren G esundheitszustandes ve rpflichtet gewesen i st, s ich um e ine A nstellung zu bemühen und s eine Arbeitsfähigkeit für eine leichtere körperliche Arbeit ohne Rückenbelastung zu nutzen. Dies hat er nicht getan, obwohl dies dem (damals rund 44jährigen) K läger m öglich und z umutbar g ewesen w äre. G egenteiliges i st de nn auch weder geltend gemacht noch aktenmässig ausgewiesen.

Es ve rsteht s ich von s elbst, da ss de m K läger f ür di e S uche einer n euen A rbeitsstelle z wecks N utzung seiner A rbeitsfähigkeit ei ne ange messene Frist ei ngeräumt werden muss. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung wird eine Frist von drei bis fünf Monaten als angemessen erachtet, wobei diese grundsätzlich mit der Aufforderung des Taggeldversicherers zum Berufswechsel beginnt. Eine solche Aufforderung ist vorliegend in KB 6 (Schreiben Beklagte an Kläger vom 05.04.2004) zu erblicken.

Nach Überzeugung des Gerichts wäre es dem Kläger aufgrund der gegebenen Sachlage, sofern er im Sinne der ihn treffenden Schadenminderungspflicht nach Erhalt des beklagtischen S chreibens vom 05.04.2004 ( KB 6) t ätig geworden wäre, m öglich gewesen, spätestens per 01.08.2004 zu 100% eine Erwerbstätigkeit mit leichterer Arbeit anzutreten. Mit anderen Worten: Die Beklagte trifft eine Leistungspflicht lediglich bis zum 31.07.2004.

6. Aus vor stehenden E rwägungen e rgibt s ich, da ss di e B eklagte z u ve rpflichten i st, dem Kläger das Krankentaggeld ab 01.12.2003 bis 31.07.2004, - mithin für 244 Tage -, z u be zahlen. U nter B erücksichtigung d es u nbestrittenen A nsatzes v on CHF 75.50 pro Tag ergibt sich der Betrag von CHF 18'422.00. Dieser Betrag ist ab dem 01.04.2004 (= mittlerer Verfall) mit dem gesetzlichen Verzugszins von 5% zu verzinsen. In di esem U mfang i st di e K lage da her gutzuheissen, i m da rüber hi nausgehenden Umfang abzuweisen.

7. Die K osten de s vor liegenden V erfahrens be stehen a us e iner G erichtsgebühr von CHF 2'500.00, d en A usfertigungs- und R edaktionskosten von C HF 500.00 s owie den Barauslagen und Zustellgebühren von C HF 400.00. G esamthaft e rgeben s ich Verfahrenskosten in Höhe von CHF 3'400.00.

Bezirksgericht Küssnacht 6403 Küssnacht am Rigi Proz.Nr.: BZ 05 12 Urteil vom 22.12.2008

8. Die G erichtskosten w erden i n de r R egel de r unt erliegenden P artei a uferlegt. O bsiegt keine Partei vollständig, so werden die Kosten verhältnismässig verteilt (§ 59 Abs. 2 ZPO).

Der Streitwert beträgt CHF 49'725.00. Der Kläger obsiegt mit seiner Klage im Umfang von C HF 18'422.00 ( = r und 37% bz w. ⅜) bzw. unterliegt im Umfang von CHF 31'303.00 (= rund 63% bzw. ⅝). Bei der Beklagten verhält es sich umgekehrt. Es rechtfertigt sich, die Verfahrenskosten zu⅝ (= CHF 2'125.00) dem Kläger und zu ⅜ (= CHF 1'275.00) der Beklagten zu überbinden.

Infolge Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege ist der Kläger von der Bezahlung seines Gerichtskostenanteils (= CHF 2'125.00) befreit, allerdings unter Vorbehalt von § 81 ZPO.

9. Unter Berücksichtigung aller Umstände des vorliegenden Verfahrens (d.h. S treitwert, Verfahrensumfang, anw altliche Vertretung der Parteien) er scheint be idseits eine ausserrechtliche Entschädigung in Höhe von CHF 5'000.00 (inkl. Barauslagen und MwSt) als angemessen.

Die Parteien haben diese Entschädigungen im gleichen Verhältnis zu tragen wie die Gerichtskosten (cf. § 62 Abs. 1 ZPO). Demgemäss hat der Kläger die Beklagte mit CHF 1'250.00 (= ⅝ ./. ⅜ von CHF 5'000.00) ausserrechtlich zu entschädigen.

10. Das A rmenrechtshonorar des kl ägerischen R echtsvertreters ( d.h. RA M. B.) wird gestützt auf § 5 GebTRA auf C HF 4'500.00 (inkl. B arauslagen und M wSt) festgesetzt. Dem kl ägerischen Rechtsvertreter i st di eser B etrag na ch Eintritt de r Rechtskraft dieses Entscheides aus der Gerichtskasse zu überweisen.

11. Gegen diesen Entscheid da s R echtsmittel de r B erufung a n da s K antonsgericht Schwyz gegeben (§ 190 Ziff. 1 ZPO). Bezüglich der Einzelheiten wird auf das Dispositiv verwiesen.

Bezirksgericht Küssnacht 6403 Küssnacht am Rigi Proz.Nr.: BZ 05 12 Urteil vom 22.12.2008 durch Urteil erkannt :

1. In t eilweiser G utheissung d er K lage w ird die Beklagte ve rpflichtet, dem K läger CHF 18'422.00 nebst 5% Zins seit 01.04.2004 zu bezahlen. Im darüber hinausgehenden Umfang wird die Klage abgewiesen.

2. Die Kosten dieses Verfahrens bestehen aus einer Gerichtsgebühr von CHF 2'500.00, den Ausfertigungs- und Redaktionskosten von CHF 500.00 sowie den Barauslagen und den übrigen Gebühren von CHF 400.00 und betragen gesamthaft CHF 3'400.00. Diese Kosten werden dem Kläger zu ⅝ (= CHF 2'125.00) und de r Beklagten zu⅜ (= CHF 1'275.00) überbunden. Infolge Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege ist der Kläger von der Bezahlung seines Gerichtskostenanteils (= CHF 2'125.00) unter Vorbehalt von § 81 ZPO befreit. Die Beklagte hat den ihr auferlegten Gerichtskostenanteil (= CHF 1'275.00) mittels beiliegendem Einzahlungsschein i nnert 30 Tagen s eit de r Zustellung di eses E ntscheides dem Bezirksgericht Küssnacht (PC-Konto-Nr. 60-19347-7) zu überweisen.

3. Der Kläger wird verpflichtet, die Beklagte mit insgesamt CHF 1'250.00 (inkl. Barauslagen und MwSt) ausserrechtlich zu entschädigen.

4. Das A rmenrechtshonorar des kl ägerischen Rechtsvertreters ( RA M. B.) wird auf CHF 4'500.00 (inkl. Barauslagen und MwSt) festgesetzt und ihm nach Eintritt der Rechtskraft dieses Entscheides aus der Gerichtskasse überwiesen.

5. Gegen diesen Entscheid kann innert zwanzig (20) Tagen seit dessen Zustellung bei der ersten Instanz, (d.h. beim Bezirksgericht Küssnacht, Postfach 170, 6403 Küssnacht am Rigi), s chriftlich B erufung m it de n B erufungsanträgen a n das Kantonsgericht Schwyz erklärt werden, wobei diese Rechtsmitteleingabe in vierfacher Ausfertigung einzureichen ist (§ 190 Ziff. 1 ZPO und § 192 Abs. 1 ZPO; § 19 GO, § 28 Abs. 1 GO und § 86 Abs. 1 GO).

6. Zustellung an: - den klägerischen Rechtsvertreter (AR.; im Doppel); - den beklagtischen Rechtsvertreter (AR.; im Doppel; samt ES).

Bezirksgericht Küssnacht 6403 Küssnacht am Rigi Proz.Nr.: BZ 05 12 Urteil vom 22.12.2008

BEZIRKSGERICHT KÜSSNACHT

Der Gerichtspräsident: Der Gerichtsschreiber:

(lic. iur. Benno Neidhart) (lic. iur. Viktor Kälin)

Versand am:

Provisions amended since

This decision construes provisions whose act has since been consolidated again. Whether the article itself changed is not recorded.

  • Swiss Civil Procedure Code, Art. 59, Art. 62, Art. 81, Art. 190, and Art. 192 — read in the version of January 1, 2007; the act was consolidated again on January 1, 2011, January 1, 2012, January 1, 2013, May 1, 2013, July 1, 2014, January 1, 2016, January 1, 2017, January 1, 2018, January 1, 2020, July 1, 2020, January 1, 2021, January 1, 2022, July 1, 2022, January 1, 2023, September 1, 2023, January 1, 2025, and July 1, 2026.
  • Bundesgesetz über den Versicherungsvertrag, Art. 61 — read in the version of January 1, 2008; the act was consolidated again on January 1, 2009, July 1, 2009, January 1, 2011, January 1, 2022, September 1, 2023, and January 1, 2024.