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2024.BKD.817

Geschäftsbericht 2023 der Pädagogischen Hochschule Bern (PHBern). Kenntnisnahme

June 5, 2024German9 min

Source be.ch

Regierungsratsbeschluss RRB Nr.: 578/2024 Datum RR-Sitzung: 5. Juni 2024 Direktion: Bildungs- und Kulturdirektion Geschäftsnummer: 2024.BKD.817 Klassifizierung: Nicht klassifiziert

Geschäftsbericht 2023 der Pädagogischen Hochschule Bern (PHBern). Kenntnisnahme

Erwägungen

1. Gegenstand

Die Aufgaben, Ziele und Vorgaben für die PHBern sind im Gesetz vom 8. September 2004 über die deutschsprachige Pädagogische Hochschule (PHG; BSG 436.91), in der Bildungsstrategie des Kantons Bern sowie im Leistungsauftrag des Regierungsrates vom 15. Dezember 2021 an die PHBern für die Jahre 2022–2025 (RRB 1469/2021, 1318/2022) und im Leistungsauftrag der Bildungs- und Kulturdirektion vom 17. September 2021 an die PHBern für die Jahre 2022–2025 in den Bereichen Weiterbildung und Dienstleistungen festgelegt.

Der Regierungsrat stellt zuhanden des Grossen Rates fest, dass die PHBern im Berichtsjahr gute Leistungen erbracht hat. Ihr Geschäftsbericht zeigt auf, dass sie erfolgreich im Rahmen ih- rer vorgegebenen Aufgaben und Ziele tätig war. Folgende Punkte sind besonders hervorzuhe- ben:

− An der PHBern waren im Studienjahr 2023/2024 (Stichdatum 15. Oktober 2023) 3207 1 Studie- rende in den Grundausbildungsstudiengängen (Primarstufe, Sekundarstufe I, Sekundarstufe II und Schulische Heilpädagogik) immatrikuliert (Vorjahr: 3036 Studierende 2). Das Wachstum der Anzahl immatrikulierter Personen gegenüber dem Vorjahr betrug damit 5,6 %. Sämtliche Institute verzeichneten eine Zunahme an Studierenden.

− Der Zunahme der Anzahl an der PHBern immatrikulierten Studierenden steht allerdings eine abnehmende Studienintensität und somit eine längere durchschnittliche Studiendauer gegen- über, denn aufgrund des anhaltenden Lehrpersonenmangels sind viele Studierende der PHBern bereits stark in der Unterrichtstätigkeit engagiert. Deswegen ist neben den Studieren- denzahlen vermehrt die Entwicklung der Anzahl immatrikulierter Erstsemestriger (Neueintritte) zu berücksichtigen3. Diese ist im Vergleich zum Vorjahr über das gesamte Angebot der Grund- ausbildungen hinweg stabil geblieben. Ein Rückgang der Neueintritte ist allerdings bei mehre- ren Studienangeboten der Sekundarstufe I festzustellen (–64 Studierende bzw. –16 %). Bei den Studienangeboten, welche zu einem Lehrdiplom für die Primarstufe führen, ist im Regel- studiengang ebenfalls ein Rückgang zu verzeichnen (–36 Studierende bzw. –13 %), möglich- erweise teilweise verursacht durch einen Verlagerungseffekt aufgrund des neu eingeführten, nur kantonal anerkannten Studiengangs Primarstufe mit Berufsmaturität (+27 Studierende).

Studierende der Regelstudiengänge inkl. Studierende der Erweiterungs- und Ergänzungsausbildungen ohne paralleles Regelstudium und inkl. Studie- rende Fachdidaktikzentren. Quelle: Studierendenstatistik der PHBern (https://www.phbern.ch/ueber-die-phbern/hochschule/portraet/statistiken). Seit dem 1. Februar 2023 wird das PH-Institut NMS als eigenständiges Hochschulinstitut geführt und ist somit nicht mehr Teil der Studierendenstatistik der PHBern. Für den Vergleich HS 2023 mit dem HS 2022 werden auch im Jahr 2022 die Studierendenzahlen ohne PH-Institut NMS als Referenzgrösse

verwendet. Da die Zahlen des BFS nicht im selben Detaillierungsgrad aufgeschlüsselt werden können, werden die Daten des Geschäftsbericht s der PHBern (S. 13) verwendet. Zudem erfasst das BFS nicht das gesamte Angebot der PHBern; so kann es bspw. die rein bernisch anerkannten Studienangebote «Lehrdip- lom Sekundarstufe I – Fachdiplom» sowie «Lehrdiplom Primarstufe (ohne EDK-Anerkennung) » nicht abbilden.

Zusammengenommen sind die Neueintritte für Primarstufenausbildungen im Vergleich zum Vorjahr weitgehend stabil geblieben. Positiv haben sich die Neueintritte bei den Studienange- boten der Sekundarstufe II (+41 Studierende bzw. 42 %) und der Heilpädagogik (+26 Studie- rende bzw. 25 %) entwickelt.

− An den pädagogischen Hochschulen der Schweiz waren im Herbstsemester 2023 gemäss dem Bundesamt für Statistik (BFS) 23 6544 Studierende immatrikuliert. Dies entspricht einem Wachstum, gemäss Daten des BFS 5, von 1,0 %. Das Wachstum der Studierendenzahlen an der PHBern beträgt gemäss BFS 5,5 %; die PHBern ist weiterhin die drittgrösste pädagogi- sche Hochschule der Schweiz.

− Die Anzahl der ausserkantonalen Studierenden in den Grundausbildungsstudiengängen der PHBern (1105 per Stichdatum 15. Oktober 2023 6) ist – wie bereits in den Vorjahren – wesent- lich höher als die Anzahl der Berner Studierenden in Grundausbildungsstudiengängen an aus- serkantonalen pädagogischen Hochschulen (416 per Stichdatum 15. Oktober 2023).

− Der Kanton Bern würdigt das intensive Engagement der PHBern im Zusammenhang mit den Herausforderungen zum Lehrpersonenmangel und die stetige Weiterentwicklung der Studien- pläne für ein noch flexibleres Studium. Dies ermöglicht den Studierenden das Studium berufs- begleitend zu absolvieren. Gemäss einer Onlineumfrage der PHBern bei ihren Studierenden im März 2023 waren 69 % der Befragungsteilnehmenden am Stichtag an einer Schule ange- stellt.

− Einen aktiven Beitrag leistet die PHBern auch gegen den Mangel an Schulischen Heilpädago- ginnen und Heilpädagogen. Etwa 80 % der Studierenden absolvieren das Studium berufsbe- gleitend. Beim berufsbegleitenden Studium kann die berufspraktische Ausbildung an den eige- nen Schulklassen oder im Modell Praktikum in Praktikumsklassen absolviert werden Die Stu- dierenden werden dabei durch die Dozierenden des Instituts für Heilpädagogik eng begleitetet.

− Ebenfalls um dem Fachkräftemangel im Bereich der Sonderpädagogik entgegenzuwirken, hat die PHBern für Personen ohne heilpädagogische Ausbildung, die im Bereich der Sonderpäda- gogik arbeiten, gezielte Angebote konzipiert. Diese zielen darauf ab, Personen für die tägliche Arbeit mit Schülerinnen und Schülern bestmöglich zu stärken und durch Einblicke in relevante Aspekte der Schulischen Heilpädagogik eine erste Orientierung in diesem vielschichtigen Ar- beitsfeld zu vermitteln.

− Im Herbst 2023 ist der Studiengang Primarstufe ohne EDK-anerkanntes Lehrdiplom mit 27 Studierenden gestartet. Mit dem neuen Studiengang kommt die PHBern dem Beschluss des Grossen Rats (Änderung PHG) nach, Personen mit einer Berufsmaturität eine prüfungsfreie Zulassung zu einem Studiengang Primarstufe zu eröffnen.

− Darüber hinaus bietet die PHBern für Unterrichtende ohne Lehrdiplom verschiedene Weiterbil- dungs- und Beratungsangebote an, die auf eine grosse Nachfrage treffen. Ein Beispiel hierfür ist das als Pilotveranstaltung im Sommer 2023 durchgeführte zweiwöchige «Sommer Camp», welches die Teilnehmenden auf den Berufseinstieg vorbereiten soll und Kenntnisse in Frage- stellungen des Lehrberufes vermittelt, oder auch der im Herbst 2023 gestartete CAS-Lehrgang für Lehrerinnen und Lehrer mit ausländischem Diplom.

Stand: 28. März 2024 Das BFS berücksichtigt folgende Angebote nicht: kantonale Angebote, die nicht EDK-anerkannt sind; Facherweiterungsstudien; Kooperationsstudien- gänge (Fachdidaktikzentren, Bilingualer Studiengang). ohne Studierende FDZ Sport, FDZ NMG-NE und IVP Bilingualer Studiengang (Immatrikulation an der HEP-BEJUNE)

− An der PHBern wurden im Kalenderjahr 2023 44 laufende Forschungs- und Entwicklungspro- jekte gezählt. Davon finden 11 Forschungsprojekte in Kooperation mit anderen Institutionen wie Hochschulen, Bundesämtern, kantonalen Ämtern, Stiftungen usw. statt. Der Anteil der For- schungserträge aus Drittmitteln erhöhte sich im Berichtsjahr um CHF 440 000 auf CHF 2 602 000 und entspricht 2,7 % (Vorjahr 2,3 %) des betrieblichen Ertrags.

− Im Rechnungsjahr 20227 sind die jährlichen Kosten pro Vollzeitäquivalent eines/einer Studie- renden der Grundausbildungen der PHBern (Durchschnittswert aller Grundausbildungsstudi- engänge) leicht um 1,5 % gestiegen. Sie liegen aber weiterhin unter dem gesamtschweizeri- schen Durchschnitt (dieser ist im gleichen Zeitraum um 3,2 % gestiegen).

− In der Jahresrechnung 2023 schliesst die PHBern mit einem Verlust von CHF 1 292 000 ab (Vorjahr: Gewinn von CHF 1 296 000). Damit fällt das Resultat schlechter als in der Finanzpla- nung und den Hochrechnungen vorausgesehen aus. Die grössten Veränderungen zum Vor- jahr auf der Ertragsseite der Erfolgsrechnung sind die budgetgemässe Erhöhung des Kantons- beitrags um 1 % sowie höhere Studiengelder, Forschungserträge und höhere übrige Erträge. Auf der Aufwandsseite fielen ein deutlich höherer Personalaufwand aufgrund von Besetzungen von Vakanzen, Neuanstellungen und Pensenerhöhungen (aufgrund Studierendenwachstum, Erhöhung der Praktikawochen) an. Des Weiteren fielen die FHV-Beiträge tiefer als geplant aus, da sich die Studienintensität reduziert hat.

− Die PHBern weist per 31. Dezember 2023 ein negatives Eigenkapital von CHF –9,19 Mio. aus. Die finanzielle Planung der kommenden Jahre zeigt, dass die Verluste voraussichtlich weiter stark wachsen werden. Die PHBern muss vermehrt Aufwendungen, die ausserhalb ihrer Ein- flussmöglichkeiten liegen, aus ihren selbst erarbeiteten Erträgen decken. Insbesondere führt das Lohnsummenwachstum im Rahmen der vom Regierungsrat beschlossenen Gehaltsmass- nahmen zu beträchtlichen Mehraufwendungen, welche nur teilweise durch das Wachstum des Kantonsbeitrags kompensiert werden. Der vom Regierungsrat in den Gehaltsmassnahmen be- rücksichtigte Teuerungsausgleich akzentuiert diese Problematik der strukturellen Unterfinan- zierung. Dieser Entwicklung wird bei der Überprüfung und Festlegung der Kantonsbeiträge im Rahmen des nächsten Leistungsauftrags 2026-2029 Rechnung getragen werden müssen. Da- bei werden neben der allgemeinen Finanzsituation des Kantons auch interkantonale Ver- gleichsgrössen und die Finanzsituation der PHBern (inkl. der Entwicklung ihrer Erträge) zu be- rücksichtigen sein. Erfolgen keine Massnahmen, würde dies der PH zunehmend erschweren, im Wettbewerb um Studierende und Drittmittel ihre Position zu behaupten.

− Zur Überprüfung der Umsetzung des Legislaturziels Aufbau und Betrieb des Kompetenzzent- rums BeLEARN der Berner Hochschulen, wurde gleichzeitig mit der Erteilung der Leistungs- aufträge an die Hochschulen ein separater Controlling-Zyklus definiert: Für BeLEARN wird dem Amt für Hochschulen jährlich eine eigene Berichterstattung zu vordefinierten Kenngrös- sen unterbreitet. Das erste reguläre Controlling-Gespräch zum Reporting fand Ende Mai 2023 für das Geschäftsjahr 2022 statt. Das Reporting hat aufgezeigt, dass sich die Anzahl der BeLEARN-Projekte der fünf Hochschulen erfreulich entwickelt hat und bereits bei deutlich über 40 liegt. Auch die durchgeführten Referate und Tagungsbeteiligungen von BeLEARN liegen über der antizipierten Messgrösse. Entwicklungsfähig sind Stand 2023 insbesondere jene Pro- jekte, die gemeinsam mit weiteren Partnern verfolgt werden, welche nicht zum Kern von BeLEARN gehören. Solche Projekte sollen die Ausstrahlung und Wirkung von BeLEARN als nationales Kompetenzzentrum zusätzlich verstärken.

Es können lediglich Aussagen für das Rechnungsjahr 2022 gemacht werden, da die offiziellen BFS-Zahlen zu den Finanzen der pädagogischen Hoch- schulen erst im August 2024 für das Jahr 2023 publiziert werden.

− Die Umsetzung des Leistungsauftrags 2022–2025 (Studienjahr 2022/2023) wurde durch die Bildungs- und Kulturdirektion im jährlichen Controllinggespräch mit der PHBern vom 18. De- zember 2023 geprüft. Die Bildungs- und Kulturdirektion stellte fest, dass die PHBern den ihr durch die Gesetzgebung erteilten Auftrag umfassend und in sehr guter Qualität erfüllt und dass die PHBern die Zielvorgaben des Leistungsauftrags des Regierungsrates und der Bildungs- und Kulturdirektion erreicht oder übertroffen hat. Der direktionsübergreifende Koordinations- ausschuss Controlling Hochschulen befasste sich am 24. April 2024 mit dem Geschäftsbericht der PHBern.

2. Rechtsgrundlagen

− Gesetz vom 8. September 2004 über die deutschsprachige Pädagogische Hochschule (PHG; BSG 436.91), Art. 48 Abs. 2 und Art. 74b Abs. 2

− Verordnung vom 16. November 2022 über die deutschsprachige Pädagogische Hochschule (PHV; BSG 436.911), Art. 62 Abs. 3

3. Beschluss

Aufgrund des Antrags der Bildungs- und Kulturdirektion wird beschlossen:

1. Der Geschäftsbericht 2023 der Pädagogischen Hochschule Bern wird zur Kenntnis genom- men.

2. Gestützt auf Artikel 74b, Absatz 2 des Gesetzes vom 8. September 2004 über die deutsch- sprachige Pädagogische Hochschule (PHG; BSG 436.91) beantragt der Regierungsrat dem Grossen Rat, vom Bericht Kenntnis zu nehmen.

Im Namen des Regierungsrates

Christoph Auer Staatsschreiber

Verteiler ‒ Grosser Rat ‒ Bildungs- und Kulturdirektion

Beilagen ‒ Geschäftsbericht 2023 der PHBern