Kantonsspital Winterthur, Geschäftsbericht und Bericht über die Umsetzung der Eigentümerstrategie für das Jahr 2022, Genehmigung
Auszug aus dem Protokoll des Regierungsrates des Kantons Zürich Sitzung vom 10. Mai 2023
592. Kantonsspital Winterthur, Geschäftsbericht und Bericht über die Umsetzung der Eigentümerstrategie für das Jahr 2022 (Genehmigung)
Erwägungen
A. Ausgangslage Das Kantonsspital Winterthur (KSW) ist verantwortlich für die über- regionale medizinische Versorgung. Das KSW unterstützt die Forschung und Lehre der Hochschulen und die Aus-, Weiter- und Fortbildung in Berufen des Gesundheitswesens (§ 2 Gesetz über das Kantonsspital Winterthur [KSWG, LS 813.16]). Gemäss § 11 Abs. 3 Ziff. 2 KSWG erstellt die Spitaldirektion die Re- chenschaftsberichte und den Antrag zur Gewinnverwendung bzw. zur Deckung des Verlusts zuhanden des Spitalrates. Der Spitalrat verab- schiedet die Rechenschaftsberichte und den Antrag zur Gewinnver- wendung bzw. zur Deckung des Verlusts zuhanden des Regierungsrates (§ 10 Abs. 3 Ziff. 5 KSWG), und dieser verabschiedet sie zuhanden des Kantonsrates (§ 8 Ziff. 6 KSWG). Dem Kantonsrat wiederum obliegt gemäss § 7 Ziff. 3 KSWG die Genehmigung, wobei die Genehmigung der Gewinnverwendung bzw. der Deckung des Verlusts aufgrund des direk- ten Sachzusammenhangs zusammen mit der Genehmigung der Staats- rechnung erfolgt. Die vom Kantonsrat zu genehmigende Jahresrechnung des KSW entspricht im Saldo der Rechnung der Leistungsgruppe Nr. 9520 und ist damit Teil der Staatsrechnung. Der Spitalrat hat den umfassenden Geschäftsbericht des KSW für das Jahr 2022 mit Beschluss vom 14. April 2023 genehmigt. Darüber hinaus erstattete der Spitalrat der Gesundheitsdirektion als für das Gesundheitswesen zuständigen Direktion des Regierungsrates Bericht über die Umsetzung der Eigentümerstrategie (§ 10 Abs. 3 Ziff. 3 KSWG). Gestützt darauf erstellte die Gesundheitsdirektion ihren Bericht über die Umsetzung der Eigentümerstrategie des KSW, der vom Regie- rungsrat zu genehmigen und anschliessend dem Kantonsrat zur Geneh- migung vorzulegen ist (§§ 7 Ziff. 5 und 8 Ziff. 9 KSWG).
B. Geschäftsbericht 2022 im Einzelnen Das KSW und seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter waren in die- sem Berichtsjahr erneut stark gefordert. Das KSW musste aufgrund des verschärften Fachkräftemangels die Behandlungskapazitäten laufend anpassen. Dies hat sich auch in den Finanzkennzahlen bemerkbar ge- macht.
Als Folge der eingeschränkten Behandlungskapazitäten ist die Zahl der stationär behandelten Patientinnen und Patienten mit rund 26 802 gegenüber dem Vorjahr um 4,7% gesunken. Die durchschnittliche Auf- enthaltsdauer ist von 4,8 Tagen auf 4,9 Tage leicht angestiegen. Der Case Mix Index, der den durchschnittlichen Schweregrad der Fälle angibt, hat sich gegenüber dem Vorjahr nochmals leicht erhöht von 1,039 auf 1,047. Der Anteil der zusatzversicherten Patientinnen und Patienten ist nur mar- ginal um 0,4% auf 20,0% gesunken. Dafür ist eine deutliche Leistungs- steigerung im ambulanten Bereich ersichtlich: Die Anzahl Taxpunkte für ambulante Behandlungen ist um 5,7% von 133 Mio. auf 140,5 Mio. im Berichtsjahr gestiegen. Von den 140,5 Mio. Taxpunkten für ambulante Behandlungen sind 130,7 Taxpunkte im Tarmed-Bereich angefallen. Das KSW ist im Berichtsjahr in das neue Spitalgebäude «Didymos» mit modernster Infrastruktur eingezogen. Damit hat das KSW in infra- struktureller wie auch in versorgungstechnischer Hinsicht einen wich- tigen Meilenstein erreicht. Mit der Eröffnung des ambulanten Opera- tionszentrums (AOZ) hat das KSW die Strategie «ambulant vor stationär» erfolgreich vorangetrieben. Seit der Eröffnung im Spätsommer wurden bis zum Jahresende im AOZ insgesamt 2461 ambulante Operationen durchgeführt.
C. Bericht über die Umsetzung der Eigentümerstrategie und Gesamtbeurteilung Das KSW hat zu Beginn des Berichtsjahres die Führungsstruktur an- gepasst. Dadurch soll auf das fortschreitende Wachstum, die steigende Komplexität und zunehmende Spezialisierung rechtzeitig reagiert werden. Der Fachkräftemangel stellt weiterhin eine zentrale Herausforderung für das KSW dar, das durch die hohe Belastung wegen der Covid-19-Pan- demie, RSV-Infektionen und das hohe Aufkommen im Notfall nochmals verschärft wurde. Daher mussten zeitweise Bettenschliessungen vorge- nommen werden. Dies führte wiederum zu Ertragsausfällen. Um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, hat das KSW im Berichtsjahr Massnahmen zur Personalgewinnung angestossen und Verbesserung für das Personal umgesetzt. Die Fluktuationsrate ist gestiegen, liegt aber mit 12,9% immer noch unter dem Benchmark von 13,6%. Die Assistenz- ärztinnen und Assistenzärzte sind gemäss interner Befragung mit der Weiterbildung am KSW sehr zufrieden. Das KSW schliesst das Berichtsjahr mit einem Jahresverlust von 23,4 Mio. Franken ab. Die EBITDA-Marge liegt mit 1,5% deutlich unter- halb der Eigentümervorgabe von 10,0% und gleichzeitig ist die Eigen- kapitalquote im Vorjahresvergleich von 57,5% auf 56,0% gesunken. Zum Jahresverlust haben einerseits die steigenden Kosten, anderseits die nicht
deckenden Kosten im ambulanten Bereich und der Rückgang im statio- nären Bereich geführt. Zudem haben höhere Aufwendungen im Zusam- menhang mit dem neuen Spitalgebäude das Ergebnis belastet. Die Qualitätsdaten des KSW liegen, abgesehen von wenigen Ausnah- men, im schweizerischen Durchschnitt. Im Berichtsjahr hat das KSW mittels Digitalisierung in die Netzwerk- fähigkeit investiert, um seine Kooperationen zu stärken. Insbesondere wurde die Zusammenarbeit mit dem GZO Spital Wetzikon in den chi- rurgischen Fächern intensiviert. Zudem konnte die Kooperation mit dem Spital Bülach durch die Zertifizierung des gemeinsamen Brustzentrums Winterthur Bülach vertieft werden. Auch wenn das KSW kein Universitätsspital ist, hat die Forschung einen hohen Stellenwert im KSW. Als Zentrumsspital nimmt das KSW an vielen klinischen Studien teil, um mehr Know-how über neue Behandlungs- möglichkeiten zu gewinnen. Dies erhöht auch die Attraktivität des KSW für Fachkräfte mit Forschungsinteresse und ermöglicht Patientinnen und Patienten den frühen Zugang zu neuen Behandlungen. Mit dem Neubau «Didymos» hat das KSW nicht nur neue Räumlich- keiten für Mitarbeitende, Patientinnen und Patienten geschaffen, die den heutigen Anforderungen eines modernen Spitals gerecht werden, son- dern auch die Behandlungsabläufe optimiert und damit die Behand- lungsqualität gesteigert. Weiter stosst der Neubau als erstes Spitalge- bäude im Kanton Zürich, das nach Minergie-P-Eco zertifiziert ist, rund 75% pro Quadratmeter weniger CO2 als das alte Hochhaus aus. Zudem wurden im Berichtsjahr die ersten Schritte des Masterplans vom Spital- rat genehmigt, wodurch die Vorbereitungen für den nächsten Neubau getroffen werden können.
Fazit Im Berichtsjahr hat das KSW gezeigt, dass es seine unternehmerische Verantwortung auch in schwierigen Situationen wahrnimmt und bestrebt ist, die Erwartungen des Eigentümers optimal zu erfüllen. Aufgrund des erheblichen Engpasses beim Personal mussten Betten geschlossen werden. Zudem haben das RS-Virus und der starke Anstieg der Anzahl Notfall- patientinnen und -patienten die Notfallstation und die Kinderklinik an ihre Grenzen gebracht. Die Versorgung konnte bei dieser schwierigen Ausgangslage trotzdem gut sichergestellt werden. Aus Eigentümersicht gebührt den Mitarbeitenden für deren Einsatz viel Anerkennung und Dank. Trotz der Herausforderungen hat das KSW seine Unternehmens- strategie weiterverfolgt und wichtige Entscheidungen getroffen, um das Spital erfolgreich weiterzuentwickeln. Hierzu zählten die Einführung
einer neuen Führungsorganisation, die Inbetriebnahme des Neubaus, die Erweiterung des Leistungsspektrums sowie zahlreiche Massnahmen zur Steigerung der Attraktivität als Arbeitgeber.
Erwartungen Der Eigentümer hat die folgenden Erwartungen an das KSW, wobei die Zielerreichung auf Basis der Berichterstattung (Quartals- und Jah- resberichte) sowie im Rahmen der vierteljährlichen Eigentümergespräche überprüft wird: – Strategische Schwerpunkte: Die spitalinternen Prozesse, besonders im Notfallzentrum, sind zu evaluieren und zu optimieren, um die dem KSW zugeteilten Leistungsaufträge jederzeit erfüllen zu können. Die Positionierung als Zentrumsspital ist weiter zu stärken und auszu- bauen. – Qualität: Bei den Messungen der medizinischen Ergebnisqualität sind in allen Bereichen die Erwartungswerte zu erreichen und die Patientenzufriedenheit ist weiter zu verbessern. – Personal: Die Arbeitgeberattraktivität ist weiter zu erhöhen und die Fluktuationsrate auf tiefem Niveau zu stabilisieren. – Kooperationen: Das KSW hat eine Kooperationsstrategie zu entwi- ckeln. – Unternehmensorganisation und -kultur: Die neu erarbeitete Orga- nisationsstruktur, die Vision und das Leitbild sollen im Arbeitsalltag nachhaltig verankert werden. – Infrastruktur: Die Modernisierung der Infrastruktur ist weiter vor- anzutreiben. – Finanzen: Die finanzielle Situation des KSW soll verbessert und die Eigentümervorgaben mittelfristig wieder erreicht werden. – Risikomanagement: Die etablierten Instrumente (Risikomanage- ment, internes Kontrollsystem und Compliance-Management) sind systematisch anzuwenden und weiterzuentwickeln. – Digitalisierung: Das KSW hat Synergien unter den vier kantonalen Spitälern bei der Digitalisierung und insbesondere im Bereich Cyber- security zu nutzen.
Dispositiv
Auf Antrag der Gesundheitsdirektion beschliesst der Regierungsrat:
I. Der Geschäftsbericht des Kantonsspitals Winterthur für das Jahr 2022 wird genehmigt und zuhanden des Kantonsrates verabschiedet.
II. Der Bericht über die Umsetzung der Eigentümerstrategie für das Kantonsspital Winterthur für das Jahr 2022 wird genehmigt und zuhan- den des Kantonsrates verabschiedet.
III. Mitteilung an das Kantonsspital Winterthur, Brauerstrasse 15, 8401 Winterthur, sowie an die Finanzdirektion und die Gesundheitsdirek- tion.
Vor dem Regierungsrat Die Staatsschreiberin:
Kathrin Arioli