Lexipedia
HomeNewsBrowseDirectory
TermsPrivacySupport
Sign in

Der Schweizer Spitzensport nach Athen 2004

8201 · Amtliches Bulletin

Dated Dec 6, 2004

https://lexipedia.io/en/docs/ch/ab-bo-bu/8201/de/der-schweizer-spitzensport-nach-athen-2004

Retrieved on Sep 6, 2026

  1. Documents
  2. Confederation
  3. Official Bulletin
Source

Parliamentary business: Der Schweizer Spitzensport nach Athen 2004 (04.3576)

04.3576

Der Schweizer Spitzensport nach Athen 2004

Frick Bruno · 1VP-M · Ständerat · Schwyz · Christlichdemokratische Fraktion

Ist der Interpellant von der schriftlichen Antwort des Bundesrates befriedigt?

Reimann Maximilian · Mit-M · Ständerat · Aargau · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei

Ich kann mich von der Antwort des Bundesrates im Grossen und Ganzen befriedigt erklären, auch wenn die Meinung des Bundesrates und meine eigene betreffend den aktuellen Stand unseres Spitzensportes im internationalen Vergleich nicht deckungsgleich sind. Um mich noch präziser ausdrücken zu können, bitte ich um Diskussion.

Frick Bruno · 1VP-M · Ständerat · Schwyz · Christlichdemokratische Fraktion

Herr Reimann beantragt Diskussion. - Sie sind damit einverstanden.

Reimann Maximilian · Mit-M · Ständerat · Aargau · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei

Ich möchte zunächst vorausschicken, dass ich seit mehr als einem Jahrzehnt die Ehre habe, die parlamentarische Gruppe Sport zu präsidieren. In dieser Zeit habe ich den Bundesrat nie mit sportpolitischen Vorstössen beschäftigt, womit immerhin bewiesen ist, dass unsere Gruppe keine irgendwie geartete Lobbyorganisation darstellt - im Gegenteil: Es geht uns ausschliesslich um die Sache, und wir zeigen unsere Sorge, wenn wir das Gefühl haben, es laufe im Sport nicht mehr so, wie wir es an sich erwarten. In diesem Licht ist auch die vorliegende Interpellation zu betrachten. Sie ist von meiner ständerätlichen Kollegin und von meinen Kollegen im Vorstand der Gruppe Sport mitunterzeichnet worden. Gemeinsam ist uns dabei, dass wir uns eine leichte Enttäuschung über den Trend und die Schweizer Bilanz an den Olympischen Spielen in Athen nicht verkneifen können. Uns ist ebenso die Haltung gemeinsam, dass für Erfolge im Spitzensport grundsätzlich nicht der Staat in die Pflicht zu nehmen ist, sondern unsere Zivilgesellschaft, angeführt von den nationalen Sportverbänden.

Aber für eine Optimierung der öffentlich-rechtlichen Rahmenbedingungen haben Bund, Kantone und, wenn immer möglich, auch die Gemeinden schon geradezustehen. Und das ist ja auch ein Anliegen unserer parlamentarischen Gruppe Sport. In diesem Geiste wollten wir primär wissen, wie stark das Engagement des Bundes - natürlich im Rahmen von Gesetzes- und Budgetkompetenz - für sportliche Spitzenerfolge von Schweizerinnen und Schweizern überhaupt ist. Es kann ja nicht genügen, Bundesräte und insbesondere den Sportminister an internationale Grossveranstaltungen zu schicken und via "Präsenz Schweiz" auch patriotische Präsenz vor Ort zu markieren. Noch wichtiger als während der sogenannten Olympiade ist uns das motivierende Engagement des Bundes zwischen den Spielen. Dabei soll er sich nicht scheuen, dem privatrechtlich organisierten Sport auch einmal ex cathedra die Leviten zu lesen, wenn Anlass dazu besteht, anzunehmen, dass die Verbände nicht in der Lage sind, die erforderlichen erfolgversprechenden Strukturen zu schaffen.

Als Trauerspiel muss man in diesem Zusammenhang wohl die mehrfach gescheiterten Versuche sehen, wieder einmal Olympische Winterspiele in die Schweiz zu holen. Ich glaube, mit Hilfe des Departementes sind daraus die richtigen Lehren gezogen worden. Aber auch das Malaise um das Zürcher Fussballstadion im Vorfeld der Fussball-Europameisterschaft 2008 gehört ins Kapitel - ich setze es mal in Anführungszeichen - "Trauerspiele mit Bundesbeteiligung".

Bei dieser Gelegenheit, Herr Ratspräsident, möchte ich noch kurz ansprechen, was wir letzte Woche anlässlich Ihrer eindrücklichen Ständeratspräsidentenfeier in Einsiedeln am Horizont gen Himmel ragen sahen. Ich meine den Rohbau des neuen nationalen Skisprungzentrums. Trifft es zu, was kürzlich von der TV-Sendung "Schweiz aktuell" verbreitet worden ist, nämlich dass Nasak-Bundesgelder im wahrsten Sinne des Wortes auf eine Rutschbahn gesetzt worden sind? Es erheben sich ja bereits Stimmen, die nach Übungsabbruch in Einsiedeln rufen. Wie geht es weiter mit dieser nationalen Sportstätte? Vielleicht können Sie uns zum Stand der Dinge, Herr Bundesrat, etwas sagen, eine hoffentlich positive Prognose stellen, denn dieses Skisprungzentrum ist natürlich Bestandteil optimaler Rahmenbedingungen für die Nachwuchsförderung wie auch für den Spitzensport als solchen.

Mit Genugtuung blicken wir hingegen auf das zusätzliche Engagement des Bundes in der spitzensportlichen Nachwuchsförderung. Wahrscheinlich müssen wir uns noch etwas gedulden, bis sich da erste Erfolge einstellen. Vielleicht liegt auch darin der Grund für die unterschiedliche Beurteilung des Bundesrates und von mir, was den aktuellen Stand des schweizerischen Spitzensports im internationalen Vergleich anbetrifft. Ich sprach von Rückfall ins Mittelmass, der Bundesrat sieht eher eine leichte Tendenz zum Aufschwung. Da mag wohl auch eine Portion Wunschdenken mit im Spiel sein - extrapoliert in die Zukunft unter vorauseilendem Einbezug der erwähnten spitzensportlichen Nachwuchsförderung mit Bundesmitteln.

Im Übrigen ist es müssig, hier und heute darüber zu wetteifern, wo genau unser Spitzensport in der Weltrangliste steht. Aber eine Korrektur muss ich im betreffenden Kontext bei der Antwort des Bundesrates auf meine Interpellation (3. Absatz, Zeile 6) doch noch anbringen. Es ist hier die Rede davon, dass die leichte Tendenz zum Aufschwung vorab den Erfolgen der "weiblichen Athletinnen" zuzuschreiben ist. Herr Bundesrat, ich hoffe, daraus nicht schliessen zu müssen, es gebe auch noch männliche Athletinnen. (Heiterkeit) Es ist nicht vorzustellen, was passiert wäre, wenn man diesen Passus noch vor der Abstimmung über Stammzellenforschung in die Diskussion gebracht hätte.

Durchaus einig gehe ich mit der bundesrätlichen Antwort, was den Ausblick in die Zukunft anbetrifft. Dies ist vor allem in den letzten beiden Sätzen der Antwort festgehalten. Ich spüre daraus, dass eine erfolgreiche Zukunft des Spitzensports auch dem Bundesrat ein echtes Anliegen ist und dass er dieses Ziel auch in der nächsten Legislaturperiode nicht aus den Augen verlieren wird.

Das stimmt mich positiv, und deshalb bin ich, wie eingangs erklärt, mit der Antwort des Bundesrates zu meiner Interpellation doch weitgehend einverstanden. Ich erkläre mich davon befriedigt.

Frick Bruno · 1VP-M · Ständerat · Schwyz · Christlichdemokratische Fraktion

Herr Reimann, Sie haben den Bau der nationalen Skisprunganlage Einsiedeln angesprochen. Das Ratsreglement verbietet mir, in die Diskussion einzugreifen. Ich begnüge mich daher mit dem folgenden Hinweis: Was in Einsiedeln einmal gebaut wird, hält länger als nur ein Jahr; Sie haben sich am letzten Mittwoch selbst davon überzeugen können. (Heiterkeit)

Stadler Hansruedi · Mit-M · Ständerat · Uri · Christlichdemokratische Fraktion

Ich hätte mit meinem Anliegen eigentlich einen Vorstoss kreieren können, aber vorerst benutze ich den Vorstoss von Herrn Reimann als Aufhänger. Ich benütze die Gelegenheit, in die Zukunft zu schauen, und wenn ich in die Zukunft schaue, sehe ich ein Grossereignis in der Schweiz: die Fussball-Europameisterschaft 2008. Die "Euro 2008" ist weltweit die drittgrösste Sportveranstaltung. Die Durchführung der "Euro 2008" ist für unser Land, für den Schweizer Fussball und für den Schweizer Sport eine einmalige Chance. Wir können ein neues Kapitel unserer Sportgeschichte schreiben. Der Anlass bringt uns eine ideale Plattform für die Imageförderung. Die "Euro 2008" ist aber auch ein ideales Mittel der Tourismus- und Wirtschaftsförderung.

Eine kürzlich vorgestellte Studie zeigt, dass die "Euro 2008" in der Schweiz Umsätze zwischen 470 und 545 Millionen Franken und eine Wertschöpfung von rund 280 bis 315 Millionen Franken auslösen wird. Damit wird dieser Anlass die mit Abstand grösste bisher in der Schweiz durchgeführte Sportveranstaltung sein. Schlussendlich ist auch der Spitzensport ein wichtiger Impulsgeber für den Breitensport und den Sport ganz generell. Die Organisation dieses Grossanlasses kann nur mit den vereinten Kräften aller Beteiligten bewältigt werden. Die "Euro 2008" muss aber auch von der Politik und der Bevölkerung mitgetragen werden. Der Bund hat zweimal ein Bekenntnis zur "Euro 2008" abgegeben, so im Rahmen des Nationalen Sportanlagenkonzeptes (Nasak) und mit dem Bundesbeschluss vom 25. September 2002 über Beiträge und Leistungen des Bundes an die Fussball-Europameisterschaft 2008.

Wir müssen uns frühzeitig, bereits heute, fragen, ob diese finanziellen Leistungen des Bundes genügen. Ich bezweifle dies. Natürlich zeichnet auch hier eine private Organisation für den Anlass verantwortlich, aber das war schon bei der Expo.02 so. Wir tun deshalb gut daran, rechtzeitig vor dem Anlass eine Beurteilung vorzunehmen.

Der Bereich der Stadien dürfte vermutlich weitgehend abgedeckt sein. Allenfalls dürfte es gegenüber der Nasak-Botschaft zu einer Umschichtung bestimmter, damals zweckgebundener Mittel auf andere Objekte kommen. Vielleicht hören wir zu diesem Punkt etwas von Ihnen, Herr Bundesrat.

Ganz zentral wird aber der Bereich der Sicherheit sein. Hier dürfte es für die Gemeinden, die Kantone und den Bund Sicherheitsaufwendungen in zweistelliger Millionenhöhe geben. Die öffentliche Hand wird die Hauptverantwortung für die Gewährleistung der Sicherheit tragen müssen. Auch der Bund steht hier ganz in der Verantwortung. Davon wird er sich nicht befreien können. Schliesslich gibt es - davon bin ich überzeugt - unter einer Sammelposition "Diverses", die häufig auch in Staatsrechnungen und Budgets sehr hoch ist, nach meiner Beurteilung weitere Kosten in Millionenhöhe. Wir dürfen uns nichts vormachen. Ich behaupte, dass wir schliesslich für den Bund von Kosten in der Höhe von 20 bis 30 Millionen Franken sprechen werden. Ich stelle diese Zahl einmal in den Raum. Wir werden sehen.

Im heutigen finanzpolitischen Umfeld fällt aber ein solches Unterfangen nicht leicht. Jetzt gibt es vielleicht eine sehr prüfenswerte Lösungsmöglichkeit. Verbinden wir doch für einmal die Expo.02 mit der "Euro 2008"! Wie meine ich das? Für den Bund dürfte aus der Schlussabrechnung der Expo.02 noch ein Betrag von 40 bis 50 Millionen Franken anfallen. Die Schlussabrechnung ist irgendwo unterwegs, und der Betrag wird dann sicher unter der Position Kostenrückerstattung oder Darlehensrückzahlung sofort der Bundeskasse einverleibt werden. In einem kleinen Kreis, wo unter anderem auch Kollege Stähelin anwesend war, haben wir uns vor zwei Monaten eher beiläufig gefragt: Warum investieren wir nicht mindestens einen Teil dieses Geldes in das Grossprojekt "Euro 2008"? Ich frage Sie heute einfach: ja, warum eigentlich nicht?

Diese Frage deponiere ich heute bei Ihnen, Herr Bundesrat. Natürlich bin ich voll davon überzeugt: Man wird sofort versuchen, diese Idee mit kreditrechtlichen, finanzrechtlichen und anderen rechtlichen Argumenten totzuschlagen. Aber es gilt hier das Gleiche wie überall in der Politik: Die Rechtsdienste sollen uns nicht sagen, warum etwas nicht geht - das wollen wir meistens gar nicht wissen -, sondern sie sollen uns einen rechtlich gangbaren Weg aufzeigen. Eine Investition eines Teils der Rückzahlung aus der Expo.02 in die "Euro 2008" hätte viele Vorteile. Es wäre ein kräftiger Ruck vorwärts bei einem für unser Land sehr wichtigen Projekt. Bei der ganzen Frage der Sicherheit würden insbesondere auch die besonders betroffenen Gemeinden und Kantone entlastet. Für einmal würden die Austragungsorte Bern, Genf, Basel und Zürich profitieren. Aber stehen wir - gerade auch vonseiten der Gebirgskantone - doch auch einmal zu diesem Geldfluss.

Ich danke Ihnen für eine wohlwollende Prüfung dieser Idee. Insofern hoffe ich, dass ich bei Ihnen offene Türen eingerannt habe, ohne den Rahmen zu Kleinholz zu schlagen. Oder mit Ihren Worten: Die Kanone habe ich jetzt gerichtet, ich hoffe, Sie haben dazu die passende Munition.

Bürgi Hermann · Mit-M · Ständerat · Thurgau · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei

Die Interpellation Reimann Maximilian bietet die Gelegenheit, sich in diesem Saal kurz zu sportpolitischen Fragen zu äussern. Ich meine, das sei wertvoll. Wenn man das Interesse der Politik am Sport etwas analysiert, stellt man fest, dass das Sich-Präsentieren an Sportveranstaltungen und Siegerehrungen im Verhältnis umgekehrt proportional zum Engagement auf der politischen Ebene ist. Das als Randbemerkung.

Ich stelle fest, dass der Bundesrat den Stellenwert und die Bedeutung des Sports ganz klar erkannt hat. Ich habe, ausgelöst durch diese Interpellation, wieder einmal die Gelegenheit benutzt, das "Konzept des Bundesrates für eine Sportpolitik in der Schweiz" anzusehen. Ich habe auch wieder mit Interesse die Sonderausgabe des Baspo "Sportpolitisches Konzept - Umsetzungsmassnahmen" gelesen. Ich meine, das sei ein guter und ein richtiger Weg, um sich auf nationaler Ebene mit der Förderung des Sports auseinander zu setzen. Aber ich denke, wir dürfen uns nicht darauf beschränken, lediglich sportpolitische Konzepte zu entwickeln, sondern es gehe auch um die Umsetzung. In diesem Zusammenhang, Herr Bundesrat, nutze ich die Gelegenheit, zwei Anliegen, zwei Wünsche, vielleicht auch Fragen - oder wie Sie es betiteln wollen -, anzubringen:

1. Wir sind uns alle einig, dass die Leiterausbildung einen Baustein der Sportförderung und damit auch für spitzensportliche Leistungen darstellt. Ich stelle fest, dass jetzt vorgesehen ist, die Entschädigungen für die Ausbildungsaktivitäten der Kantone im Rahmen des EP 2004 zu streichen, sie sollen wegfallen - Entschuldigung: Das ist im EP 2003 schon geschehen. Aber ich denke, Herr Bundesrat, es wäre wahrscheinlich schon wertvoll, wenn man sich doch noch einmal überlegen würde, ob das richtig sei oder ob es allenfalls nicht gescheiter wäre, im Bundesamt für Sport mit einem Plafond von 130 Millionen Franken die Prioritäten anders zu setzen. Es geht hier ganz eindeutig um Beiträge an die Leiterausbildung und Leiterfortbildung. Es dünkt mich, da werde am falschen Ort gespart. Bei einem Plafond von 130 Millionen Franken könnte ich mir vorstellen, dass man die Prioritäten anders setzt. Ich möchte das einfach einmal zu bedenken geben.

2. Es ist unbestritten, dass bei der Nachwuchsförderung die Schule eine grosse Rolle spielt. Ich habe in der Broschüre "12 Bausteine zum Erfolg" von Swiss Olympic die Aussage gelesen: "Schule und Sport sitzen im selben Boot." Das wird auch in diesem Umsetzungsprogramm ausdrücklich festgehalten. Da wird auf die Bedeutung des nationalen Schulgeldausgleichs hingewiesen, Herr Bundesrat, und in der Zwischenzeit ist etwas geschehen: Es gibt eine interkantonale Vereinbarung für Schulen mit spezifisch strukturierten Angeboten für Hochbegabte. Darin sind natürlich auch die Ausbildungsgänge enthalten, die im Zusammenhang mit Sportschulen angeboten werden. Wir haben jetzt ja die erfreuliche Tatsache, dass Swiss Olympic diese Woche Schulen mit Qualitätslabels auszeichnet. Notabene: Zwei davon liegen im Kanton Thurgau, das freut mich ganz besonders.

Aber warum thematisiere ich das? Ich thematisiere es deswegen, weil diese Sportförderstätten, für die jetzt die Rechtsgrundlage geschaffen ist, damit stehen und fallen, ob bei den Kantonen die Zahlungsbereitschaft vorhanden ist. Es genügt nicht, wenn sie auf dieser Liste aufgeführt sind; es genügt nicht, wenn der Standortkanton irgendetwas macht, sondern die Zahlungsbereitschaft der übrigen Kantone muss vorhanden sein. In dem Sinne, Herr Bundesrat, würde ich mir wünschen, dass Sie den Erziehungsdirektorinnen und Erziehungsdirektoren, der EDK, ins Gewissen reden und sagen, man solle es nicht bei einem Lippenbekenntnis belassen, sondern eben den Tatbeweis antreten.

Ich kann Ihnen sagen: Die Erfolge sind gewiss. Wir haben beispielsweise einen thurgauischen Absolventen des Sportgymnasiums Davos unbürokratisch unterstützt. Er ist heute Olympiasieger in der Halfpipe. Das ist Sportförderung am besten Ort. Aber es steht und fällt damit, dass die Kantone bereit sind, ihre Beiträge an die Schulkosten zu leisten. Deshalb mein Wunsch und meine Bitte an Sie, dass Sie und das Bundesamt für Sport einen Beitrag dazu leisten, dass diese Einsicht zum Tragen kommt. Das ist die beste Sportförderung und Nachwuchsförderung.

Schmid Samuel · VPBR-M · Bundesrat · Bern

Herr Reimann hat zur Interpellation selber Stellung bezogen und sich mit seinen Bemerkungen, denen ich mich anschliessen kann, auch von der Antwort des Bundesrates befriedigt erklärt. Er hat allerdings das Ganze zum Anlass genommen, um generell über Sportförderung zu sprechen, wie es speziell die Förderung des Spitzensports natürlich auch nötig macht.

Wenn die Schweiz erfolgreich ist, dann sind die Verbände dafür verantwortlich, wenn sie nicht erfolgreich ist, dann werde ich angegangen, endlich für Ordnung zu sorgen. Ich würde das sogar gerne tun, wenn ich könnte. Denn ich habe die Verfassungsgrundlage: "Der Bund fördert den Sport, insbesondere die Ausbildung." Der Verfassunggeber hat die Sportförderung im Schwergewicht definiert: "Er betreibt eine Sportschule." Daraus wird die Hochschule für Sport. "Er kann Vorschriften über den Jugendsport erlassen und den Sportunterricht an Schulen obligatorisch erklären." Das haben wir durchaus gemacht, allerdings auch mit unterschiedlichem Erfolg.

Zum Ganzen: Das Schweizer Sportwesen ist, wie ich meine, weit besser, als es gelegentlich dargestellt wird. Allerdings bin ich auch der Überzeugung, dass vieles noch besser gemacht werden könnte. Für mich geht es auf Bundesebene insbesondere darum, den Sport insgesamt zu fördern, gerade auch aus Gründen der Gesundheit, um ganz generell die Beweglichkeit des Volkes zu erhöhen. Dies an die Adresse von Herrn Fünfschilling, der leider nicht hier ist.

Wir haben kürzlich in Magglingen eine Studie gemacht, da wurde Erschreckendes deutlich: 50 Prozent der Sechsjährigen sind nicht mehr in der Lage, einen Purzelbaum zu schlagen. Und in der Stadt Biel hat man die Fahrprüfung für Velofahrer abgeschafft, weil zu viele Jugendliche nicht mehr in der Lage sind, gleichzeitig Handzeichen zu geben und Velo zu fahren. Damit wird deutlich, dass sich bereits in der Jugend und bei der Früherfassung für ganz grundlegende sportliche Aktivitäten Lücken öffnen, die wir in unserer Gesellschaft zehn, zwanzig, dreissig Jahre später irgendwie bezahlen werden. Das ist natürlich kein Vorwurf an die heutige Jugend, aber die heutige Gesellschaft bietet keinen Anlass mehr, sich genügend zu bewegen. Früher haben wir im Wald über Tannenstämme laufend das Gleichgewicht gesucht. Das war selbstverständlich. Heute ist ein zu grosser Anteil der heutigen Jugend nicht mehr in der Lage, Gleiches zu tun.

Deshalb wird ein wesentlicher Punkt in der Sportförderung die reine Bewegungsförderung sein. Wir sind jetzt beim sportpolitischen Konzept, das wir umsetzen - und da danke ich für die anerkennenden Worte. In Magglingen haben wir sogar speziell ein Controlling eingerichtet, um das Konzept umzusetzen - um nicht nur zu deklarieren, sondern auch Fortschritte festzustellen, um in diesem Punkt eben die ganze Breite unseres Volkes zu erfassen.

Ein weiterer Pfeiler ist die Spitzensportförderung. Auch das gehört durchaus zu den Aufgaben, mit denen sich Magglingen beschäftigt. Wir sind im wissenschaftlichen Bereich mit von der Partie, wir sind auch im Ausbildungs- und Trainerbereich mit von der Partie. Wir stellen Anlagen zur Verfügung, um entsprechende Trainings durchzuführen, die wissenschaftlich begleitet werden. Wir haben mit dem neuen Armeemodell auch die Spitzensportler-RS intensiviert, indem die Dauer von 15 auf 18 Wochen verlängert worden ist. Die ersten fünf Wochen sind in Andermatt zu verbringen; da ist das Schwergewicht beim Militärdienst, da wird also soldatische Ausbildung vermittelt. In der Freizeit stehen die guten Sportanlagen des Waffenplatzes Andermatt zur Verfügung. Von der sechsten bis zur achtzehnten Woche wird die Spitzensportler-RS zentral in Magglingen geführt. Da darf doch festgestellt werden, dass das ein wesentlicher Impuls sein kann. Ich sage das speziell auch einmal hier, öffentlich vor einem Rat, weil gelegentlich kritisiert wird, das sei nicht mehr die Miliz, wie sie eigentlich gefordert werde. Wir stehen zu diesem Konzept; ich finde es richtig, ich finde es auch vertretbar.

Die Rekruten sind gleichzeitig auch militärische Sportlehrer und können entsprechende Kurse machen. Sie können später auch die Wiederholungskurse in Magglingen machen. Es ist also so, dass wir von Magglingen aus die Armee in ihrem Sportunterricht und die Sportverbände in ihrer Spitzensportförderung begleitend unterstützen. Das bedingt allerdings, dass die Verbände mitmachen. Ich kann natürlich die Mittel nicht zur Verfügung stellen, um für jede Sportart die entsprechenden Trainer zu bezahlen und aufzubieten. Es geschieht also zusammen mit den Sportverbänden, die dann die Trainer zur Verfügung stellen, um diese spezifische Förderung zu machen. Das führt teilweise dazu, dass sich Gruppen bilden. Ich glaube, wir werden demnächst eine Reihe von Handballern haben, die ihre Rekrutenschule um ein Jahr verschieben, um gemeinsam - ich glaube, es sind am Schluss zwölf - in Magglingen trainieren zu können. Sie sehen also, dass man da einiges tut, und zwar einiges mehr als früher. Man tut dies in Beachtung der Grundvorschriften für Soldaten, die von der Armee her gemacht werden.

Daneben sind im Rahmen dieses Konzeptes zahlreiche Tätigkeiten auch auf den Spitzensport ausgerichtet. Aber das wird nie dazu führen, dass wir einen Staatssport haben, denn dazu habe ich die Verfassungsgrundlage nicht. Ich muss Ihnen auch sagen, dass ich auch die Mittel dazu nicht hätte. Denn letztlich geht es mir natürlich darum, durchaus die Spitze zu fördern und ihr zu helfen, aber es geht mir auch darum, die Breitensporttätigkeit im Auge zu behalten und zu fördern. Für die Gesellschaft ist genau diese sportliche Tätigkeit auch zentral.

So glaube ich, dass das ein Punkt ist, den wir jetzt, gestützt auf das Konzept, Jahr für Jahr verfolgen werden. Ich nehme gerne Ihren Wunsch entgegen, Herr Bürgi, hier mit den Kantonen zu sprechen. Ich treffe jährlich die EDK; wir werden am nächsten Freitag in Magglingen den üblichen Magglingertag haben, wir werden sämtliche Sportverbände dahaben, wir werden speziell über diese Konzeptionen sprechen. Ich selber habe in der Leistungsvereinbarung mit Swiss Olympic einzelne Punkte aufgegriffen.

Herr Reimann hat gesagt, dass man die beschränkten Möglichkeiten durchaus ergreifen solle. Ich habe in der ersten Leistungsvereinbarung bestimmte Bedingungen gestellt. Wir sind jetzt daran, eine zweite Etappe vorzubereiten. Es wird nie so sein können, dass ich die Leute zur Befehlsausgabe antreten lasse. Aber wir knüpfen die Auszahlung unserer Mittel an bestimmte Anforderungen, die durchaus im Sinne des Sportartikels und auch dieser Diskussion hier sind. Ich glaube, wir haben hier die Verflechtung in den letzten Jahren durchaus etwas verstärken können. Wir können das im Übrigen auch mit der Unterstützung von Swiss Olympic tun. Das ist nicht als Zwangsmassnahme zu verstehen.

Zu einzelnen Punkten, die aufgeworfen worden sind:

Das Skisprungzentrum Einsiedeln ist "das" schweizerische Zentrum. Es ist für uns auch "das" Zentrum, in das wir diesen Bundesbeitrag investieren. Etwas über 2 Millionen Franken sind meines Wissens gesprochen. Sie sind für diese nationale Trainingsstätte bestimmt. Meines Wissens ist die Realisierung nicht gefährdet. Es gab Schwierigkeiten, insbesondere wegen der Festigkeit des Geländes. Aber mit entsprechenden Finanzierungen ist sichergestellt, dass die Fortsetzung erfolgen kann. Wenn der entsprechende Baufortschritt da sein wird, werden wir zu gegebener Zeit auch den Rest des Bundesbeitrages zahlen.

Zum Vorschlag von Herrn Stadler: In der Tat, die Investition in "Euro 2008" wird wesentlich höher sein als ursprünglich vorgesehen. Zur Frage, wieweit Ihr Finanzierungsmodell beigezogen werden kann, kann ich Ihnen nur sagen: An mir liegt es keinesfalls. Allerdings dürfte es finanztechnisch ungefähr auf dasselbe hinauskommen, ob Sie das aus der Restabrechnung der Expo nehmen oder einen Kredit sprechen: Sprechen müssen Sie es ohnehin.

Der Bundesrat wird von mir am 10. Dezember ein entsprechendes Aussprachepapier erhalten, in dem wir die Lagebeurteilung machen. Die Turbulenzen vor einigen Wochen waren zu weiten Teilen eine unnötige Aufregung, hatten aber insofern einen Kern Wahrheit, als in diesem Punkt natürlich noch Hausaufgaben zu machen sind. Da sind wir aber daran. Das Baspo hat uns zeitgerecht die entsprechenden Unterlagen zur Verfügung gestellt. Man hat sich auch mit der Uefa mehrfach besprochen. Ich hatte permanent Kontakt mit ihr und wusste, dass diese öffentliche Aufregung nicht tel quel als Aufregung zwischen der Uefa und der Eidgenossenschaft verstanden werden kann. Insoweit konnte ich das Umfeld durchaus beurteilen. Wir werden im Bundesrat eine Aussprache führen, und sie wird zu einem entsprechenden Gesuch ans Parlament führen.

Wir werden in Bezug auf die Sicherheit wesentlich mehr aufwenden müssen, als vorgesehen ist. Zwingen Sie mich aber nicht, schon etwas zum Verteiler zu sagen. Ich bin durchaus Ihrer Auffassung, dass man nicht immer mit irgendwelchen fixen Prozentsätzen rechnen muss. Aber immerhin, alle Stufen unseres Staates haben heute zu ihren Budgets zu schauen, und von dem her wird auch hier eine gewisse Kostenteilung durchaus angebracht sein.

Zu Herrn Bürgi: Der Bereich "Jugend und Sport" wird, wie ich orientiert bin, morgen im Budget behandelt. Dabei sollen 1,5 von insgesamt 56,9 Millionen Franken gekürzt werden. Das führt dazu, dass rund 15 000 Jugendliche weniger bei "Jugend und Sport" mitmachen werden. Das ist zweifellos schade, aber eine Umlagerung ist nicht möglich.

Das Baspo ist ein Flag-Amt, und Bundesrat und Parlament haben die Flag-Ämter bisher nie von den Sparmassnahmen ausgenommen. Wir haben in Magglingen ich weiss nicht was für Massnahmen ergriffen, um das Letzte herauszupressen. Das führt dazu, dass es in diesem Bereich im Moment effektiv zu Kürzungen kommt.

Ab 2006 beträgt das Sportbudget im Übrigen noch 119, nicht mehr 130 Millionen Franken, weil zusätzlich gespart werden muss. Sie dürfen davon ausgehen, dass ich vom Baspo durchaus verlangt habe, im Bereich "Jugend und Sport" die Latte hoch zu setzen - denken Sie an meine einleitenden Bemerkungen zur Breitensportförderung -, um mich überzeugen zu lassen und dieses Geschäft dann so zu vertreten. Ich bin mir dieser Frage bewusst und versuche, dieser Gesamtzielsetzung auch mit dem neuen Budget oder den jetzt beschlossenen Budgetrestriktionen gerecht zu werden.

Ich hoffe, Ihre Fragen beantwortet zu haben. Herr Bürgi, ich nehme Ihre Bemerkungen an die Schweizerische Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK) mit. Im Übrigen danke ich für Ihr Verständnis für unsere Sportförderung. Ich bin durchaus zuversichtlich, dass wir doch Fortschritte machen können, wenn auch in kleinen Schritten. Allerdings muss ich Ihnen sagen, dass mir der Zustand der Gesellschaft - der Trend ist gegenläufig - möglicherweise einen Strich durch die Rechnung macht. Was eigentlich bedingen müsste, dass wir auf politischer Seite entsprechend Gegengewicht aufbringen könnten, denn die Abnahme der sportlichen Betätigung geschieht möglicherweise noch schneller, als es uns möglich ist, die Effizienz zu steigern. Das muss uns auch gesundheitspolitisch zu denken geben.

Frick Bruno · 1VP-M · Ständerat · Schwyz · Christlichdemokratische Fraktion

Die Interpellation ist damit erledigt.

Schluss der Sitzung um 19.35 Uhr

La séance est levée à 19 h 35