SLK 385/09 (2010-11-03)
Nr. 385/09 (Unrichtige Angaben – Bei Glasschaden keine Kosten, kein Selbstbehalt)
Rubrum
1) Nr. 385/09 (Unrichtige Angaben – Bei Glasschaden keine Kosten, kein Selbstbehalt)
Die Schweizerische Lauterkeitskommission,
in Erwägung
– Nach Art. 19 Abs. 1 lit. b des Geschäftsreglements der Lauterkeitskommission ist ein Rekurs nur in Fällen von Willkür möglich. Nach herrschender Rechtsprechung und Praxis der Lauterkeitskommission liegt Willkür dann vor, wenn die Erwägungen der Vorinstanz offenbar unhaltbar sind, zur tatsächlichen Situation im Widerspruch stehen, eine Norm oder einen unumstrittenen Rechtsgrundsatz krass verletzen, oder in stossender Weise dem Gerechtigkeitsgedanken zuwiderlaufen. Wie im Tätigkeitsbericht 2002 (Seite 8) ausgeführt, wurde der Rekurs nicht dazu geschaffen, die Schweizerische Lauterkeitskommission zu einer Wiedererwägung anzuhalten.
– Die Rekurrentin macht geltend, wie bereits in der Beschwerdeantwort, dass der Flyer irrtümlich zum Rekursgegner (Beschwerdeführer) gelangt sei, dass dieser Flyer nicht als kommerzielle Kommunikation im Sinne des Grundsatzes Nr. 1.2 zu qualifizieren sei und wenn doch, dass das Werbemittel nicht irreführend sei, da der Durchschnittsadressat sich bewusst sei, welche Leistungen im Rahmen des Versicherungsvertragsverhältnisses gedeckt seien und welche nicht. Der Rekurs weckt den Anschein, das Plenum zu einer Wiedererwägung bewegen zu wollen. Willkürgründe sind keine ersichtlich: Es wird weder eine unrichtige Feststellung des Sachverhaltes geltend gemacht noch wird der begründete Vorwurf einer falschen Rechtsanwendung erhoben, noch ist solches ersichtlich. Der Rekurs ist daher abzuweisen.
Dispositiv
beschliesst:
Der Rekurs wird abgewiesen.
Eröffnung Beschluss der Ersten Kammer der Lauterkeitskommission vom 14. April 2010:
in Erwägung:
– Auf einem Werbeflyer für eine Autoglasbruchversicherung wirbt die Beschwerdegegnerin mit der Anpreisung «Keine Kosten, kein Selbstbehalt». Der Beschwerdeführer ist der Ansicht, dass diese Aussage unrichtig und somit unlauter sei. Seine defekte Autoscheibe sei nicht gratis repariert worden.
– Die Beschwerdegegnerin erläutert in ihrer Stellungnahme, dass im Flyer bestehenden Kunden die bereits vorhandenen Dienstleistungen erläutert werden. Daher handle es sich nicht um kommerzielle Kommunikation im Sinne des Grundsatzes Nr. 1.2. Der Beschwerdeführer verfüge nur über eine Haftpflichtversicherung und habe keine Deckung für Glasschäden abgeschlossen. Daher richten sich die Aussagen nicht an den Beschwerdeführer. Woher der Beschwerdeführer den Flyer habe, wisse die Beschwerdegegnerin nicht.
– Die Beschwerdegegnerin hat dem Beschwerdeführer als Kunden einen Flyer mit der Prämienrechnung zur Motorhaftpflichtversicherung zukommen lassen, obwohl das damit beworbene Angebot aufgrund der bisherigen Vertragsbeziehung durch den Beschwerdeführer nicht wahrgenommen werden kann. Weder wird auf dem Flyer darauf hingewiesen, unter welchen Bedingungen das beworbene Angebot gilt, noch können durchschnittliche Adressaten insbesondere erkennen, dass es einer speziellen Zusatzversicherung bedarf, um das Angebot in Anspruch nehmen zu können.
– Der Einwand der Beschwerdegegnerin, einem Kunden, welcher nur über eine Haftpflichtdeckung verfüge, sei es von vornherein klar, dass er von der beworbenen Dienstleistung nicht profitieren könne, weil eine Haftpflichtdeckung per Definition nie den eigenen Schaden am Fahrzeug, sondern nur am fremdem Fahrzeug decke, ist zu realitätsfern. Für Durchschnittsadressaten ist es nicht automatisch klar, dass eine Haftpflichtversicherung nur Drittschäden abdeckt und für eigene Schäden immer Zusatzversicherungen notwendig sind.
– Entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin handelt es sich beim vorliegenden Flyer um kommerzielle Kommunikation im Sinne von Grundsatz Nr. 1.2. Es handelt sich dabei zwar nicht um eine Massnahme zum Zwecke des Abschlusses eines Rechtsgeschäfts, sondern um eine Massnahme zur Erhaltung, Fortführung und eventuellen Vertiefung des bisherigen Vertragsverhältnisses. Nach gängiger Praxis der Schweizerischen Lauterkeitskommission sind auch derartige Massnahmen im Rahmen der Kundenbeziehungspflege als kommerzielle Kommunikation zu qualifizieren.
– Gemäss Grundsatz Nr. 1.1 Ziff. 1 lit. b soll kommerzielle Kommunikation rechtmässig, wahrheitsgemäss und nicht diskriminierend sein sowie den Grundsätzen von Treu und Glauben im Geschäftsverkehr entsprechen. Das mit dem vorliegenden Flyer beworbene Angebot ist irreführend, da die erforderlichen Voraussetzungen für die Inanspruchnahme der kostenlosen Glasreparatur weder aus der kommerziellen Kommunikation noch aus dem Kontext heraus erkannt werden können. In welchem Zusammenhang der Beschwerdeführer in den Besitz des Flyers kam ist überdies unerheblich. Die Gefahr der Irreführung lässt sich nur durch einen klaren Hinweis vermeiden, dass die fraglichen Dienstleistungen nur bei Abschluss einer entsprechenden Zusatzversicherung in Anspruch genommen werden können. Die Beschwerde ist daher gutzuheissen.
beschliesst:
Die Beschwerdegegnerin hat unlauter im Sinne von Grundsatz Nr. 1.1 Ziff. 1 lit. b gehandelt und wird aufgefordert, inskünftig auf die Verwendung des beanstandeten Flyers zu verzichten.
2) N° 155/10 (Indications inexactes – Annonce «2ème paire pour tous»)
La Commission Suisse pour la Loyauté,
considérants:
– Aux termes de l’art. 19 al. 1 let. b du Règlement de la Commission pour la Loyauté, toute partie dispose d’un droit de recours contre un arrêt jugé arbitraire. Comme cela a déjà été précisé dans le Rapport annuel 2002 (page 8), la possibilité de recours n’a pas été prévue pour forcer la Commission Suisse pour la Loyauté à réexaminer une affaire. Un réexamen ne se justifie que dans les cas où l’instance précédente a dépassé ses compétences ou commis une erreur flagrante. Cela entre en ligne de compte quand les considérants de l’instance précédente sont manifestement injustifiables, en contradiction évidente avec la situation réelle, en infraction à une norme ou à une règle de droit incontestable ou encore gravement contraires à la notion d’équité.
– Dans son courrier relatif au recours, la recourante (partie plaignante) objecte que la présentation de la situation de fait ne correspondrait pas à la réalité, car elle se serait fortement basée sur les indications de la partie adverse (partie défenderesse) qui seraient en partie non conformes à la vérité. La recourante ne fait pas valoir d’autres motifs de recours, en particulier une application erronée du droit. Au demeurant, elle demande un réexamen du cas, ce qui ne peut pas être l’objet d’un recours.
– Le plénum de la Commission Suisse pour la Loyauté ne peut discerner aucun arbitraire dans la constatation sur la situation de fait formulée par la première instance. Les requêtes des deux parties ont été prises en compte dans la même mesure pour la détermination de la situation de fait qui est à la base de la décision. Lors de sa décision, la Chambre s’est fondée sur l’annonce publicitaire déposée par la recourante.
– L’appréciation de la teneur du cas d’espèce ne constitue pas non plus une violation du principe d’interdiction de l’arbitraire: le considérant de la Chambre déterminante selon lequel la publicité ne peut être interprétée que dans le sens qu’il existe un droit à une deuxième paire de lunettes pour CHF 1.– si l’on achète une paire de lunettes complète (monture et verres) n’est pas arbitraire. Par conséquent, le recours doit être rejeté. rend l'arrêt suivant: Le recours est rejeté.
Notification Arrêt de la Deuxième Chambre du 22 juin 2010 :
considérants:
– La plainte est dirigée contre l’assertion «2ème paire pour tous» qui, de l’avis de la partie plaignante, n’est pas correcte.
– La partie défenderesse explique, dans sa prise de position, pourquoi l’offre qui avait été communiquée n’était pas applicable au cas d’espèce où la partie plaignante n’avait acheté qu’une paire de verres, et non une paire de lunettes complète. Ce faisant, elle se réfère également à ses propres conditions relatives à l’offre dont la partie plaignante avait également connaissance.
– Aux termes de la Règle no 1.1 alinéa 2 de la Commission Suisse pour la Loyauté, pour porter une appréciation sur une communication commerciale, il y a lieu en particulier de tenir compte de la compréhension du groupe cible déterminant, à savoir de celui qu’on appelle le destinataire moyen. Pour le destinataire moyen, il ressort d’une manière suffisamment claire de l’annonce publicitaire en question que c’est seulement en cas d’acquisition d’une paire de lunettes complète (monture et verres) que l’on pouvait acheter à titre supplémentaire une paire de lunettes de soleil pour un franc. Cela résulte déjà du seul slogan «2ème paire pour tous» ainsi que de la paire de lunettes reproduite. rend l'arrêt suivant: La plainte est rejetée.