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23.4426 · Interpellation · 2023-12-20

Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation

Erledigt

Wortlaut

7'594 km2 an artenreichen Lebensräumen in der Schweiz gingen seit 1900 verloren. Das entspricht beinahe einem Fünftel der gesamten Landesfläche. Die Hälfte der verbleibenden Lebensräume für Tiere und Pflanzen ist gefährdet. Besonders betroffen sind Feuchtgebiete und Gewässer. Der Artenverlust im Tier- und Pflanzenreich hat einen Höchststand erreicht (ein Drittel aller Tier- und Pflanzenarten in der Schweiz gelten als gefährdet oder als bereits ausgestorben). Nebst den verheerenden Folgen für die Tier- und Pflanzenwelt ist auch mit schweren Konsequenzen für das menschliche Leben in der Schweiz zu rechnen. Die Natur bietet verschiedene Ökosystemleistungen, die essenziell für unser Leben sind; ob frisches Wasser, Schutz vor Überschwemmungen, die Lebensmittelproduktion oder Möglichkeiten zur Erholung. Die Gesundheit der Bevölkerung wird massgeblich durch Umwelteinflüsse und sozio-ökonomische Faktoren bestimmt. Die Klimaerhitzung, Umweltverschmutzung und der Biodiversitätsverlust gehören zu den grössten gesundheitlichen Bedrohungen unserer Zeit und gefährden den medizinischen Fortschritt.

In diesem Kontext bitte ich den Bundesrat um die Beantwortung folgender Fragen:

  1. Welcher Zusammenhang besteht zwischen dem Zustand der Biodiversität und der menschlichen Gesundheit? Inwiefern wirkt sich der Rückgang der Biodiversität auf die menschliche Gesundheit aus?

  2. Gibt es ein regelmässig durchgeführtes Monitoring, das die Folgen der Biodiversitätskrise auf die menschliche Gesundheit analysiert? Wenn nein, wird ein solches aufgebaut?

  3. Ist durch den Biodiversitätsverlust mit neuen Krankheitserregern und Zoonosen zu rechnen?

  4. In welcher Grössenordnung befinden sich die zu erwartenden finanziellen Folgen der Biodiversitätskrise in den Bereichen: GesundheitswesenSozialstaat

  5. Stehen die aktuellen Massnahmen zur Bekämpfung des Biodiversitätsverlustes im Einklang mit den vom Bundesrat verabschiedeten Zielen in der Gesundheitspolitik?

  6. Wie wird die Bevölkerung über den Zusammenhang zwischen Biodiversitätsverlust und Gesundheit informiert?

Begründung

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Stellungnahme des Bundesrates

1) Biodiversität ist für die menschliche Gesundheit wichtig. Sie ist einerseits eine der wichtigsten Quellen für Wirkstoffe, aus denen Medikamente hergestellt werden. Andererseits fördern insbesondere der Aufenthalt und die Bewegung in der Natur die Gesundheit. 2) und 3) Der Biodiversitätsrückgang kann die Entstehung von Zoonosen begünstigen, da es zu vermehrten Kontakten zwischen Wildtieren, Nutztieren, Krankheitserregern und Menschen kommen kann. Dies hat der Bundesrat in seinem Bericht in Erfüllung des Postulats der APK-N (20.3469 Massnahmen zur Eindämmung von Zoonosen und zur Bekämpfung ihrer Ursachen), sowie in Antworten auf frühere Vorstösse wie die Interpellation Schneider Schüttel (20.3585 Covid-19 und die Biodiversität) und das Postulat Moser (20.3897 Biodiversitätsrisiken eindämmen) bereits festgehalten. Dass gesunde Ökosysteme zur Verringerung von Zoonoserisiken beitragen, ist auch von der WHO anerkannt und einer der Gründe zur Entwicklung des «One Health» Ansatzes (blv.admin.ch>Das BLV>Auftrag>OneHealth).4) Dem Bundesrat liegen dazu keine Schätzungen vor. 5) Der Bundesrat fördert die Biodiversität mit seiner Strategie Biodiversität Schweiz und dem dazugehörigen Aktionsplan. Zudem hat er 2019 in seiner Strategie Gesundheit2030 (bag.admin.ch>Strategie & Politik>Gesundheit2030>Gesundheitspolitische Strategie des Bundesrats 2020–2030) die Ziele im Bereich Umwelt definiert. Umwelt ist im Ziel 7 «Gesundheit über die Umwelt fördern» von Gesundheit 2030 aufgenommen worden. Die Stossrichtung 7.2 ist dem Erhalt und der Förderung von Natur- und Landschaftsqualitäten gewidmet. Im Landschaftskonzept Schweiz hat der Bundesrat 2020 diese Stossrichtung im Ziel 3.B konkretisiert (bafu.admin.ch>Themen>Thema Landschaft>Publikationen und Studien>Landschaftskonzept Schweiz). Die Umsetzung erfolgt interdepartemental über die Bundeskoordination Raum, Bewegung, Sport und Umwelt. In diesem Gefäss arbeiten das Bundesamt für Raumentwicklung ARE, das Bundesamt für Gesundheit BAG, das Bundesamt für Sport BASPO und das BAFU zusammen.6) Der von BAFU und BAG verfasste Bericht «Umwelt und Gesundheit» zeigt den Zusammenhang zwischen der Biodiversität und der Gesundheit auf (bafu.admin.ch>Startseite>Themen Gesundheit und Wohlbefinden>Publikationen und Studien>Umwelt und Gesundheit in der Schweiz). Weitere Informationen der Öffentlichkeit erfolgen über die periodische Umweltberichterstattung (z.B Umweltbericht 2022). Das BAG publiziert ausserdem regelmässig einen Bericht zur «Überwachung von Zoonosen und lebensmittelbedingten Krankheitsausbrüchen» (bag.admin.ch > Krankheiten > Krankheiten A-Z > Zoonosen).

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