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preparatory:AB 113322

Maurer Ueli · Bundesrat · Zürich · 2010-09-29

Wortprotokoll

Ich glaube, Herr Oberst Martinoni verdient es, dass wir ihm hier noch drei Minuten widmen. Herr Oberst Martinoni ging 1945 auf einen Wink des Bundesrates nach Como. Er machte das also nicht aus eigenem Antrieb, aber der Bundesrat musste das aus neutralitätsrechtlichen Gründen diskret machen. Es war Herr Oberst Martinoni, der dann in Como die Kapitulation der deutschen Wehrmacht beschleunigt hat und damit in dieser wichtigen [PAGE 964] Zeit entscheidenden Druck von der Schweiz genommen hat. Das ist die Geschichte, wie wir sie kennen.

Anschliessend wurde das Regiment von Herrn Oberst Martinoni, wie vorher geplant, verlegt, und das gab später zu Missverständnissen Anlass.

Herr Martinoni wurde nachher psychisch krank. Man musste ihn des Kommandos entheben, und das wurde nicht verstanden. Herr Martinoni konnte nicht an der Spitze des Regimentes belassen werden, und das hat er immer als ungerecht empfunden. Leider ist es Herrn Korpskommandant Constam dann nicht gelungen, diese Zweifel auszuräumen. Herr Martinoni hatte die Wahnvorstellung, er müsse den Korpskommandanten töten. Das war der Grund für die Amtsenthebung: diese psychische Krankheit.

Herr General Guisan kam dann einer Beschwerde von Herrn Oberst Martinoni entgegen, um ihm menschliche Sympathie auszudrücken. Aber all diese Gefühle führten in der Folge dazu, dass sich im Kanton Tessin dieses Missverständnis breitmachte: Man hatte das Gefühl, Martinoni würde für seine Verdienste noch bestraft, indem man sein Regiment verlege, indem man ihn des Amtes enthebe. Das alles blieb eigentlich unausgesprochen: Man lebte mit diesem Schicksal; man hatte das Gefühl, es sei etwas Unrechtes passiert.

Ich möchte gerne die Gelegenheit nutzen, um auch an dieser Stelle Herrn Oberst Martinoni für seine grossen Verdienste, die er sich in dieser entscheidenden Zeit für die Schweiz erworben hat, ganz herzlich zu danken. Vieles, was nachher passiert ist, sind Missverständnisse. Das schmälert nicht das Verdienst und den Erfolg, die Herr Martinoni hatte. Ich möchte allen seinen Angehörigen, sofern sie das noch hören können, meinen Dank aussprechen.

Es ist eine Episode in der Schweizer Geschichte, die es verdient, hier richtiggestellt zu werden. Die Verdienste, die sich Herr Oberst Martinoni für die Schweiz erworben hat, sind ungeschmälert. Vieles danach sind Missverständnisse, und ich hoffe, dass wir diese damit ausräumen können.