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Stähelin Philipp · Ständerat · 2001-03-20

Stähelin Philipp · Ständerat · Thurgau · Christlichdemokratische Fraktion · 2001-03-20

Wortprotokoll

Anders als meine Vorrednerin sind wir Thurgauer eben alle ein wenig Bauern. Deshalb erlaube ich mir, noch etwas zu fragen. Die Interpellantin hat in der Einleitung ihrer Interpellation auch auf den Feuerbrand Bezug genommen. Leider ist der Bundesrat in seiner Antwort eigentlich mit keiner Silbe auf die Auswirkungen dieser auch für die Hochstamm-Obstbäume katastrophalen Krankheit eingegangen. Ich bedaure es, dass er diese Gelegenheit nicht benutzt hat, um bezüglich der Massnahmen des Bundes, die für das nun beginnende Vegetationsjahr vorgesehen sind, Klarheit zu schaffen und die noch offenen Fragen meiner letztjährigen Interpellation zur Minderung von Feuerbrandschäden zu beantworten.

Dabei möchte ich aber die in der Beantwortung der vorliegenden Interpellation dargelegten Bundesmassnahmen zur Förderung der Hochstamm-Feldobstbäume ausdrücklich positiv würdigen. Noch in den Siebzigerjahren wurden bekanntlich bei uns Baumfällaktionen mit dem Ziel durchgeführt, die Zahl der Hochstämme zu reduzieren, weil der Most zu wenig Absatz fand. Hier hat ein gründliches Umdenken stattgefunden. All jene, denen die Bodenseelandschaft am Herzen liegt, danken dafür. Die Hochstämme prägen unsere Seegegend noch immer, und der Thurgau mit seinen rund 270 000 Hochstamm-Feldobstbäumen schätzt die Haltung des Bundes hoch.

Der Feuerbrand aber bedroht unsere Obstbäume, Anlagen wie Hochstämme, nach wie vor. Im letzten Jahr wurden Tausende von Hochstamm-Feldobstbäumen gerodet und verbrannt. Weitere Tausende von gefährdeten Bäumen, welche Canker, also Überwinterungsstellen der Feuerbrandbakterien, aufweisen, sind erkannt und müssen wohl ebenfalls eliminiert werden. Die Statistiken sprechen hier eine klare, grausame Sprache.

Im Grundsatz sind unsere Landwirte heute am Erhalt ihrer Hochstammbestände interessiert. Es macht indessen wenig Sinn, in potenziell gefährdeten Gebieten die Anpflanzung und Förderung von Hochstämmen zu forcieren, solange kein geeignetes, wirkungsvolles Präparat zur Bekämpfung des Feuerbrandes vorhanden ist. Dabei darf nicht vergessen werden, dass Hochstamm-Feldobstbäume auch Wirtspflanzen des Feuerbrandes darstellen, welche die ertragreichen Intensivanlagen bedrohen können.

Im letzten November hat das Bundesamt für Landwirtschaft eine Informationsveranstaltung zum Thema Feuerbrand durchgeführt, eine gute Veranstaltung. Dabei haben sich die interessierten Kreise - Produzenten, Handel, Konsumentenschaft und Behörden, ich habe selbst an einigen Veranstaltungen teilgenommen - mehrheitlich für den beschränkten [PAGE 136] und versuchsweisen Einsatz von Plantomycin ausgesprochen. Persönlich habe ich gegen die Verwendung von Antibiotika durchaus auch meine Vorbehalte; viel lieber würde ich die Entwicklung und Bewilligung von Antagonisten sehen.

Es geht mir nun aber insbesondere um den Zeitfaktor. Im November hiess es, das Bundesamt für Landwirtschaft werde in den kommenden Wochen in Absprache mit dem Volkswirtschaftsdepartement die konkreten Massnahmen ausarbeiten. Nun schreiben wir März, und noch immer herrscht Funkstille. Dem Vernehmen nach sind die Verwaltungsinstanzen des Bundes unter sich uneins über das Vorgehen - für die betroffenen Landwirte eine untragbare Situation. Die Zeit drängt nun wirklich, und das Problem brennt auf den Nägeln.

Ich bitte den Bundesrat, hier durchzugreifen und rasch zu Entscheiden zu kommen.

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