Prelicz-Huber Katharina · Nationalrat · 2011-03-17
Prelicz-Huber Katharina · Nationalrat · Zürich · Grüne Fraktion · 2011-03-17
Wortprotokoll
Ferien sind von grosser Bedeutung für die Regeneration, denn dann kann man wirklich abschalten und sich Zeit nehmen, etwas anderes zu machen, an etwas anderes zu denken als an die Arbeit. Die Wochenenden sind oft zu kurz, unter anderem auch deshalb, weil andere Arbeit ansteht wie etwa die Hausarbeit. Mindestens jedes Quartal einmal sollten wir abschalten und Ferien nehmen können. Bei 4 Wochen Ferien ergibt das eine Woche pro Quartal. Eine Woche ist aber bereits nötig, um sich nur schon erholen zu können; ein Wiederaufbau und ein Auftanken sind dann aber nicht möglich. Das beginnt erst nach etwa einer Woche. Zwei Wochen wären also schon besser, um sich wirklich erholen zu können. Damit wären acht Wochen pro Jahr ideal - 6 Wochen also das Minimum.
Beim Strukturwandel, bei der Automatisierung, wurde den Arbeitnehmern versprochen, die Produktionsgewinne würden auch an die Arbeitnehmer verteilt. Damit war vor allem eine Reduktion der Arbeitszeit gemeint. Die Produktionsgewinne - das wissen Sie - sind erreicht worden: Mehr als 20 Prozent nur schon in den letzten zwanzig Jahren. Die Reduktion der Arbeitszeit wurde aber nicht umgesetzt. Gerade mal um 4 Prozent wurde die Arbeitszeit reduziert. Es wurde keine adäquate Erhöhung des Lohns umgesetzt, es wurde keine Arbeitszeitreduktion vorgenommen. Wir leisten also zum gleichen Lohn massiv mehr als vor etwa zwanzig Jahren. Die Folgen des Strukturwandels für die Arbeitnehmer sind, ausser für ein paar Spitzenmanager, ein grosser Abbau von Arbeitsplätzen und eine grosse Arbeitslosigkeit. Die Erwartungen an die Arbeitnehmer sind deutlich gestiegen. Wir müssen immer besser ausgebildet, dauerhaft lernbereit und selbstverständlich zu 100 Prozent flexibel und einsatzfähig sein.
Die Belastung am Arbeitsplatz hat sich also massiv erhöht; viele haben Stress, sind stark belastet und leiden unter gesundheitlichen Problemen. Das Seco hat berechnet, dass der Stress Kosten von 10 Milliarden Franken pro Jahr verursacht. Die älteren Arbeitnehmer sind deutlich mehr betroffen; das IV-Risiko steigt ab 55 Jahren sehr deutlich. 40 Prozent der Leute erreichen das normale Pensionierungsalter aus gesundheitlichen Gründen nicht. Mehr Ferien würde also mehr und vor allem dauerhaftere Leistungsfähigkeit bedeuten. Ferien sind auch eine ideale Form der Arbeitszeitreduktion, und die zwei Wochen sind - wie wir gehört haben - ein Minimum hinsichtlich der Überwälzung der Produktionsgewinne auf die Arbeitnehmer.
Es ist nett, dass Sie an die Gewerkschaften denken und uns sagen, der Handlungsspielraum bei den Verhandlungen würde dann eingeengt. Ich kann Ihnen aber versichern, dass es sich bei dieser Initiative um ein Anliegen handelt, das aus unseren Reihen kommt. Die Gewerkschaften und ich als Präsidentin des Schweizerischen Verbandes des Personals öffentlicher Dienste stehen hinter diesem Anliegen, denn es ist für alle Arbeitnehmer schön, mehr Ferien zu haben. Gewisse Arbeitgeber haben das glücklicherweise auch erkannt, wider Ihre vorherigen Ausführungen: Viele bieten ab 50 Jahren 5 Wochen Ferien, viele aber bereits ab 21 Jahren und ab 50 Jahren dann sogar noch mehr. Coop geht bei über 60-Jährigen sogar bis auf 8 Wochen Ferien.
Ich bitte Sie also - auch im Sinne der Arbeitswelt, die da teilweise vorangegangen ist -, gesetzlich nachzuziehen und 6 Wochen Ferien für alle einzuführen.