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Egger-Wyss Esther · Nationalrat · 2011-04-11

Egger-Wyss Esther · Nationalrat · Aargau · Fraktion CVP/EVP/glp · 2011-04-11

Wortprotokoll

Zusammen mit der Entwicklung von erneuerbaren Energien muss die Abwärme als Europas lokal vorhandene Energiequelle mit dem grössten Potenzial angesehen werden. Vor dem Hintergrund der heutigen Energieversorgungs- und Klimaproblematik sollte gerade dieses Potenzial vermehrt genutzt werden. Fern- oder Abwärme wird heute vorwiegend aus Anlagen zur Kehrichtverbrennung und Abwasserreinigung, aus industriellen Prozessen, aus Holzkraftwerken und - nicht zu vergessen - bei der Stromerzeugung mit Geothermie gewonnen. Spannend ist alleweil, dass sich noch kein Betriebswirtschafter mit diesem Potenzial auseinandergesetzt hat.

Fernwärmeanlagen - da sind wir uns hoffentlich einig - tragen unbestritten zur Reduktion von CO2-Emissionen und Luftschadstoffen bei, indem sie die Zahl von dezentralen fossilen Heizungen reduzieren. In der Schweiz liegt heute jedoch der Anteil der Fernwärme an der Wärmeversorgung lediglich bei ungefähr 4 Prozent. Wir liegen damit im Vergleich mit europäischen Ländern am unteren Ende der Rangliste, und dies sollte doch Anreiz genug für eine verstärkte Nutzung sein. Vor diesem Hintergrund erstaunt die Bekämpfung meines Postulates durch die Grünen zum einen, zum andern aber wiederum nicht, denn es ist eine Tatsache, dass Fernwärme für viele auch in der Energieszene als wenig zukunftsträchtig gilt, etwa mit der Begründung, Fernwärme sei wegen der hohen Investitionen teuer und in Zukunft müsse der Wärmebedarf sowieso stark sinken. Hier erwarte ich nach den emotionalen Diskussionen der letzten Tage und Wochen ohnehin einen Tatbeweis, zumal ja der Preis von Strom anscheinend gerade für diese Kreise keine Rolle spielt.

Ich gehe aber nun einmal davon aus, dass nicht der Grundsatz der Nutzung von Fernwärme zur ablehnenden Haltung gegenüber meinem Vorstoss geführt hat, sondern das Reizwort "Kernenergie" - schade. Damit wird nämlich vergessen, dass viele der zukünftig wichtiger werdenden Technologien zur effizienten Energienutzung und für den Einsatz erneuerbarer Energien aus technologischen und wirtschaftlichen Gründen auf Fernwärme angewiesen sein werden.

Von allen Fernwärmeprojekten der Schweiz, welche die Abwärme von Kernkraftwerken nutzen sollten, wurde einzig die Refuna AG im unteren Aaretal realisiert. Nach anfänglichen finanziellen Schwierigkeiten arbeitet die Refuna AG heute wirtschaftlich und bietet den Kunden zuverlässig Wärme zu einem gegenüber Erdöl und Gas konkurrenzfähigen Preis. Würde diese Wärmemenge mit Erdöl produziert, entstünden jährlich zusätzliche 44 Tonnen CO2. Der Bundesrat sieht erfreulicherweise im Aktionsplan "Erneuerbare Energien" wieder eine landesweite Förderung von Fernwärme aus erneuerbaren Energien oder von Abwärme vor. Es ist mir bewusst, dass die Nutzung von Abwärme beispielsweise aus Kehrichtverbrennungsanlagen einfacher zu bewerkstelligen ist als deren Nutzung aus anderen grosstechnischen Anlagen. Gerade deswegen ist aber eine umfassende Kosten-Nutzen-Analyse unabdingbar.

Es geht mir mit meinem Vorstoss also um Effizienzsteigerung und um die Reduktion der Energieverluste. Der Bundesrat unterstützt in seiner Stellungnahme zu meinem Postulat ganz klar die Förderung aller Formen der Abwärme und sieht dies als ein wichtiges Anliegen einer erfolgreichen Energiepolitik an.

In diesem Sinne bitte ich Sie, mein Postulat anzunehmen.