Schwander Pirmin · Nationalrat · 2011-06-01
Schwander Pirmin · Nationalrat · Schwyz · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2011-06-01
Wortprotokoll
Unsere Minderheit beantragt Ihnen, Artikel 961c Absatz 2 Ziffer 6, "die Zukunftsaussichten", zu streichen. Es geht hier ja um den Inhalt des Lageberichtes. In Absatz 2 ist klar aufgelistet, was der Lagebericht beinhalten muss: gemäss Ziffer 1 die Anzahl Vollzeitstellen, gemäss Ziffer 2 die Durchführung einer Risikobeurteilung. Bei einer Risikobeurteilung muss man ja auch auf die nächsten zwei, drei Jahre schauen und sich fragen: Wo stehen wir, wo haben wir Risiken? Mit Ziffer 2 sind die Zukunftsaussichten deshalb bereits abgedeckt. Das ist der eine Punkt.
Der andere Punkt ist der folgende: Gemäss Absatz 1 muss der Lagebericht die Lage des Unternehmens am Ende des Geschäftsjahres darstellen. Gemäss Absatz 3 darf der Lagebericht nicht in Widerspruch zur Darstellung der wirtschaftlichen Lage in der Jahresrechnung stehen. Die Zukunftsaussichten aber können unter Umständen anders aussehen. Wir wissen spätestens seit der Finanzkrise, dass es sehr schwierig ist, die Zukunftsaussichten einzuschätzen. Da kann es schnell passieren, dass im Nachhinein festgestellt wird, dass man die Zukunftsaussichten nicht gut eingeschätzt hat und dass eine bestimmte Aussage eine Falschaussage war. Dann stellt sich die Frage, wo die Verantwortlichkeiten liegen. Wir möchten vermeiden, dass sich der Lagebericht in Widersprüche verwickelt. Wir sind der Meinung, dass die Risikobeurteilung auch die Zukunftsaussichten beinhaltet und dass das genüge. Wir müssen alles daransetzen, dass nicht im Nachhinein jemand kommen und sagen kann: "Du hast eine falsche Prognose gemacht, also musst du zur Verantwortung gezogen werden!" Das möchten wir vermeiden.
Ich habe persönlich erlebt, wie schnell es gehen kann. Ich kann mich gut an die Kuwait-Krise erinnern: Da brachen die Umsätze in der Informatik innert eines Monats um 50 Prozent ein. Drei Monate vorher haben wir im Jahresbericht noch geschrieben, dass durchaus eine Umsatzsteigerung von 30 Prozent möglich sei. Das ist dann die Diskrepanz. Mit einer guten Risikobeurteilung, wie sie von der Revisionsfirma ohnehin gefordert wird, haben wir die Zukunft genügend abgedeckt.
Ich bitte Sie daher dringend, der Minderheit zu folgen.