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Riklin Kathy · Nationalrat · 2011-06-07

Riklin Kathy · Nationalrat · Zürich · Fraktion CVP/EVP/glp · 2011-06-07

Wortprotokoll

Die vorliegende Botschaft soll auch die vom Parlament verlangte Evaluation und Standortbestimmung des Bologna-Systems enthalten, und zwar in Erfüllung der Postulate Widmer Hans 08.3073 und David 09.3961. Diese Evaluation erfolgt nun, beinahe unbemerkt von allen, in der vorliegenden Zwischenbotschaft.

Fakt ist, dass das im Juni 1999 beschlossene Bologna-System unser Hochschulsystem umgekrempelt hat. Mit gewaltigem Aufwand wurden die Studienprogramme neu organisiert. Vor allem in den Geistes- und Sozialwissenschaften führte die Reform zu grossen Umwälzungen, die noch nicht überall ausgereift und akzeptiert sind. Ich persönlich habe Bologna immer als Chance betrachtet, doch die Kritik bricht nicht ab.

Wurden die Bologna-Ziele erreicht? Bekanntlich sollte durch die Einführung der zweistufigen und vermehrt modularisierten Studienstruktur die universitäre Ausbildung europaweit harmonisiert und wettbewerbsfähiger gemacht und der Austausch gefördert werden. Zur Mobilität hält der Minibericht, er umfasst knapp siebeneinhalb Seiten, fest: "Klar ist jedoch, dass weitaus mehr Studierende mit einem ausländischen Bachelor-Diplom an einer Schweizer Hochschule studieren." Es stellt sich also die Frage: Haben wir vorwiegend eine Einbahnstrasse? Die angestrebte automatische Anerkennung von Studienleistungen, die an anderen Hochschulen erbracht worden sind, ist nicht erfolgt. Die Einführung des ECTS hat zu einem Punktesammeln geführt und zu einem gewissen Buchhaltergeist an den Hochschulen. Und die Studiendauer? Die Botschaft hält auf Seite 813 fest: "Nur 30 Prozent der Studierenden der universitären Hochschulen schliessen ihr Bachelor-Studium innerhalb der vorgesehenen drei Jahre ab."

Ich gestehe, ich habe mehr von dieser Evaluation erwartet. Ich werde erneut beantragen, dass eine fundierte Analyse des Bologna-Systems vorgenommen wird und dann auch allfällige Korrekturen vorgenommen werden.