Diener Lenz Verena · Ständerat · 2011-09-28
Diener Lenz Verena · Ständerat · Zürich · Fraktion CVP/EVP/glp · 2011-09-28
Wortprotokoll
Ich bin fast sicher, dass ich hier zuhanden der Materialien spreche. Ich mache es trotzdem; ich denke, auch die Materialien haben ihren Wert. [PAGE 987]
Ich spreche zur Motion Grunder 11.3427 und vertrete hier die Minderheit. Diese Motion wäre wirklich unterstützungswürdig. Wir haben heute Morgen in sehr vielen Voten Zweifel gehört, ob uns der Ausstieg aus der Atomenergie gelingen wird und ob es uns gelingen wird, genügend Ersatzstromproduktion oder -wärmeproduktion zur Verfügung zu stellen. Mit dieser Motion haben wir eigentlich eine Stossrichtung, die sehr viel Potenzial enthält, Potenzial, das heute schon vorhanden ist, aber nicht genutzt wird. Es geht um Wärme-Kraft-Kopplung, eine Technik, die an sich nicht neu ist, die aber bis heute zu wenig gefördert und zu wenig genutzt wurde. Es geht hier vor allem darum, fossile Grossfeuerungen durch eine Wärme-Kraft-Kopplung zu ersetzen, damit man eben eine optimale Nutzung der Energie hat.
Man findet in der BFE-Datenbank über zehntausend fossile Grossfeuerungen in unserem Land. Es ist ein grosses Potenzial, das eigentlich zur Verfügung stehen würde. Diese fossilen Grossfeueranlagen könnten ersetzt werden. Das heisst, das Öl könnte durch ein Energiepotenzial ersetzt werden, das heute in unserem Land vorhanden ist und viel zu wenig genutzt wird. Ich denke da an Waldholz, an Altholz, an Restholz, Flurholz, Hofdünger, an die biogenen Abfälle in den Kehrichtverbrennungsanlagen. Das ist eine riesiges Potenzial, das es zu nutzen gälte. Es gibt Studien, unter anderem eine Studie des Energie-Trialogs Schweiz. Sie zeigen auf, dass wir hier von einer Grössenordnung von vier bis fünf Terawattstunden pro Jahr sprechen. Das sind alles andere als Peanuts. Aber es ist ein vernachlässigtes Potenzial, weil dessen Nutzung bis jetzt nicht rentabel war, weil es einfacher war, das billige Öl zu verwenden, als in Innovation und in die Technologie zu investieren.
Wenn wir diesen neuen Weg einschlagen, haben wir hier ein riesiges Potenzial. Herr Nationalrat Grunder hat mit dieser Motion den Finger auf den wunden Punkt gelegt. Der Nationalrat hat diese Motion unterstützt. Mir liegt auch ein Schreiben der ETH vor. Ich erwähne das, weil das Zitieren der ETH in letzter Zeit sehr beliebt ist; sie scheint eine integre Institution unseres Landes zu sein, deren Glaubwürdigkeit noch nicht allzu stark bestritten ist. Darum erlaube ich mir jetzt auch, auf diesen Brief hinzuweisen. In diesem Brief steht, dass es unter der Prämisse des gestaffelten Ausstiegs aus der Kernenergie vor allem um die Stromversorgungssicherheit im Winter gehe. Weiter wird darauf hingewiesen, dass die Motion von besonderer Bedeutung ist, weil sie Auswirkungen auf die Stromversorgungssicherheit des Landes hat, gerade auch in kritischen Wintern. Es wird weiter darauf hingewiesen, dass diese Technologie ausgereift ist, dass sie in Österreich und Deutschland in den letzten zehn Jahren intensiv gefördert worden ist, dass sehr viele Biomasseheizkraftwerke realisiert wurden und damit auch technische Erfahrungen gemacht und die Kinderkrankheiten überwunden werden konnten. Es geht aus dem Schreiben hervor, dass wir bei uns in der Schweiz 133 Biomasseheizkraftwerke installiert haben, dass 80 bewilligt sind und dass sich 166 in der Warteschlaufe befinden. Diese warten darauf, dass sie auch von den KEV-Geldern profitieren können.
Ich glaube, wir tun gut daran, alle Energiepotenziale, die wir heute schon haben, aber schlecht nutzen, so rasch wie möglich zu erschliessen. In diesem Sinn bitte ich Sie im Namen der Minderheit, die Motion Grunder zu unterstützen. Sie ist ein wichtiger Mosaikstein im Konzept für den Ersatz des Atomstroms.