Gilli Yvonne · Nationalrat · 2011-12-22
Gilli Yvonne · Nationalrat · St. Gallen · Grüne Fraktion · 2011-12-22
Wortprotokoll
Ich spreche zu Ihnen als Mitglied des Initiativkomitees "Schutz vor Passivrauchen" und als Vertreterin einer Mehrheit der grünen Fraktion.
Es geht nicht einfach darum, den Tabakrauch aus der Umgebungsluft zu entfernen, nur weil es eine unangenehme Erscheinung ist. Es sind nicht einfach die Kleider und die Haare, die nach Rauch riechen. Es ist nicht einfach nur die Fahne eines Kneipenbesuchers am Morgen danach. Nein, Passivrauchen ist gesundheitsschädigend. Weltweit stirbt einer von hundert Menschen an den Folgen des Passivrauchens; das zeigen WHO-Studien, die in über hundert Ländern durchgeführt wurden. Passivrauchen kostet weltweit 600 000 Todesopfer pro Jahr. Passivrauchen erhöht das Risiko, an den verschiedensten Krankheiten zu erkranken: Atemwegerkrankungen, Lungenerkrankungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, Herzinfarkt, chronische obstruktive Lungenerkrankungen, die mit einer sehr hohen Einbusse an Lebensqualität und jahrelangem Leiden verbunden sind. Wenn schwangere Frauen dem Rauch anderer ausgesetzt sind, wirkt sich das auch schädlich auf das ungeborene Kind aus und erhöht das Risiko einer Früh- oder Mangelgeburt. Das Risiko für die Entwicklung einer chronischen Bronchitis, von Husten oder Asthma ist für Nichtraucher umso grösser, je länger sie den Tabakrauch ihrer Mitmenschen einatmen müssen.
Besonders schwer sind notabene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Gastronomiebetrieben betroffen. Arbeiten sie in einem Raucherlokal oder in einem Fumoir, wie es das Bundesgesetz zum Schutz vor Passivrauchen eben heute zulässt, so sind sie während des ganzen Arbeitstages dem gesundheitsschädigenden Tabakrauch ausgesetzt und haben ein hohes Risiko, im Verlauf ihres Lebens zu erkranken.
Dass sich die Regelungen positiv auf die Gesundheit auswirken, wenn sie strenger werden, zeigen eben auch aktuelle Schweizer Studien. Dieses Jahr, im April, hat das Ospedale San Giovanni in Bellinzona Resultate veröffentlicht, wonach im Tessin nach Einführung der rauchfreien Gastronomie die Herzinfarkte um einen Fünftel zurückgegangen sind. Kurz nach der Behandlung der Initiative in der Kommission sind weitere wegweisende Studien erschienen, die allesamt umfassende Regelungen zum Schutz vor dem Passivrauchen positiv bewerten. Das Kantonsspital Graubünden hat in seinen Studien die gleichen Zahlen wie im Kanton Tessin geliefert. Umgekehrt sind in Kantonen wie Luzern, die eben keine dieser strengen Regelungen kennen, die Erkrankungen nicht zurückgegangen. Eine Studie des Genfer Kantonsspitals, die im Mai dieses Jahres erschienen ist, zeigt bei den schweren Erkrankungen ebenfalls die gleichen Reduktionen wie die vorerwähnten Studien.
Mit einem umfassenden Schutz vor dem Passivrauchen lassen sich in der Schweiz jährlich 1000 Spitaleinweisungen und 1800 Spitaltage vermeiden. Wir geben für die nachteiligen gesundheitlichen Folgen des Passivrauchens jährlich über 400 Millionen Franken aus. Erst seit Kurzem gibt es weitere Resultate des Instituts für Tropenmedizin und von Public Health. Sie zeigen, dass Angestellte in rauchfreien Gastronomiebetrieben einer zwölfmal geringeren Belastung durch Passivrauchen ausgesetzt sind als jene in einem Raucherlokal.
Es ist es also wert, dass wir jetzt in die Gesundheit derer investieren, die passiv mitrauchen. Wir können diese wissenschaftlichen Studien nicht mehr länger ignorieren. Die Fakten liegen auf dem Tisch und zeigen sehr klar, dass das Bundesgesetz zum Schutz vor Passivrauchen ungenügend ist. Es liegt an uns Parlamentariern, diesen Missstand zu beseitigen. Wir hatten die Möglichkeit, auf Gesetzesebene aktiv zu werden; das haben wir eben ungenügend getan. Wir haben jetzt eine zweite Chance, die darin besteht, die Initiative "Schutz vor Passivrauchen" zu unterstützen, zusammen mit über fünfzig Organisationen, von welchen viele im Gesundheitsbereich arbeiten.
Ich fordere Sie im Namen einer Mehrheit der grünen Fraktion auf, diese Initiative und somit den Antrag der Minderheit Schenker Silvia zu unterstützen.