Herzog Verena · Nationalrat · 2013-04-15
Herzog Verena · Nationalrat · Thurgau · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2013-04-15
Wortprotokoll
Die Familie ist der Kern und somit das Fundament unserer Gemeinschaft, der wir alle Sorge zu tragen haben. Sie gibt Halt und ist Voraussetzung für das Weiterbestehen einer gut funktionierenden Gesellschaft. Ich vergleiche es mit dem Bau eines Hauses: Ohne ein solides Fundament kann kein Gebäude aufgebaut werden, geschweige langfristig bestehen. Es lohnt sich, in dieses Fundament zu investieren. Dazu braucht es allerdings, Herr Nussbaumer, nicht nur das Portemonnaie; da gebe ich Ihnen Recht. Die wichtigste Aufgabe der Familie ist es, die kommenden Generationen zu Selbstständigkeit und Eigenverantwortung zu führen. Dazu gehören Wertevermittlung, Achtung und Respekt, Ehrlichkeit, Sich-gegenseitig-vertrauen-Können, Verlässlichkeit genauso wie klare Regeln und das Tragen von Konsequenzen. Für die Erziehung, für eine gesunde Entwicklung der Kinder sind die Eltern und nicht der Staat verantwortlich.
Familienaufgaben können höchstens zeitlich begrenzt delegiert werden. Für eine gesunde physische und psychische Entwicklung, für das Entstehen einer Bindung und Beziehung braucht das Kind vor allem in den ersten drei bis fünf Lebensjahren eine möglichst konstante Bezugsperson. Remo Largo, der bekannte Zürcher Kinderarzt und Autor von Langzeitstudien zur Entwicklung der Kinder, schreibt: "Regelmässige, zeitlich ausreichende, beständige Erfahrungen sind die Voraussetzungen dafür, dass ein Baby ein Verhältnis zu einer Bezugsperson aufbauen kann." Diese Konstanz zu einer Bezugsperson ist rein organisatorisch in einer Kinderkrippe meist nicht möglich und kann in der traditionellen Familie gewährleistet werden. Das ist nicht eine Erfindung von mir, sondern das ist eine Tatsache.
Selbstverständlich sind die Eltern frei, ihre Familienform zu wählen. Sie tragen die Verantwortung dafür, auch die finanziellen Konsequenzen ihrer Entscheidung. Das heisst Folgendes: Lassen Eltern, die nicht auf ein Zweiteinkommen angewiesen sind, ihre Kinder fremdbetreuen, sollen sie auch weitgehend für die Kosten der Fremdbetreuung aufkommen. Es ist nicht nachvollziehbar, dass - wie in der aktuellen Bundesregelung - Eltern, die auf ein Zweiteinkommen verzichten und in die Familienarbeit investieren, mit ihren Steuergeldern die Krippenplätze derjenigen subventionieren, die sich trotz Entscheid für die Kinder beruflich verwirklichen oder gleichzeitig Karriere machen wollen.
Diese Fünfer-und-Weggli-Mentalität - Kinder, Karriere und eine Fremdbetreuung auf Kosten der Allgemeinheit - stösst an ihre Grenzen. Im Gegenzug ist genauso eine steuerliche Benachteiligung der Eltern, die in die Familienarbeit investieren, auf ein Zweiteinkommen und damit auf verschiedene Luxusartikel verzichten, nicht nachvollziehbar. Auch diese Eltern sollen für einen Teil der Eigenbetreuungsleistung einen Steuerabzug machen können.
Die SVP tritt für eine eigenverantwortliche Arbeitsteilung in der Familie ein. Es braucht keine staatlichen Ämter und Behörden, die sich mit der Reglementierung des Familienlebens befassen. Staatsinterventionen in der Familienpolitik zielen meistens an den Familien vorbei, vor allem, wenn man auf die Bedürfnisse der Kinder und nicht auf die der Erwachsenen abstellt. Eltern, die als Vorbild für die nächste Generation ihre Erziehungsverantwortung mit Freude und Motivation wahrnehmen, verdienen Wertschätzung und Vertrauen und brauchen keine staatlichen Vorschriften und Kontrollen oder gar staatlich verordnete Erziehungskurse.
Die SVP will junge Familien und künftige Generationen ermuntern, dem wichtigsten, schönsten und verantwortungsvollsten Beruf der Welt wieder die verdiente Achtung zu schenken. Ich bitte Sie, mir genau zuzuhören: Mann und Frau sind sich ergänzende, gleichwertige und gleichberechtigte Partner mit gemeinsamer Verantwortung für die Familie. So dürfen Hausfrau und Mutter oder Hausmann und Vater in unserer Gesellschaft einfach nicht länger als minderwertig abgestempelt werden. Die SVP anerkennt Frau und Mann als gleichberechtigt in Familie, Beruf und Politik.
Der Tendenz zur Geringschätzung der traditionellen Familie und der einseitigen staatlichen Förderung des Familienersatzes unter der beschönigenden Bezeichnung der Familienpolitik wollen wir mit unserer Familien-Initiative nun endlich Gegensteuer geben und die bestehenden Ungerechtigkeiten minimieren. Dass nun bereits von einer Bevorzugung der traditionellen Familie gesprochen wird, ist absurd. Ich hoffe sehr, dass auch Ihnen der Familienkern, das wichtigste Fundament unserer Gesellschaft, den längst fälligen finanziellen Ausgleich wert ist.