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Wiederkehr Roland · Nationalrat · 2001-06-19

Wiederkehr Roland · Nationalrat · Zürich · Evangelische und Unabhängige Fraktion · 2001-06-19

Wortprotokoll

Wenn wir heute die Zeitungen aufschlagen, dann sehen wir die grosse Besorgnis der Kantone darüber, dass ihre Lehrer überfordert sind und dass man jetzt eine Offensive zur Imageverbesserung der Lehrer starten will. Ein ganz wichtiger Punkt, warum die Lehrer genug haben, warum man wenig Lehrer findet, ist: Sie sind völlig überfordert, indem sie nicht nur Wissen vermitteln müssen, sondern sie müssen auch Psychologie studiert haben, sie müssen etwas wissen über Gewaltkonflikte, über Migration usw. Kurz und gut, man hat die Lehrer eigentlich allein gelassen, obwohl man gewusst hat, dass in unseren Schulen, in unserer Gesellschaft insgesamt, die Gewaltbereitschaft zunimmt. Konflikte werden nicht mehr nur verbal, sondern eben mit Fäusten ausgetragen.

Ersetzen Sie jetzt einmal die Formulierung "ziviler Friedensdienst" im Text der Initiative mit "Organisation". Und fast [PAGE 804] jedermann würde, aufgrund der gegenwärtigen Situation in unserer Gesellschaft, Ihrem Anliegen zustimmen: eine Organisation zu bilden, die vom Bundesrat gefördert werden sollte, um präventiv Gewalt zu bekämpfen. Sie böte in Zusammenarbeit mit staatlichen Institutionen - Nichtregierungsorganisationen und Privaten - eine Grundausbildung an, die Wissen und Praktiken gewaltfreier Konfliktbearbeitung vermitteln würde, zur Entlastung der Lehrer zum Beispiel.

Ich zitiere aus dem Initiativtext: Diese Organisation trägt dazu bei, "Gewaltverhältnisse abzubauen sowie deren Neuentstehung zu verhindern. Dazu entwickelt sie insbesondere Massnahmen zur Früherkennung und Prävention von Gewaltpotenzialen, zum Schutz der Lebensgrundlagen, zur friedlichen Beilegung gewalttätiger Auseinandersetzungen und sogar zum sozialen Wiederaufbau". Ich glaube, Sie könnten angesichts der heutigen gesellschaftlichen Situation, mit der wir konfrontiert sind, hinter all diesen Forderungen stehen.

Ich habe in der Kommission gesagt, dass mir die Grundanliegen dieser Leute, die den zivilen Friedensdienst fördern wollen, ausserordentlich sympathisch sind. Ich glaube, dass wir heute in unserer Gesellschaft frühzeitig, das heisst auch in den Schulen, etwas tun müssten, um mit Konflikten umgehen zu lernen - um zu lernen, das eigene Aggressionspotenzial nicht zerstörend einzusetzen. Ich war deshalb in der Kommission der Meinung, dass man sofort einen solchen Vorstoss aufnehmen müsste. Dass er jetzt verquickt wird mit dem zivilen Friedensdienst, dass dieser den Ruch hat, in Kombination mit der Armeeabschaffungs-Initiative zu stehen, gibt natürlich dieser Initiative hier keine Chance, das ist mir völlig klar.

Aber ich möchte eigentlich unseren Sicherheitsminister, Herrn Bundesrat Samuel Schmid, auffordern, mit seinen Mannen und Frauen darüber zu diskutieren, wie das Grundanliegen umzusetzen ist, nämlich hier in der Schweiz die Möglichkeit zu einer Ausbildung für alle zu geben, um Konflikte zu verhüten und um Lehrern schlussendlich wieder Freude an ihrem angestammten Beruf der Wissensvermittlung zu geben. Das möchte ich Ihnen mit auf den Weg geben, Herr Bundesrat.

Tatsächlich leiden natürlich Schulinhalte und Wissensvermittlung unter diesen Konflikten, die wir heute auch in unserem Land haben. Das Beste, was wir für ein gutes Klima bezüglich Wirtschaftswachstum tun können, ist, unseren Jungen eine ausgezeichnete Ausbildung zu geben. Wenn Energie und Kräfte während der Ausbildung absorbiert werden, weil man nicht weiss, wie mit Aggressionen und aufkommenden Konflikten umzugehen ist, dann verlieren wir auf der ganzen Linie.

Herr Bundesrat, das möchte ich Ihnen als Sicherheitsminister mitgeben, damit auch diese Seite nochmals diskutiert wird.