Cathomas Sep · Nationalrat · 2009-09-25
Cathomas Sep · Nationalrat · Graubünden · Fraktion CVP/EVP/glp · 2009-09-25
Wortprotokoll
In ihrer zehnten Berichtsperiode kann die NAD auf eines der erfreulichsten Jahre bei der Realisierung des Jahrhundertbauwerks Neat zurückblicken. Die CVP/EVP/glp-Fraktion ist erfreut über die gute Entwicklung beim grössten Bauprojekt unseres Landes. Insbesondere darf der im Berichtsjahr erzielte Fortschritt im Abschnitt Faido-Sedrun als grosser Erfolg bewertet werden. Als Folge der problemlosen Durchörterung der Piora-Zone, was seitens von Experten als grösste Herausforderung und als nichtabschätzbares Risiko eingestuft wurde, konnte das Gesamtterminrisiko markant vermindert werden.
Erfreulich hat sich auch die Betriebsaufnahme am Lötschberg-Basistunnel entwickelt. Mit der hohen Verfügbarkeit des Gesamtsystems werden die dem Projekt gesetzten Ziele vollumfänglich erfüllt. Mit einem Tagesrekord von 109 und einem Jahrestotal von 33 000 Zügen - wobei der Anteil der Züge, welche den Basistunnel im ersten Betriebsjahr störungsfrei und fahrplanmässig durchquert haben, 98,5 Prozent betrug - wurden die geplanten Kapazitäten sogar übertroffen. Auch die Abschlussarbeiten und die Kontrollen der Betriebsauflagen waren Ende 2008 gemäss Angabe des BAV auf Kurs. Die NAD hat auf die rasche Erledigung dieser Abschlussarbeiten gedrängt, weil die Anlage- und Finanzbuchhaltung die Basis für die Eröffnungsbilanz der BLS Netz AG ist, welche ab dem 1. Januar 2009 die Rechtsnachfolgerin der BLS AT bildet.
Trotz dieser grösstenteils erfreulichen Entwicklung macht der Bericht der NAD für das Jahr 2008 auf Risiken aufmerksam, die spezielle Beachtung verdienen. Das grösste Gefahrenpotenzial für die Kosten beim Gesamtprojekt Neat wird beim Risikofaktor Baugrund geortet. Trotz der erwähnten problemlosen Durchörterung der Piora-Mulde sind noch nicht alle kritischen Zonen durchörtert. Auch der Ceneri-Basistunnel bringt ein erhebliches Baugrundrisiko mit sich. Weiter sind die Bewegungen an der Gebirgsoberfläche in der Nähe der Stauanlagen auf dem Teilabschnitt Faido-Sedrun noch nicht ganz abgeklungen. Obwohl das bis heute gemessene Ausmass der Verschiebungen noch keine nachteiligen Auswirkungen auf diese Bauwerke zur Folge hat, können je nach Entwicklung grössere Haftpflichtforderungen auf uns zukommen.
Ein weiteres Gefahrenpotenzial ortet die NAD beim Risikofaktor Schnittstellen. Unklare oder missverstandene Schnittstellen zwischen dem BAV, der ATG als Erstellerin und den künftigen Betreibern sowie zwischen den verschiedenen Vertragsnehmern in den Bereichen Rohbau, Rohbauausrüstung und Bahntechnik können zu Doppelspurigkeiten, Lücken und Verzögerungen führen. Die NAD legt daher besondere Aufmerksamkeit darauf, dass seitens der ATG detaillierte Überlegungen zur Schnittstellenproblematik angestellt werden.
Trotz dieser Unsicherheiten und Restrisiken bleibt die Projektprognose für das Gesamtprojekt Neat seit zwei Jahren stabil. Per Ende 2008 werden die Gesamtkosten auf 18,685 Milliarden Franken errechnet. Darin sind Kostenpositionen für Risiken im Rahmen von 1,334 Milliarden Franken ausgewiesen. Aufgrund des Baufortschrittes sind während des Jahres 2008 das Gefahrenpotenzial um 0,1 Milliarden und das Chancenpotenzial um 0,2 Milliarden Franken gesunken.
Je besser die obenerwähnten Schwierigkeiten und Risiken gemeistert werden, desto kleiner ist der Finanzierungsvorbehalt für Risiken und desto genauer ist die Kostenprognose.
Ein weiteres Thema, dem die NAD im vergangenen Jahr Beachtung geschenkt hat, betrifft die Arbeitssicherheit und die Arbeitsbedingungen auf den Neat-Baustellen. Die Datenerhebungen liessen gesamthaft, bei allen vier Hauptlosen, [PAGE 1793] eine Häufung der Unfälle in der zweiten Hälfte der Arbeitsschicht erkennen. Aus der Sicht der NAD ist die tendenzielle Zunahme von Unfällen gegen das Schichtende ein Indiz für die Bedeutung von Ruhepausen. Aus diesem Grunde unterstützt die NAD die Anstrengungen des Seco, dass die Regelungen des Arbeitsgesetzes konsequent eingehalten werden.
Zusammenfassend darf festgestellt werden, dass das Neat-Projekt auf gutem Wege ist und durch alle direkt am Bau, an der Planung und an der Projektumsetzung beteiligten Personen mit unermüdlichem Einsatz vorangetrieben und mit grossem Fachwissen begleitet wird. Sie verdienen unseren Dank und unsere Anerkennung.
Die CVP/EVP/glp-Fraktion beantragt die Kenntnisnahme des Berichtes.