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Gasser Josias F. · Nationalrat · 2013-03-14

Gasser Josias F. · Nationalrat · Graubünden · Grünliberale Fraktion · 2013-03-14

Wortprotokoll

Im Titel heisst es ja "Freigabe der Investitionen in erneuerbare Energien". Schon vorgestern konnte ich nicht aufs Maul sitzen, und heute geht das noch viel weniger. Ich möchte meine Interessenbindung offenlegen: Ich bin KMU-Unternehmer, und ich bin auch Betreiber von Solaranlagen. Das ist nicht mein Hauptgeschäft, sondern ich betrachte das als Zusatzgeschäft. Seit einigen Tagen bin ich auch als Betreiber der momentan grössten Windenergieanlage im Kanton Graubünden aktiv. Es windet dort, es hat aber auch Sonne.

Ich meinte, ich sei heute Morgen im falschen Film. Da wird von Kuhhandel innerhalb der Wirtschaft gesprochen. Wer beginnt jetzt hier, die Wirtschaft auseinanderzudividieren, wo die Wirtschaftsverbände doch so gerne gemeinsame Sache machen? Liebe Unternehmerinnen und Unternehmer in diesem Saal, liebe Vertreterinnen und Vertreter des Gewerbes: Grossverbraucher sind nicht nur Grossunternehmungen der Economiesuisse, denen sie offensichtlich die Entlastung nicht gönnen mögen. Nein, es sind eben auch KMU. Ich kann Ihnen ein Beispiel geben. In Chur gibt es ein KMU, eine Giesserei, einen Grossverbraucher, der die Entlastung mehr als nur verdient. Und wenn er hören würde, dass Sie es ihm nicht gönnen mögen, dass er entlastet wird, dann würde er das kaum verstehen - sprechen Sie mal mit ihm! Es gibt eben solche KMU.

Ich bin durchaus auch kostenbewusst. Ich bin mir bewusst, dass auch die Stromkosten ein Faktor sind. Aber seien Sie jetzt mal realistisch, liebe Gewerblerinnen und Gewerbler. Haben Sie einmal die Rechnung gemacht, wie gross dieser Kostenblock in Ihren Gesamtkosten ist? Rechnen Sie mal! Ich habe diese Zahlen vom Gewerbeverband nie bekommen, obschon ich diese schon längstens anforderte.

Freiwillig kaufe ich seit Jahren Ökostrom für 60 Rappen. Ich bin noch nicht pleitegegangen. In Chur gibt es Gewerbebetriebe, die sauberen, aus Wasserkraft produzierten Strom kaufen, und zwar mit einem Aufschlag von 2 Rappen. Sie sind auch noch nicht pleitegegangen. Wir Unternehmer haben die Entscheidungsfreiheit, in Energieeffizienz zu investieren. Das kann sich dann eben lohnen.

Jetzt kommt noch das ganz Dicke, liebe Unternehmerinnen und Unternehmer: Es kann doch nicht sein, dass wir 24 000 investitionswillige Gewerbler, Private und Bauern - Bauern! - darauf warten lassen, dass sie investieren dürfen. Der Gesamtbetrag macht investitionsmässig rund 720 Millionen Franken aus, wenn wir im Durchschnitt pro Anlage 30 000 Franken rechnen. Ein Drittel der Wertschöpfung von 720 Millionen erfolgt in der Schweiz, liebe Wirtschaftsleute! Es geht um Arbeitsplätze, Wertschöpfung, Innovation - wenn wir das nicht packen, dann verstehe ich die Welt nicht mehr! Und wer bezahlt, und wer bekommt, liebe Gewerbler? Es profitiert auch das Gewerbe, sonst würde ich nicht hier oben stehen. Natürlich profitiert das Gewerbe. Es gibt eine grössere Branche, die profitiert.

Ich kann nur sagen: Unterstützen Sie diese ganz wichtige Vorlage, geben Sie diese Investitionen frei! Ich empfehle Ihnen das von Herzen.

Lehnen Sie den Antrag Wasserfallen ab! Die Argumente sind vorgebracht worden. Ich meine, den Antrag Gasche müsste man zu einem späteren Zeitpunkt diskutieren.