Bruderer Wyss Pascale · Ständerat · 2013-09-16
Bruderer Wyss Pascale · Ständerat · Aargau · Sozialdemokratische Fraktion · 2013-09-16
Wortprotokoll
Auch mich bringt der Antrag Stadler Markus ein bisschen in ein Dilemma. Ich möchte zuerst begründen, warum ich die Erwähnung der Schrift nicht unterstützen kann, wie es in seinem Antrag oder im Antrag der Minderheit der Fall ist.
Wir haben in den Hearings vernommen - ich fand das sehr aufschlussreich -, worum es hier eigentlich im Kern geht: Es geht um eine Sprachhandlungskompetenz, die bei der Beurteilung der Integration wichtig sein muss. Betreffend diese Sprachhandlungskompetenz gilt es, zumindest aus fachlicher Sicht zu unterscheiden zwischen Sprechen und Hören, welche die Verständigung im Alltag ermöglichen, einerseits und Lesen und Schreiben andererseits. Das sind eben auch aus wissenschaftlicher Sicht zwei Paar Schuhe. Wenn wir uns überlegen, wen wir als gut integriert erachten, mit wem wir uns verständigen können, wer sich äussern kann, wer darlegen kann, was seine Meinung ist, wem wir Rechte und Pflichten erklären können, dann sehen wir, dass es eben um diese Sprachhandlungskompetenz geht, diese Verständigung im Alltag, wie sie hier festgeschrieben ist.
Sehr aufschlussreich war für mich ebenfalls ein intensiver Austausch mit den Verantwortlichen beim Kanton Aargau, die mir einen Test gezeigt haben, wie er ab dem 1. Januar 2014 dort obligatorisch sein wird, eben einen Verständigungstest. Dort werden Alltagssituationen gezeigt. Danach muss der oder die Einbürgerungswillige zeigen, dass er oder sie diese Alltagssituation verstanden hat, z. B. Lautsprecherdurchsagen an einem Bahnhof, z. B. die Information über ein bestimmtes Medikament in der Apotheke - also gesundheitsrelevante Informationen -, auch Informationen zu Produkten und Konsumverhalten beim Einkaufen. Es hat sich gezeigt - für mich war es sehr interessant, das zu sehen -, dass die Kompetenzen, die dort abgerufen werden, eben wirklich alltagstauglich sind und darüber eine Auskunft geben, wie die Verständigung im Alltag ist. Die Befürchtung seitens der Vertreterinnen und Vertreter des Kantons Aargau ist, dass es klar in Richtung Verschulung gehen würde, wenn auch die Schrift bei Tests eingeführt würde. Das kann ich nachvollziehen und die Erwähnung der Schrift in dieser Art und Weise deshalb nicht unterstützen.
Warum genügt es mir aber nicht, gemäss Antrag Stadler Markus hier in Bezug auch auf die gesprochene Sprache das Kriterium "genügend" zu haben? Wir haben vorher bei den Integrationskriterien gesagt, dass sie in dem Sinn hoch sein sollen und dürfen, dass eben gerade die Sprache wirklich ein Schlüssel zur gegenseitigen Verständigung ist. Deshalb kann ich auch diesen Teil des Antrages Stadler Markus nicht unterstützen.
Ich halte es wie meine Vorredner, so, wie Herr Abate es auch gesagt hat: Ich glaube, die Mehrheit hat hier wirklich eine gute Formulierung gefunden. Es geht darum, "sich im Alltag in einer Landessprache gut" verständigen zu können. Das ist wichtig. Da genügt "genügend" nicht, da muss es "gut" sein. Aber das bezieht sich eben auf die Verständigung im Alltag, und die Schrift wäre eine zusätzliche und aus meiner Sicht nicht sinnvolle Ergänzung.