Stöckli Hans · Ständerat · 2013-09-16
Stöckli Hans · Ständerat · Bern · Sozialdemokratische Fraktion · 2013-09-16
Wortprotokoll
Lieber Kollege Stadler, Ihr Vorschlag hat etwas Bestechendes. Er ist ein Kompromiss, aber er enthält zwei Fehler: Auf der einen Seite bedeutet er, dass man bei der Sprache, im gesprochenen Teil, von der Erwartung "gut" zu "genügend" geht. Wenn man von den Kriterien des Gemeinsamen europäischen Referenzrahmens für Sprachen ausgeht, würde das bedeuten, dass Sie vielleicht ein Niveau A1 vorsehen würden. Hingegen möchten wir, dass die Leute in der sprachlichen Kommunikation unabhängig sind. Ihr Antrag würde also zu einem Rückschritt führen. Man sollte nicht von "gut" wegkommen.
Hingegen wäre es gut, dass man, wenn man auch die geschriebene Sprache als Kriterium nennen will, bei dieser nicht die gleiche Voraussetzung hat wie beim gesprochenen Wort. Die Schriftlichkeit in diesem Ausmass zu verlangen ist nicht sehr klug und wurde auch in den Hearings von den Leuten als schlechte Lösung dargestellt. Wenn man die gleichen Kriterien wie bei der Verständigung in gesprochener Sprache verlangt, baut man Barrieren, die die Erfüllung der Integrationskriterien für viele Leute als fast unerreichbar erscheinen lassen. Wenn Sie sagen würden, dass im Bereich des Wortes "gut" und im Bereich der Schriftlichkeit "genügend" als Voraussetzung gelten würden, könnte das vielleicht ein echter Kompromiss sein. Aber ich bin nicht der [PAGE 752] Meinung, dass man beim gesprochenen Wort von "gut" zu "genügend" gehen sollte. Das wäre eine Erleichterung, die man zweifellos nicht unterstützen sollte.