Vitali Albert · Nationalrat · 2014-05-05
Vitali Albert · Nationalrat · Luzern · FDP-Liberale Fraktion · 2014-05-05
Wortprotokoll
Die Gold-Initiative, das haben wir heute schon ein paarmal gehört, ist widersprüchlich. Dazu zwei Feststellungen:
1. Im Ständerat hat sich gar kein SVP-Mitglied für die Initiative starkgemacht, und es musste nicht einmal darüber abgestimmt werden.
2. Die Initiative ist auf der Website der SVP nicht aufgeschaltet - Sie sehen, dass ich mich dort erkundigt habe -; ein kleines Editorial und ein paar Referate geben über die Initiative Auskunft.
Die Initianten gehen davon aus, dass Gold stabiler ist als Währungen und Aktien. Dem ist bei Weitem nicht so. Der Goldpreis pro Unze stieg von 500 Dollar im Jahr 2006 bis auf 1800 Dollar im Jahr 2011. Heute liegt er bei rund 1200 bis 1400 Dollar. Sie sehen also: Auch der Goldpreis zeigt grosse Schwankungen. Wer hat den grössten Einfluss auf den Goldpreis? Es sind dies grössere ausländische Zentralbanken und Goldminengesellschaften. Mit einem höheren Goldanteil wären wir von diesen abhängig. In den vergangenen Jahren hat die Nationalbank Gold verkauft. Die Initianten sagen: zu einem schlechten Preis. Weil die Schwankungen des Goldpreises eben gross sind, war es schwierig, den geeigneten Zeitpunkt zu finden. Die Verluste der Nationalbank im Jahr 2013 resultierten übrigens auch aus einem Rückgang des Goldpreises.
Im Jahr 2012 musste die Nationalbank zur Stützung des Frankens in kurzer Zeit für 194 Milliarden Franken Devisen kaufen. Bei einem fixen 20-Prozent-Anteil an Gold hätte das für die Nationalbank bedeutet, für 32 Milliarden Franken Gold zu kaufen. Sie können sich vorstellen, wie schnell der Goldpreis in die Höhe geschnellt wäre und dass die Nationalbank teures Gold hätte kaufen müssen. Anschliessend hätte sie das Gold nicht einmal mehr verkaufen dürfen, wenn sich die Lage beruhigte. Der Anteil an Gold würde so immer grösser.
Es ist für die Nationalbank empfehlenswert, ihr Portfolio gut zu diversifizieren und in Aktien, Gold und anderen realen Werte anzulegen. Der Goldanteil kann sicher noch etwas steigen, aber schonend und langsam. Mehrere Köche verderben den Brei, und darum ist es gut, dass wir uns nicht in die Geschäfte der Nationalbank einmischen.
Weiter betonen die Initianten immer wieder, dass sie eine unabhängige Schweiz wollen. Das will ich auch. Aber ich will auch eine unabhängige Nationalbank. Dass sie Handlungsfreiheit hat, ist gut für unsere Wirtschaft. Das hat sie mit den Krisenbewältigungen in den letzten Jahren eins zu eins bewiesen.
Ich war schon immer der Meinung, dass sich die Politik nicht in die Geschäfte der Nationalbank einmischen soll, und dabei bleibe ich auch heute noch. Ich lehne die Gold-Initiative ab und bitte Sie, das Gleiche zu tun.